In Reitmehring Polizisten verletzt - 53-jähriger Mann sieht sich als „König von Babylon“ und steht nun vor Gericht
Mit dem Namen, der in seinen Papieren stehe, wolle er nicht angesprochen werden, denn er habe einen Tarnnamen, sagte der Beschuldigte vor der 7. Strafkammer des Landgerichts Traunstein. Seine ursprüngliche Staatsbürgerschaft habe er auch nicht mehr. Früher sei er einmal Rentner gewesen. Jetzt sei er staatenlos. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, zwischen August 2024 und April 2025 mehrfach körperliche Gewalt gegen mehrere Menschen ausgeübt zu haben, sie körperlich misshandelt zu haben. Außerdem habe er kurz vor der Bundestagswahl 2025 wahllos zahlreiche Plakate von mehreren Parteien von Werbetafeln abgerissen und zerstört. Schließlich sei er bei einer Fahrkartenkontrolle ohne Fahrschein im Zug in der Nähe des Wasserburger Bahnhofs angetroffen worden und habe die Zugbegleiterin massiv beleidigt. Die herbeigerufene Polizei habe ihn dann am Reitmehringer Bahnhof stellen können. Hier habe er einen Beamten am Auge verletzt.
Vor dem Gericht wollte sich der Beschuldigte zur Sache äußern und er tat dies ausführlich: Dass er Menschen gewaltsam angegriffen habe, stimme überhaupt nicht, er habe immer nur Gutes tun wollen. Das hätten auch viele Menschen bemerkt. Er umfasse Anfang und Ende, sei der König von Babylon und dafür ausersehen, die gesamte Unordnung auf unserer Welt in Ordnung zu bringen.
Die Wahlplakate zur Bundestagswahl 2025 habe er abgerissen, das gebe er zu, denn die Parteien zerstörten das eigene Volk und auch andere Völker. Außerdem würden die Parteien sowieso nur lügen, das habe er alles erlebt. Es sei seine Aufgabe, das Elend, in dem wir lebten, zu beenden. Das Babylon, in dem wir lebten, müsse nämlich befreit werden und diese Befreiung sei seine Aufgabe. Schließlich sei er der König von Babylon. Viele Menschen hätten Babylon aus dem Irak hierher nach Deutschland gebracht und er sei nun ausersehen, diesem Elend ein Ende zu setzen.
Auf einem Polizeirevier soll er zu einem Polizeibeamten gesagt haben: „Sie können nach Hause gehen, ich übernehme das hier!“
Glaube und Nationalitäten brächten nur Unglück über die Menschen und er könne das alles beenden und Glück unter den Menschen verbreiten.
Im Mai 2024 habe er den Wirt einer Gaststätte aufgefordert, die vor seinem Wirtshaus angebrachten Flaggen zu entfernen und als dieser sich geweigert habe, sei er gewaltttätig geworden. In Waldkraiburg habe er mehrfach Passanten in der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass er jetzt die Stadt Waldkraiburg übernehmen werde.
Der Vorwurf, wahllos gewalttätig gegenüber Menschen zu sein, wog in dem Gerichtsverfahren schwer. Er wurde in der Vernehmung auch befragt, warum er mehrfach ohne Fahrschein von Waldkraiburg nach Wasserburg gefahren sei und er bestätigte den Vorwurf mit dem Hinweis, als König von Babylon benötge er schließlich keinen Fahrschein. Der Polizeibeamte, der ihn seinerzeit in der Nähe des Reitmehringer Bahnhofs gestellt habe, betonte auch, der Beschuldigte habe ihm heftig und mit Vorsatz mit dem Ellenbogen ins Gesicht geschlagen. Er habe sich auch wegen stärkerer Schmerzen in ärztliche Behandlung begeben. Die Beschwerden seien aber bald abgeklungen.
Die Zugbegleiterin, die dem Beschuldigten die Weiterfahrt im Zug verweigerte, weil er keinen Fahrschein besessen habe, soll er an der Hand verletzt haben. Auf den Beschuldigten angesprochen, betonte die Zugbegleiterin vor dem Gericht: „Er ist total ausgeflippt.“
In der Verhandlung vor dem Landgericht Traunstein stellte die Vorsitzende Richterin darüber hinaus fest, dass der Beschuldigte seit 2004 immer wieder häufig durch Gewalttätigkeiten gegenüber seiner Lebensgefährtin, gegenüber Verwandten und auch Passanten in der Öffentlichkeit aufgefallen sei.
