Rott wird sich mit aller Macht gegen die geplante Erstaufnahme-Einrichtung wehren - Pressekonferenz

Großes Entsetzen und maßlose Enttäuschung – das alles wurde am heutigen Vormittag bei der Pressekonferenz im Rathaus in Rott deutlich spürbar. Bürgermeister Daniel Wendrock hatte zu seiner allerersten Pressekonferenz eingeladen. Dass diese einmal so sein werde, hätte er niemals gedacht, wie er geradezu traurig sagte …

Der Landkreis plant – offenbar aktuell alternativlos, laut Landrat – eine Erstaufnahme-Einrichtung für Hunderte Asylbewerber für den ganzen Landkreis (wie kurz berichtet). Und zwar in Rott, das im Ort selbst ja nur etwa 2800 Einwohner ohne Umgebung zählt.

Mitten im Gewerbegebiet Eckfeld – Foto oben:

Diese riesige Halle mit zwei Wohnebenen und einer Größe von 3000 Quadratmetern ist vom Landkreis angemietet worden – von einem Besitzer aus der Region Tölz, der aber in Italien lebt. Eigentlich hätten dort mehrere Handwerks-Betriebe in einer Art Co-Working Platz finden sollen, so war die Information der Rotter ursprünglich gewesen.

Landrat Otto Lederer hatte nur wenige Stunden nach dem Schließen der Wahllokale am vergangenen Sonntag den Rotter Bürgermeister Wendrock (das Foto unten zeigt ihn links heute bei der Pressekonferenz mit dem geschäftsführenden Beamten Max Brockhoff) am Montag angerufen und darüber erstmals informiert.

„Was für ein unglaublicher, unfassbarer Zeitpunkt der Benachrichtigung durch den Landrat“, so Daniel Wendrock. Er kündigte massiven Widerstand gegen das Vorhaben an – ganz grundsätzlich in den Gesprächen mit dem Landratsamt, medial und juristisch.  

Ein Blick in die Gesichter spricht Bände: Die anwesenden Besucher – neben den zahlreich vertretenden Medien – klatschten immer wieder Beifall im voll besetzten Sitzungssaal. Unter ihnen auch Edlings Bürgermeister Matthias Schnetzer (hellblaues Shirt).

Wendrock hatte x-Punkte parat, die gegen die Landkreis-Einrichtung für Flüchtlinge in dieser Größenordnung in Rott sprechen. Der erste Schritt sei nun der Kontakt mit einem Juristen für Baurecht, von dem man sich große Unterstützung erhoffe.

Ausgerechnet Rott, das nach der Flüchtlingskrise 2015 absolut beispielhaft und vorbildlich die angekommenen, fremden Menschen bis heute bestens integriert. 108 Menschen seien es aktuell, die dezentral leben – das heißt, mitten im Ortsgeschehen. Nie schob man jemanden in Gewerbegebiete ab.

Ein ehrenamtlicher Helferkreis, den es nun aber nicht mehr gebe, investierte Stunden um Stunden in größter Hilfsbereitschaft. Zu keinem Zeitpunkt seit 2015 und auch schon vorher habe sich Rott aus der Verantwortung geschlichen, fremden Menschen eine wahre Integration zu bieten. Was zum großen Glück gelungen sei, so der Bürgermeister. „Und nun ein Vorhaben, das jeglichen Rahmen sprengt – das absolut in keiner Verhältnismäßigkeit steht zum Leben in der Dorfgemeinschaft. Weder von der Infrastruktur, noch von der Situation der Halle ganz grundsätzlich und schon gar nicht vom größenmäßigen Umfang her.“ Eine absolut städtebauliche Fehlentwicklung sei das, wenn man hier die Menschen mit Schwerlastverkehr und Immissionen unterbringe.

Auch wenn  jetzt von 250 bis 300 Menschen die Rede sei – was schon einem Zehn-Prozent-Zuwachs der örtlichen Bevölkerung in Rott entspreche – werde es bei dem riesigen Gebäude wohl sicher nicht dabei bleiben. Auch das müsse befürchtet und ausgesprochen werden.

Eine Herausforderung, die Rott nicht stemmen könne und auch nicht stemmen werde, so Wendrock. Man sei am Limit in der Infrastruktur in jeglicher Hinsicht-

Wenn durch so eine Einrichtung die beiden aktuell noch belegten Turnhallen im Landkreis frei würden, begrüße man das natürlich. Die Hallen umfassten aber ein Umfeld von 30.000 Menschen. Rott habe 4.000 Einwohner.

Ganz besonders schlimm empfindet der Rotter Bürgermeister aber nicht zuletzt auch die Art der Kommunikation seitens des Landratsamtes. Ohne vorherige Rücksprache werde man einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. Und das am Tag nach der Landtagswahl. Auch wenn Letzteres ihm mit einer Urlaubs-Abwesenheit des Landrates Otto Lederer erklärt worden sei, so Wendrock. 

Die Gemeinde Rott und er als Bürgermeister – man stehe mit dem Rücken zur Wand.

Es werde nur Verlierer geben – die Gemeinde Rott, politisch das Landratsamt und ganz besonders auch die fremden Menschen, die kommen werden.

rd

Fotos: Renate Drax

 

Leserbrief zum Bericht vom 11. Oktober, „Großes Entsetzen und maßlose Enttäuschung“

Nun soll also ein Erstaufnahmezentrum für mehrere Hundert „Flüchtlinge“ in einem kleinen, etwa 3000 Einwohner zählenden Ort entstehen. Der Eigentümer der Immobilie reibt sich die Hände und zählt die Euros, gleichzeitig ist er weit genug weg (Italien), um von all den eventuell
bzw. sicher auftretenden Schwierigkeiten nichts mitzubekommen. Der Landrat (CSU) reibt sich die Hände, hat er doch mit dieser Immobilie mit einem Schlag vermeintlich all seine Probleme gelöst. Rücksicht auf die Einheimischen ist da offensichtlich fehl am Platze und stört.

Was aber richtig fragwürdig und auch inakzeptabel ist, dass das alles ohne vorherige Rücksprache und Kommunikation seitens des Landrates mit dem Bürgermeister und der Bevölkerung geschieht. Und nicht zu vergessen: 2 Tage nach der Landtagswahl! Das ist arrogant und an politischer Instinktlosigkeit nicht zu übertreffen! Das sind genau die Methoden, die der AfD die Wähler zutreibt. Die Menschen sind nicht dumm und vergessen auch nicht!

Sebastian Heiler, Rott am Inn