ELF Rosenheim bestätigt Vorstand bei Jahreshauptversammlung

Zur Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen hatte der Kreisvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ELF) Rosenheim, Sepp Andres, ins Gasthaus Hirzinger nach Söllnhuben eingeladen. Zahlreiche Mitglieder, Ehrengäste und Interessierte waren der Einladung gefolgt. Besonders begrüßen konnte Andres den Landtagsabgeordneten Sebastian Friesinger, die Bezirksrätin und stellvertretende Landrätin Marianne Loferer, den oberbayerischen ELF-Bezirksvorsitzenden Michael Hamburger mit einer Delegation sowie viele Vertreter aus Landwirtschaft und Kommunalpolitik. Als Ehrengast des Abends sprach der ehemalige Bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Dr. Marcel Huber.

In seinem Rückblick auf die vergangenen beiden Jahre zeigte Sepp Andres die vielfältigen Aktivitäten des Kreisverbandes auf. Neben zahlreichen besuchten Veranstaltungen wurden auch eigene Informations- und Diskussionsveranstaltungen organisiert. Ziel sei es stets gewesen, die Anliegen der Landwirtschaft sichtbar zu machen und den Austausch zwischen Praxis, Politik und Gesellschaft zu fördern.

Andres machte deutlich, dass ehrenamtliches Engagement eine wichtige Grundlage für die Interessenvertretung der Landwirtschaft sei. „Wenn man nichts tut, funktioniert auch nichts“, betonte er. Gleichzeitig bedauerte er, dass landwirtschaftliche Vertreter in vielen regionalen Gremien zahlenmäßig nur schwach vertreten seien. Gerade deshalb sei es wichtig, dass Organisationen wie die ELF den bäuerlichen Familienbetrieben eine Stimme geben und sich aktiv für deren Belange einsetzen.

In ihrem Grußwort unterstrich die stellvertretende Landrätin Marianne Loferer die große Bedeutung der Landwirtschaft für die Region Rosenheim. Landwirtschaft und Kommunalpolitik seien eng miteinander verbunden. In den Gemeinden werde darauf geachtet, dass sowohl Umwelt- als auch Landwirtschaftsthemen ihren Stellenwert behalten. Die bäuerlichen Familienbetriebe seien nicht nur wichtige Wirtschaftsfaktoren, sondern auch unverzichtbar für die Pflege der Kulturlandschaft und die Lebensqualität im ländlichen Raum.

Der oberbayerische Bezirksvorsitzende Michael Hamburger berichtete über aktuelle Themen auf Bezirks- und Landesebene. Besonders ging er auf ein kürzlich stattgefundenes Gespräch im Bayerischen Landwirtschaftsministerium zu den sogenannten roten und gelben Gebieten ein. Bayern habe hierzu einen Vorschlag erarbeitet, der die Vorgaben deutlich vereinfachen und praxisgerechter gestalten soll. Nun gelte es, die Zustimmung der übrigen Bundesländer zu gewinnen. Auch innerhalb des Deutschen Bauernverbandes müsse hierfür noch Überzeugungsarbeit geleistet werden.
Hamburger informierte außerdem über die zahlreichen Aktivitäten des Bezirksverbandes. Dazu gehörten unter anderem die Neuwahlen im Kreisverband Freising, der Besuch des Freilichtmuseums Amerang sowie die Teilnahme am traditionellen Fest des Fischerkönigs in Memmingen auf Einladung von Landwirtschaftsminister a. D. Josef Miller. Der Bezirksverband freue sich stets über Einladungen aus den Kreisverbänden und den direkten Austausch mit den Mitgliedern vor Ort.

Anschließend leitete Michael Hamburger die turnusmäßigen Neuwahlen. Die Mitglieder bestätigten dabei den bisherigen Vorstand nahezu einstimmig im Amt. Kreisvorsitzender bleibt Sepp Andres. Zu seinen Stellvertretern wurden erneut Christian Rinser und Sebastian Friesinger gewählt. Roland Kirr bleibt Schriftführer, während Elisabeth Grabmeier weiterhin die Kasse führt. Neu in den Kreis der Beisitzer wurde die stellvertretende Kreisbäuerin Maria Fischbacher gewählt. Die Versammlung würdigte damit die erfolgreiche Arbeit des bisherigen Vorstandsteams und setzte zugleich ein Zeichen für Kontinuität.

Den inhaltlichen Höhepunkt des Abends bildete der Vortrag von Dr. Marcel Huber. Unter dem Titel der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Landwirtschaft spannte er einen weiten Bogen von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart und zeigte eindrucksvoll auf, wie stark sich die Rolle der Landwirtschaft in der öffentlichen Wahrnehmung verändert hat.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sei die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe gewesen. Damals hätten rund 500.000 kleinstrukturierte Betriebe mit durchschnittlich sechs Hektar Fläche die Ernährung der Menschen gesichert. Die Landwirtschaft sei als unverzichtbarer Ernährer der Bevölkerung angesehen worden. Heute gebe es nur noch rund 85.000 Betriebe mit einer durchschnittlich deutlich größeren Betriebsfläche. Gleichzeitig seien die Anforderungen an die Betriebe enorm gestiegen.

Huber erinnerte daran, dass in den 1950er Jahren viele Lebensmittel direkt aus der Region stammten und nur ein kleiner Teil über den Handel bezogen wurde. Heute würden die meisten Lebensmittel über den Lebensmitteleinzelhandel gekauft. Dort fänden sich Produkte aus aller Welt, während die Herkunft und die Produktionsbedingungen häufig in den Hintergrund träten. Gleichzeitig würden heimische Erzeuger besonders kritisch beobachtet und kontrolliert.

