Ein Kommentar zum gestrigen Abschied von Bürgermeister Michael Kölbl

Da könnte es einem angst und bange werden: Stellen Sie sich mal vor, Sie müssten die Interessen von rund 13.000 Individuen vertreten – jeder politischen Couleur, jeder religiösen Strömung, aus jedem Stadtgebiet, jedem Häuserblock, der Altstadt, dem Burgerfeld, aus Reitmehring und der Burgau, jeder Berufsgruppe, jedem Verein und jeder Interessenvertretung. Jeder will was von einem. Und das das ganze Jahr über, praktisch 365 Tage.  Auf Bayerisch gesagt: Ja, mia gangst.

Michael Kölbl hat genau das gemacht. 24 Jahre lang. Der (ab heute) ehemalige Bürgermeister war in seinem Amt ein Mittler, ein Moderator, ein gewiefter Kommunalpolitiker mit juristischem Background, verlässlich und seinen Bürgern und der Stadt durch und durch loyal. Dass ihm manche vorwerfen, kein Visionär gewesen zu sein, keiner, der in Wasserburg volksnah durch die Kneipen zog – Schwamm drüber. Viel wichtiger war: Die Stadt Wasserburg hätte Kölbl nie für ein politisches Kalkül, für seinen eigenen politischen Vorteil hintangestellt. Wasserburg, das war einfach Seins.

Mit Michael Kölbl focht ich – als einer der Vertreter des Wirtschafts-Förderungs-Verbandes – so manchen Kampf aus. Gefühlt bekamen wir viele Jahre lang nie die nötige Unterstützung durch die Stadt, nie die gewünschte Würdigung. Wir hatten sehr lange ein eher durchwachsenes Verhältnis, was sich die letzten Jahre allerdings gravierend gebessert hat. Mei: Wirtschafts-Förderungs-Verband und SPD – das passt halt nicht wirklich zusammen. Und der Kölbl Michi ist halt auch ein alter Sozi. Aber er ist noch etwas anderes: Ein Taktiker der absoluten Meisterklasse (ich beneide ihn dafür).

Wie oft sind wir Vertreter des Wirtschafts-Förderungs-Verbandes in Kölbls Amtszimmer gesessen, haben stundenlang übers Frühlingsfest, Christkindlmarkt, über Zuschüsse fürs Stadt-Marketing, über das aus unserer Sicht viel zu geringe Engagement der Stadt bei der einen oder anderen Veranstaltung oder bei der Weihnachtsbeleuchtung gestritten. Hin und her wogten die Argumente. Wie oft sind wir danach aus dem Amtszimmer Kölbls raus und haben uns im ersten Morgengrauen der Euphorie noch im Treppenhaus des Rathauses wie die Sieger gefühlt, uns fett abgeklatscht, im festen Glauben das Maximale herausgeholt zu haben. Und drei Minuten später vor dem Rathaustor, nach kurzem Nachdenken – da sahen wir uns in die Augen, schwiegen, wischten uns mit der flachen Hand durchs Gesicht, stießen tiefe Seufzer aus und stellten fest: Jetzt hod der Hamme uns schon wieder übern Tisch zogn und genau des erreicht, wos er woit. Respekt, Mister Tactical, Respekt Michael Kölbl!

Das Team der Wasserburger Stimme wünscht dem ab heute ehemaligen Bürgermeister einen wunderbaren Ruhe- beziehungsweise Unruhestand! Einfach so, wie er sich das für sich und seine Familie wünscht …

Schaufenster