Ausverkaufter Abend der „Kunst in der Filzen" in Pfaffing lustig und nachdenklich zugleich

In der Rolle des Markus Söder war er mehr als ein Jahrzehnt auf dem Nockherberg – jetzt kehrt er heuer zurück als neuer Fastenredner. Im Fernsehen war und ist er in zahlreichen Produktionen zu sehen und im Kino auf der großen Leinwand. Vor allem seit 13 Jahren bei den Eberhofer-Krimis … der Stephan Zinner. Kein Wunder, dass sein Musik-Kabarett-Abend bei der „Kunst in der Filzen“ in Pfaffing schnell ausverkauft war. Mit einer etwas ungewöhnlichen Themen-Überschrift: „Der Teufel, der Blues, das Mädchen und ich …“ 

Fotos: Renate Drax

Auf der Bühne in Pfaffing schaut’s dabei erst einmal so aus, als erwarte man eine größere Rock-Combo. Aber dann plötzlich sitzt er ganz still da – da Zinner. Und links von ihm der Peter „Lightning“ Pichler (Foto unten an der Mundharmonika), sein den ganzen Abend schweigender Bühnen-Begleiter. Der aber auf eine wahrlich breite Auswahl an Instrumenten zugreift. Ein bescheidener Multiinstrumentalist also …

Stephan Zinner hat sich dem Blues verschrieben und man spürt vom ersten Ton an, wie sehr ihm das liegt. Denn auch singen kann der Trostberger den Blues richtig gut – das Publikum klatschte begeistert Beifall in Pfaffing. Seine Gitarrensammlung, zu der auch eine Ölkanister-Gitarre gehört (Foto ganz oben), beeindruckte. Er zupfte und slidete leidenschaftlich – die Südstaaten ließen bei seinen geschlossenen Augen grüßen. Denn Stephan Zinner feiert geradezu den Blues und seine Stimmlage passt dazu teuflisch gut, um auf das Thema des Abends zu kommen …

Sein Themenspektrum kreist dabei meist um den Alltag und – eher a weng schmerzlich – um die Frauen. Denn da Zinner weiß, wovon er spricht: „I hob drei dahoam“.

Back to the roots: Neben eigenen Songs sind auch Zinner-Interpretationen von Veteranen wie John Lee Hooker zu hören gewesen oder der Gospel. Zum Zurücklehnen und zum Genießen.

Zum kernigen Sound aus dem Mississippi-Delta plauderte er sich wie nebenbei durch die Leidensgeschichten mittelständischer und mittelalter Männer, die sich zwischen der Ehefrau und den halbwüchsigen Kindern, Tiktok und Tattoos, Influenzern („I kannt koa Foodblogger sei – i kannt des Essen ned so lang oschaun“), fitten Fitnesstrainern und Avocado-Aufstrich behaupten müssen. Zwischen einem „Egoisten-Blues“ und der Tatsache, dass es in Niederbayern auch Kreisverkehre mit nur einer einzigen Ausfahrt gibt … So mancher lachte Tränen im Saal.

Aber selbiges Lachen blieb dann auch schon mal im Hals stecken in Pfaffing: Wenn die Arbeit im Alltag hart ist, die Reichen reich sind, die Armen arm und einen wie den Zinner nur die Musik noch retten kann. 

Dem entsprach dann nach kurzer Zugabe auch sein nicht lustiger Rausschmeißer – nachdenklich-melancholisch: „Was bleibt?“  

Was bleibt mal von Dir, wenn du mal gehen wirst?
Ein Bild vielleicht an der Wand,
ein paar lustige Bilder von dir vom Fasching
oder wie immer eingegraben am Strand.

Das ist alles, was bleibt,
den Rest frisst die Zeit.

Ja, eigentlich ganz schön,
im Grund nicht schwer zum Verstehen.
Relativ simpel,
gerade darum ist es nicht leicht.

Was bleibt mal von Dir, wenn du mal gehen wirst?
Ein Lied, was du gesungen hast, vielleicht.
Ein Spruch vom Philosophen,
ein Rezept vom Koch,
von manchen nur ein Witz.

Das ist alles, was bleibt,
irgendwann frisst es die Zeit.

Ja, eigentlich ganz schön,
im Grunde nicht schwer zum Verstehen.
Relativ simpel,
gerade darum ist es nicht leicht.

Was bleibt mal von dir, wenn du mal gehen wirst?
Warst ein König vielleicht,
(dann) sogar ein Schloss,
ein Platz oder eine Straße,
was Größeres?
Aber größer heißt nicht mehr.

Denn alles, was bleibt,
irgendwann frisst es die Zeit.

Ja, eigentlich ganz schön,
im Grunde nicht schwer zum Verstehen.
Relativ simpel,
gerade darum ist es nicht leicht.

Vom Veranstalter – der „Kunst in der Filzen“ – gab’s hier durch Monika Höchstetter eine Rose für Stephan Zinner zum Abschied – und viel Applaus vom Publikum sowieso …

 

 

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