Bürgermeisterkandidat Milan Matijević über seine Ziele und Herzensprojekte

Aus drei Kandidaten werden vier – seit letzter Woche ist klar, dass neben Sepp Baumann, Georg Gäch und Bastian Wernthaler auch die „Linke Liste Wasserburg“ mit Milan Matijević für das Amt des Bürgermeisters antritt. Im Gespräch mit der Wasserburger Stimme berichtet der 24-Jährige über seine Ziele, Herzensprojekte und die Finanzlage der Stadt.
Matijević wurde in Baden-Baden geboren und wohnt seit dem Teenager-Alter in der Region. Seit seiner abgeschlossenen Berufsausbildung vor über vier Jahren, arbeitet er als Fachinformatiker und kümmert sich, zusammen mit seinen Kollegen, um die Hardware-Belange von etwa 4.000 Mitarbeitern.
Wie kam es zur Kandidatur? „Ich erlebe, dass drängende Probleme wie steigende Mieten, überlastete Kitas und Lücken im Nahverkehr den Alltag vieler Menschen belasten“, erklärt Milan Matijević. Die Linke biete die Möglichkeit, diese Themen für alle konsequent sozial, gerecht und gemeinwohlorientiert anzugehen. „Ich kandidiere, weil ich möchte, dass Entscheidungen in Wasserburg an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet werden, nicht an Renditeinteressen.“
Wasserburg steht für den Bürgermeisterkandidaten für Herzlichkeit, Verbundenheit mit der Natur und eine lebendige Altstadt. Besonders seien die kurzen Wege, starke Vereine und ein vielfältiges Kulturleben. Gleichzeitig sehe er noch großes Potenzial, die Stadt noch lebenswerter zu machen, etwa durch mehr Stadtgrün und mehr Begegnungsräume, Angebote für die Jugend, bessere Verkehrswegeplanung, für alle bezahlbaren Wohnraum und einen modernen Nahverkehr.
Angesprochen auf seine Ziele und Herzensprojekte nennt Milan Matijević konkrete Anliegen. „Wir müssen für alle bezahlbares Wohnen stärken, indem wir städtische Flächen gezielt für städtischen, preisgünstigen Wohnungsbau nutzen, ein Leerstandsregister einführen und eng mit Wohnungsgenossenschaften zusammenarbeiten“, so Matijević. Ebenso wichtig seien kostenfreie, verlässliche Kinderbetreuung und Ganztagsangebote sowie deutlich bessere Arbeitsbedingungen für Erzieher.
Beim Verkehr möchte er sich auf einen öffentlichen, klimafreundlichen Nahverkehr mit Barrierefreiheit, dichterem Takt, besserer Anbindung des Umlands und der Reaktivierung der Altstadtbahn einsetzen. Auch gehöre die Stärkung von Pflege und Gesundheitsangeboten vor Ort dazu, mit Quartierskonzepten und auch konkreter Unterstützung für pflegende Angehörige. „Das sind alles Themen, die Familien, Azubis, Senioren und Beschäftigte direkt betreffen“, berichtet Milan Matijević .
Dem entgegen stehe die derzeitige Haushaltslage, Wasserburg habe einen mittleren zweistelligen Millionenetat und stehe, wie viele Kommunen in der Region, unter Druck durch volatile Einnahmen und große Investitionsvorhaben. „Die Lage ist anspruchsvoll, aber nicht aussichtslos“, so Matijević. „Wir müssen Fördermittel konsequent abrufen, interkommunal kooperieren und Einnahmequellen anpassen, ausbauen und diversifizieren.“ Als weitere Schwierigkeit müsse noch genannt werden, dass die finanzielle Belastung durch den CSU geführten Landkreis steige. Dieser habe zuletzt seinen Haushalt erhöht, womit Gemeinden und Städte wie Wasserburg deutlich höhere Abgaben in Form der Kreisumlage an den Landkreis zahlen müssen. „Transparenz und Bürgerbeteiligung sind für mich zentrale Instrumente, um Vertrauen zu schaffen und Prioritäten sozial gerecht zu setzen“, sagt Milan Matijević .
Neben all dem politischen Engagement ist der 24-Jährige in seiner Freizeit gerne draußen unterwegs und fotografiert dort auch leidenschaftlich gern. „Das hält mich aufmerksam für Details in meiner Umwelt und immer offen für neue Begegnungen. Auch als Bürgermeisterkandidat stehe ich für Nahbarkeit, Transparenz und pragmatische Lösungen.“
TANJA GEIDOBLER / Bild: LLW
Schaufenster

Der Bewerber möchte in Wasserburg also „kostenfreie […] Kinderbetreuung“ einführen. Dann muss er dazu bitte auch ganz konkret erklären, wie das eine Kommune finanzieren soll!
Schade, dass auch noch ein gewisser Realitätsverlust dazuzukommen scheint. Wer die sogenannte „Reaktivierung“ der Altstadtbahn ernsthaft unterstützt und für mögliche hält, den kann ich nicht ernst nehmen. Hätte ansonsten echt eine Alternative für mich sein können, ganz unabhängig von der Parteizugehörigkeit.
Ich finde es sehr gut, dass jemand auch mal starke positive Zukunftsziele setzt.
Da sehe ich auch den konkreten Unterschied zu den anderen Herren. Es ist einfach mal was anderes einen jungen in die Zukunft gerichteten Blick für unsere Stadt zu bekommen.
Das brauchen wir und unsere Stadt denke ich auch mal. Ein weiter so halte ich für falsch. So fahren wir alle irgendwann gegen die Wand…
Sehe ich grundsätzlich genauso. Aber jede Anstrengung und jeden Cent den man in dieses Millionengrab reinwirft, der fehlt bei den wirklich wichtigen Dingen, die das Leben der Menschen in Wasserburg wirklich positiv beeinflussen können.
Bezahlbares Wohnen haben mittlerweile alle Parteien auf dem Schirm, ÖPNV ebenso (hier hat sich zumindest im Stadtgebiet durchaus auch einiges getan), die Forderung nach einem Leerstandsregister habe ich zumindest vom Bastian Wernthaler auch schon so gehört, Transparenz und Bürgerbeteiligung fordert sowieso jeder. Also wo genau wäre jetzt der erfrischend neue Ansatz, den wir diesem ach so jungen in die Zukunft gerichteten Blick verdanken?
Nebenbei: die Stärkung von Pflege und Gesundheitsangeboten zu fordern, gleichzeitig aber die finanzielle Belastung der Kreisumlage zu geißeln, ist schon auch gewagt. Dass wir uns in WS über eine neue Kreisklinik freuen dürfen, verdanken wir den Investitionen des Landkreises, die eben genau durch diese Kreisumlage erst möglich wurden.
Inhaltlich kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Aber vielleicht kommt es durch die Kandidatur ja vielleicht noch zu einem „Wahlkampf“. Bisher ist von den Kandidaten Gäch und Baumann da nix zu sehen und zu hören. Fairerweise muss man aber auch feststellen, dass die Ausgangssituation für die drei Kandidaten nicht zu vergleichen ist mit dem „absoluten Wunschkandidaten“ des amtierenden Bürgermeisters.