Während der Staat nach dem Krieg eine deutliche Produktionssteigerung gefordert habe, um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten, habe sich das Bild des Landwirts in der Öffentlichkeit grundlegend gewandelt. Der Landwirt werde heute vielfach mit Umweltproblemen, falscher Tierhaltung oder Flächenverbrauch in Verbindung gebracht, obwohl die bayerischen Betriebe im internationalen Vergleich unter sehr hohen Standards produzierten.

Besonders hob Huber hervor, dass Bayern beim Trinkwasserschutz, beim Umwelt- und Naturschutz sowie bei der Lebensmittelsicherheit Maßstäbe setze. Gleichzeitig hätten sich die Erwartungen der Gesellschaft verändert. Um tragfähige Lösungen zu entwickeln, seien deshalb im Praktikerbeirat unter seiner Leitung nicht nur landwirtschaftliche Verbände, sondern auch Vertreter der Öko-Landwirtschaft eingebunden worden.

Der von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber ins Leben gerufene Praktikerbeirat habe in den vergangenen Monaten intensiv gearbeitet und ein umfassendes Positionspapier zur Zukunft der bayerischen Landwirtschaft erarbeitet. Verbände und Praktiker hätten dabei konstruktiv zusammengearbeitet und gemeinsame Positionen entwickelt. Das Ergebnis sei mittlerweile an die Landwirtschaftsministerin übergeben worden. Ein zentrales Anliegen sei der Erhalt der bäuerlichen Familienbetriebe. Diese seien weit mehr als reine Produktionsstätten. Sie prägten das Dorfleben, stifteten Identität und sorgten für eine enge Verbindung zwischen Erzeugern und Verbrauchern. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Produktionsverlagerungen ins Ausland gewinne die Frage der Versorgungssicherheit wieder an Bedeutung. Deutschland dürfe sich nicht in immer größere Abhängigkeiten begeben, sondern müsse wichtige Bereiche der Grundversorgung im eigenen Land erhalten.

Kritisch betrachtete Huber auch die starke Marktmacht weniger großer Lebensmittelkonzerne. Während es früher selbstverständlich gewesen sei, die Versorgung mit Lebensmitteln als strategisch wichtige Aufgabe zu betrachten, liege diese heute zunehmend in den Händen weniger Unternehmen. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten jedoch gezeigt, wie wichtig regionale Wertschöpfungsketten und eine leistungsfähige heimische Landwirtschaft seien.
Großen Raum nahm auch die Diskussion über die Leistungen der Landwirtschaft für die Allgemeinheit ein. Ob Kulturlandschaftsprogramm (KULAP), Blühflächen, Almbewirtschaftung, Biodiversität oder Artenvielfalt – viele Leistungen würden von den Landwirten tagtäglich erbracht, ohne dass dies in der Öffentlichkeit ausreichend wahrgenommen werde. Dabei profitierten nicht nur Natur und Umwelt davon, sondern auch der Tourismus, der in Bayern maßgeblich von der gepflegten Kulturlandschaft lebe.

Huber stellte die Frage, wer diese Aufgaben übernehmen würde, wenn die Landwirtschaft sie nicht mehr leisten könnte. In diesem Fall müssten Fachbetriebe mit erheblichem finanziellem Aufwand beauftragt werden. Deshalb sei es nur gerecht, dass die zusätzlichen Leistungen der Landwirte angemessen honoriert würden. Schließlich arbeite niemand dauerhaft ohne Entlohnung.

In der anschließenden Diskussion wurden zahlreiche weitere Themen angesprochen. So wurde gefordert, dass das Amt für Landwirtschaft das Wort „für“ wieder stärker mit Leben erfüllen und die Betriebe aktiv unterstützen müsse. Ebenso wurde auf die Problematik unterschiedlicher Produktionsstandards hingewiesen. Während heimische Betriebe hohe Auflagen erfüllen müssten, würden Produkte aus Ländern mit deutlich niedrigeren Standards problemlos importiert und akzeptiert.

Weitere Diskussionspunkte waren die Patentierung von Saatgut und die Gefahr neuer Abhängigkeiten von internationalen Konzernen. Auch die Veröffentlichung von EU-Fördergeldern im Internet und die daraus entstehenden Neiddebatten wurden kritisch betrachtet.

Landtagsabgeordneter Sebastian Friesinger berichtete abschließend aus seiner politischen Arbeit. Derzeit beschäftigten ihn zahlreiche Themen, die den ländlichen Raum unmittelbar betreffen. Dazu zählen unter anderem die Moorwiedervernässung, Gewässerrandstreifen, künstliche Gewässer, Biber, Fischotter, Saatkrähen, Fragen des Erdaushubs sowie das Walzverbot. Die Liste der Herausforderungen sei lang, weshalb eine starke politische Interessenvertretung für die Landwirtschaft wichtiger denn je sei.

Zum Abschluss der Versammlung wurde deutlich, dass die Landwirtschaft weit mehr ist als die Erzeugung von Lebensmitteln. Sie trägt Verantwortung für Versorgungssicherheit, Umwelt, Landschaftspflege, regionale Wertschöpfung und das gesellschaftliche Leben im ländlichen Raum. Einigkeit bestand darüber, dass diese Leistungen wieder stärker sichtbar gemacht werden müssen. Gleichzeitig müsse das Bewusstsein gestärkt werden, dass hochwertige Lebensmittel, Umweltleistungen und die Pflege der Kulturlandschaft nicht selbstverständlich sind, sondern auf der Arbeit engagierter landwirtschaftlicher Familienbetriebe beruhen, die dafür Anerkennung und eine angemessene Entlohnung verdienen.

Sonja Aigner

 

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