Es war einmal eine Tankstelle …

Erfundene Geschichte sollte gestern kostspielige Schleusung verschleiern

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BlaulichtDie Rosenheimer Bundespolizei hat gestern auf der A 93 einen Syrer verhaftet. Der arbeitslose 41-Jährige wird beschuldigt, vier Landsleute gegen Bezahlung geschleust zu haben. Offenbar wies er seine Mitfahrer an, im Fall seiner Festnahme die „Tankstellen-Geschichte“ zu erzählen. Inzwischen befindet sich der mutmaßliche Schleuser im Gefängnis, so die Polizei am heutigen Vormittag. Auf Höhe Oberaudorf zogen die Fahnder einen Pkw mit dänischen Kennzeichen aus dem Verkehr. Hinterm Lenkrad saß aber kein Däne, sondern ein syrischer Staatsangehöriger. Er wies sich mit einer spanischen Aufenthaltsgenehmigung aus …

Seine vier Begleiter hingegen hatten keine Papiere dabei. Ihren Angaben zufolge handelt es sich ebenfalls um Syrer. Einer von ihnen erklärte, dass er für die organisierte Beförderung von Syrien nach Deutschland 9.000 Euro an einen Schleuser in der Heimat zahlen musste. Ein anderer aus der vierköpfigen Gruppe gab an, dass alleine die letzte Etappe, die in Mailand begann, 1.500 Euro gekostet hätte.

Wie sich im Verlauf der Befragungen herausstellte, sollten die Geschleusten im Fall einer Polizeikontrolle gemäß der Anweisung ihres Fahrers sagen, dass sie den Fahrzeugführer ganz zufällig in Italien an einer Tankstelle getroffen hätten. Aus der Märchenstunde ist bei uns allerdings nichts geworden, so die Bundespolizei in der Presseerklärung.

Zu widersprüchlich seien die Schilderungen des Fahrers, der offenbar aus Geldnot seine Schleuserdienste angeboten hatte. Den Ermittlern gegenüber beharrte der Mann auf seiner Tankstellenversion. Nun hat er in der Justizvollzugsanstalt Traustein Gelegenheit, sich nochmals über die Hintergründe seiner allzu kostspieligen „Gefälligkeitsfahrt“ Gedanken zu machen. Auf richterliche Anordnung hin wurde er in Untersuchungshaft genommen. Er wird sich voraussichtlich wegen Einschleusens von Ausländern verantworten müssen.

Drei der Geschleusten, 22, 24 und 35 Jahre alt, wurden der Aufnahmestelle für Flüchtlinge zugeleitet. Der Vierte aus der Gruppe ist erst 17. Daher wurde er der Obhut des Jugendamtes anvertraut.

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