„Schließung ist eine Katastrophe“

Michi Altinger im Sommer-Interview - Ernste Worte über das Aus des „Central"

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altingerWasserburg – Unseren Kabarettisten Michi Altinger als waschechten Wasserburger sieht man gerade jetzt zur Sommerzeit oft durch die Altstadt schlendern, im „V“ ein Eis schlecken oder beim Relaxen in Badehose an seinem „Hausweiher“, dem Penzinger See. Die Wasserburger Stimme hat den Kabarettisten getroffen und wollte wissen, wie und wo er die heiße Jahreszeit am liebsten erlebt, was er zum Erfolg der deutschen Elf in Brasilien sagt – aber auch wie er zum brandaktuellen, viel diskutierten Thema der Schließung des Café Central steht … 

August, Ferien- und Urlaubszeit! Können Sie ihn in vollen Zügen genießen oder sind Sie berufsmäßig gerade sehr eingespannt?

Nun ja, genießen kann ich den Sommer gerade eher geringer – ich habe mir vor kurzem einen Rippen- und Schlüsselbeinbruch zugezogen. Die offizielle Version lautet „Haiattacke beim Surfen“, die inoffizielle „mit dem Radl im Stand umgefallen und unglücklich gelandet“ (lacht). Mei, ansonsten genieße ich den Sommer schon sehr, ich entwickle neue Ideen und arbeite vor mich hin. Der Programm-Wahnsinn geht erst Mitte September wieder los bis Anfang Juni nächsten Jahres. Von daher ist der August jetzt für mich überschaubar wie erholsam gleichermaßen.

Wir wünschen Ihnen eine gute und schnelle Genesung. Wenn Sie wieder fit sind, wie vertreiben Sie sich in der heißen Jahreszeit am liebsten die Zeit in der Heimat?

(Schmunzelnd) Soweit mein körperlicher Verfall es zulässt mit Sport – ich baue Kraft und Kondition auf. Nebenbei schreibe ich an einem eigenen Buch und entwerfe Nummern für meine Kollegen. Das Schwimmen kommt natürlich an meinem „Hausweiher“, dem Penzinger See, auch nicht zu kurz – in dem See bin ich ja quasi aufgewachsen. An dieser Stelle muss ich einmal den Badeplatz loben, der Umbau war ein absoluter Gewinn.

Die Liegewiese oder die Schwimminsel beispielsweise sind einfach großartig. Bei schönem Wetter ist auch dementsprechend viel los. Was ich dagegen für die Badefreunde furchtbar schade finde, ist der Plan zur Umwandlung des Staudhamer Sees in Privatbesitz. Wenn in Penzing davon die Rede wäre, gäbe es einen größeren Volksaufstand …

Sie sprechen da gerade einen zentralen Punkt an, Michi, im wahrsten Sinne des Wortes: Die intendierte Schließung des Kultcafés Central in der Altstadt ab April 2015 …

Das ist natürlich eine Katastrophe – besonders für die alteingesessenen Wasserburger. Das Café Central ist ein Markenzeichen unserer Stadt und ein Aushängeschild gerade auch für das jüngere Publikum. Ich kenne viele Nicht-Wasserburger, die sich im Central zu einem griabigen Abend verabreden. Ich selbst habe das Central das erste Mal mit 15 Jahren betreten und verbinde mit dem Café eine Menge Erinnerungen. Mit der Schließung ginge ein Stück Lebendigkeit in Wasserburg verloren.

Könnten Sie sich ein Wasserburg ohne das Central überhaupt vorstellen?

Jetzt haben wir schon keinen Biergarten mehr, das „Queens“ ist bereits an den Rand der Altstadt an die Innbrücke gezogen und nun soll auch das Central weg … Wenn aus der Innenstadt Legenden verschwinden, befürchte ich, dass es ganz staad wird in Wasserburg. Es muss einfach auch mal richtig krachen in der Stadt! Ohne das Central könnte es recht fad werden.