Mehrfach sei er seit 2004 in psychiatrische Kliniken eingewiesen worden. Eine Therapie habe er stets abgelehnt, auch in einem Heim habe er nicht untergebracht werden können, weil es auch dort immer wieder zu Vorfällen mit Gewalttätigkeit gekommen sei.
Die Unterbringung sei dann 2013 aufgehoben worden und es sei jetzt zu den zahlreichen Übergriffen gekommen. Momentan sei er im Inn-Salzach-Klinikum untergebracht. Auf die Frage, wovon er all die Jahre gelebt habe, ob er einer Berufstätigkeit nachgegangen sei, erklärte der Beschuldigte nur: „Ich bin Selbstversorger.“
Der Prozess wird fortgesetzt. Am 25. Februar soll das Urteil gesprochen werden. Wir berichten weiter.
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Schaufenster


Der kostet dem Deutschen Staat noch sehr viiiiiiel Geld….
@Stefan Renghart
Als Pflegefachmann in der Psychiatrie finde ich sowohl die Berichterstattung als auch Ihren Kommentar sehr problematisch.
Die Darstellung psychischer Erkrankung über zugespitzte Wahninhalte dient hier vor allem der Sensation und nicht der Einordnung. Das verstärkt Vorurteile und Stigmatisierung gegenüber psychisch erkrankten Menschen – ein Thema, das gesellschaftlich ohnehin noch immer tabuisiert ist.
Ihre Aussage „Der kostet dem deutschen Staat viel Geld“ reduziert einen schwer psychisch erkrankten Menschen zudem auf einen Kostenfaktor. Psychische Erkrankung ist eine Krankheit – kein moralisches Versagen und kein Sparobjekt.
Solche Sichtweisen tragen aktiv dazu bei, dass Betroffene entmenschlicht werden und Hemmschwellen, Hilfe anzunehmen, weiter steigen. Das ist gesellschaftlich rückschrittlich und fachlich schlicht falsch.
(…) Psychische Erkrankungen verdienen eine Berichterstattung, die von Respekt und Würde geprägt ist. Menschen die offensichtlich an einer psychischen Erkrankung leiden sollten nicht durch überzeichnete Darstellungen ins Lächerliche gezogen werden. Gerade im öffentlichen Diskurs ist es entscheidend, sensibel zu formulieren und die Menschlichkeit in den Vordergrund zu stellen.
Hallo Krankenpfleger! Du sprichst mir aus dem Herzen, genau das habe ich mir auch gedacht! Danke für deine Intervention!
Ich finde die Art der Berichterstattung okay. Es wurden sachlich Fakten geschildert.
Auch, wenn psychisch Erkrankte Hilfe benötigen und weder lächerlich noch in irgendeiner Form abwertend behandelt werden sollten, sehe ich auch die Seite der vom Erkrankten angegriffenen, misshandelten, verletzten und beleidigten Menschen. Auch sie brauchen Schutz.
Dass Opfer Schutz brauchen, ist selbstverständlich.
Aber einen schwer psychisch erkrankten Menschen öffentlich über seine Wahninhalte zu definieren und das als „sachliche Berichterstattung“ zu verkaufen, greift zu kurz.
Psychische Erkrankung ist kein dramaturgisches Stilmittel.
Wer nur auf die Tat schaut und Krankheit zur Randnotiz macht, trägt zur Stigmatisierung bei – ob beabsichtigt oder nicht.
Also, das ist alles i.O. was geschrieben wurde….
Auch das was Stefan geschrieben hat, ist richtig und ich empfinde es nicht anstößig.
Ganz wichtig finde ich das was Sonnia wiedergibt.
Die Opfer sind schnell vergessen und leiden oft ein Leben lang.
Die Opfer müssen teilweise um ihre Unterstützung kämpfen, auch wenn Politiker nach Anschlägen immer vollmundig versprechen, dass alle betroffenen >> unbürokratisch << Hilfe erhalten….
Ein klarer Medizinischer Fall der Mann brauch Hilfe, Psychotherapie.