Jedoch muss ich auch zugeben, dass ich vollstes Verständnis für die Anwohner habe. Das Anwohner-Problem gab es schon immer – in jeder Stadt. Man muss nur mal nach Schwabing schauen, wo zig Musikkneipen aufgrund Beschwerden der Anwohner schließen mussten. Ich denke, dass dies auch ein demographisches Problem ist, die Allgemeingesellschaft altert und das Toleranzverhalten gegenüber Kneipen, nächtlichem Lärm, Musik und Zigarettenschwaden nimmt ab. Eine Lösung zu finden, mit der alle Parteien zufrieden sein können, wird in meinen Augen schwierig werden.

Leiten wir zu einem positiveren Ereignis über: Das Kulturangebot der Stadt Wasserburg hat seit dem Wallenstein-Jahr 2013 kontinuierlich zugenommen. Wie fanden Sie die Atmosphäre abends mit den Wasserburger Nächten am Inndamm?

Ich bin absolut begeistert und finde es großartig, was der Kulturkreis Wasserburg mit seiner besonderen Mischung an Mitgliedern kulturell auf die Beine stellt. Wasserburg mit seiner schönen Lage und der Innschleife kennen die Leute und besuchen es daher mit seinen vielseitigen Gesichtern in Form von Kneipen, Cafés und Kulturangeboten auch sehr gerne. Für seine Größe hat die Stadt ein unvergleichliches Angebot an Kultur, Gastronomie, Freizeitvergnügen.

Ich persönlich schlendere oft – besonders auch abends – am Inndamm entlang und hege höchste Wertschätzung vor dieser einmaligen Kulisse. Eine vergleichbare fällt mir dazu gar nicht ein – außer vielleicht das Freiluft-Kino am Stoa. Für eine Open-Air-Veranstaltung ist dessen Kulisse auch sensationell. Ich besuche den Stoa viel zu selten, ich nehme mir das so oft vor, aber die Zeit dazu reicht meist einfach nicht aus.

Gehen wir von regionalen Kulturangeboten über zu internationalen Veranstaltungen: Mia sand Weltmeister! Wie und wo haben Sie die WM 2014 verfolgt und die deutsche Elf unterstützt?

Teils im Krankenhaus aufgrund meiner Verletzungen und teils mit Freunden oder bei meinen Eltern mit der ganzen Familie bei einem gemütlichen Grillabend. Bei uns hieß das Motto „Private Viewing“ statt „Public Viewing“ – ich stehe lieber vor der Masse als mittendrin (lacht).

Wir als Fußballer-Familie haben natürlich fast jedes Spiel mit Begeisterung verfolgt und für die deutsche Elf gejubelt. Ich habe seit dem Portugal-Spiel ganz fest an die Deutschen geglaubt und auch auf einen Sieg gehofft. Das Lustigste an der WM ist für mich der deutsche Zweck-Pessimismus: Die Deutschen sagen immer ein negatives Ergebnis voraus, damit sie bei einer Beinah-Niederlage behaupten können: „I hob’s ja scho oiwei g’sagt, dass des nix wird!“ (lacht).

Wirklich beeindruckend dagegen finde ich die Magie des Fußballs, die besonders bei der WM deutlich wird: Die Menschen liegen sich jubelnd und weinend in den Armen und feiern gemeinsam. Und auch die Macht des Fußballs ist nicht zu unterschätzen.

Ein Freund von mir hat sich die WM vor Ort in Brasilien angesehen und hat mir eine unglaubliche Geschichte erzählt: Ein junger Mann ist von Argentinien bis ans Stadion nach Rio gefahren und hat dort sein Auto verkauft, um sich für 2000 Euro ein Ticket leisten zu können. Am Stadion-Eingang musste er sieben Kontrollstationen durchlaufen, bis am letzten Stand rauskam, dass die Karte gefälscht war. Damit hatte er Auto und Karte mit einem Schlag verloren. Das finde ich schon beunruhigend, was für eine existenzielle Bedeutung der Fußball mit sich bringt.

Die beste Szene der WM für mich persönlich war im Krankenhaus, als ich um 0 Uhr das Spiel Honduras gegen Ecuador verfolgt habe und die Nachtschwester mir Gesellschaft leistete (lacht).

Jetzt haben am Dienstag die Sommerferien begonnen. Wie sehen bei Ihnen die nächsten Wochen aus?

Meine Frau und ich werden heuer das erste Jahr ohne die Kinder zu meinem Bruder nach Florenz fahren. Das ist für uns immer Erholung pur. Die Buam werden sich mit Ferienarbeiten beschäftigen, der Ältere macht gerade den Führerschein, denen wird’s auch nicht fad (schmunzelt). Das Wichtigste in den Sommerferien ist eine Struktur in den Tag einzuflechten, denn für die Familie ist nichts ärgerlicher, als vertane Zeit, wo diese eh so schnelllebig ist heutzutage.

Michi, wir bedanken uns sehr herzlich für das Gespräch.

Marina Birkhof

 

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Ein Gedanke zu „„Schließung ist eine Katastrophe“

  1. Sabine Riemer

    „Schließung ist eine Katastrophe ..“. Ein geschickter
    rethorischer Schachzug im Interview, der am Penzinger See begann und vom Altinger Michi,auf die Problematik „Staudhamer See verwies“ (Danke Michi, dass Du auch an die Bewohner der anderen Innseite denkst 😉 ) schlußendlich aber „wieder“ am Cafe Central landet… –
    Ich weiß, das Cafe Central ist DIE Institution in der Altstadt und ich finde es ebenfalls undenkbar (!) dass es das Central eventuell nicht mehr geben soll. Aber immerhin, gibt es hier einen Lichtblick und einen Hoffnungsschimmer, dass das Central bestehen bleibt!!! (nach relativ kurzem Aufschrei und Einsatz) Für den Staudhamer See schaut es schlechter aus – und ich möchte – gerade hier – an dieser Stelle ausdrücklich betonten, dass die Menschen durchaus auf die Barrikaden gehen und sich einsetzen. Wenn das Gegenüber jedoch nicht will und keinerlei Kompromisse eingehen will, ist der Kampf ungleich schwerer! Es gab schon sooo viele Gespräche und Interviews – nicht immer von allen bemerkt – und übrigens in einer Stunde ein weiteres am Staudhamer See…. Es haben sich die Obrigkeiten eingemischt und versucht alles in eine gute Richtung zu lenken (mehrmals), und auch die „hiesigen Sonnenanbeter“ haben sich engagiert, aber leider bisher ohne Erfolg! Ich streite nicht ab, dass die Penzinger „Ihr nasses Lebensumfeld“ sicher verteidigen würden – aber ob sie dabei mehr Erfolg haben würden, bei einem Eigentüme, wie dem Herrn Irlbacher, der alles Recht auf seiner Seite zu haben scheint, und dem die Wünsche seines Umfeldes egal sind, das wäre doch erst zu beweisen. Was allerdings hoffentlich NIEMALS nötig sein wird…. 😀 und auch nicht zur Debatte steht.
    Ich wünsche mir auch, noch in 10 Jahren im Central zu sitzen, was sicherlich auch aus Pressesicht ein aktuelleres Thema ist, ich wünsche mir aber auch, noch in 10Jahren auf unserer Staudhamer Seite zu sitzen.
    Ich warte hierauf auch immer noch auf eine Stellungnahme der Regierung Obberbayern, die mir zugesichert wurde, und gebe bis dahin – stellvertretend für Viele andere, nicht auf…
    Erst schön baden – in Penzing und/oder in Staudham und dann ein Bier im Central – ein Traum der – versprochen – nicht unengagiert aufgegeben wird, aber anscheinend einfach schon ein „altes Thema“ ist….

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