Streit um Tarifvertrag am Standort Pfaffing

Schwere Vorwürfe der Gewerkschaft gegenüber der Alpenhain-Geschäftsführung - Stellungnahme der Firma dazu im Wortlaut

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Kritiker im Betrieb unerwünscht? Genau das wirft die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) am heutigen Mittwoch der Geschäftsleitung des Pfaffinger Käseherstellers Alpenhain vor. Es würden nämlich immer härtere Bandagen gegen Arbeitnehmer-Vertreter eingesetzt, heißt es in einer Presseerklärung. Am gestrigen Dienstag sei – während eines Besuchs beim Betriebsrat in Pfaffing – am Pkw von Gewerkschaftssekretär Manuel Halbmeier rechtswidrig eine Parkkralle angebracht worden, meldet die NGG-Region Rosenheim-Oberbayern verärgert. Gegenüber der Wasserburger Stimme hat die Alpenhain Käsespezialitäten GmbH am heutigen Nachmittag eine offizielle Stellungnahme zu den Vorwürfen abgegeben …

Nach Informationen der Gewerkschaft soll Alpenhain-Geschäftsführer Robert Winkelmann dies mit den Worten kommentiert haben: „Man muss die Gewerkschaft von den Mitarbeitern fernhalten. Dann geht es ihnen besser.“

Die NGG spricht von einem „Einschüchterungsversuch“, der sein Ziel aber eindeutig verfehle. „Wer glaubt, Arbeitnehmer-Vertreter nach Gutsherrenart behandeln zu können, hat die Rechnung ohne die Alpenhain-Belegschaft gemacht“, sagt Manuel Halbmeier. Die Firma habe die Kralle erst nach Aufforderung der Polizei entfernt. Halbmeier behalte sich weitere rechtliche Schritte vor: „Ein Besucher-Parkplatz ist nicht der Ort, einen Streit mit dem Sozialpartner auszutragen.“

Hintergrund des Konflikts bei Alpenhain ist die Forderung von Gewerkschaft und Betriebsrat, einen Tarifvertrag für die rund 450 Beschäftigten am Standort Pfaffing abzuschließen. Alpenhain lehnt dies bislang ab. Seit gut einem Jahr ist es im Werk immer wieder zu Arbeitsniederlegungen gekommen.

„Die Beschäftigten sind sauer. Während die meisten Mitarbeiter in Bayerns milchverarbeitender Industrie in den Genuss von Tarifverträgen kommen, ziehen die Beschäftigten bei Alpenhain in puncto Bezahlung und Arbeitsbedingungen den Kürzeren“, so Halbmeier.

Für die mittlerweile als systemrelevant anerkannte Arbeit in der Ernährungsindustrie müsse es gerade im wirtschaftlich starken Oberbayern eine höhere Wertschätzung geben.

Hierzu stellt die Alpenhain Käsespezialitäten GmbH am heutigen Nachmittag in einer offiziellen Stellungnahme gegenüber der Wasserburger Stimme folgendes fest:

• Am Dienstag, 25.08.2020, gegen 14.15/14.30 Uhr hat Herr Halbmeier,
Gewerkschaftssekretär NGG, auf dem Alpenhain-Firmengelände mit seinem Fahrzeug
geparkt. Unser Gesellschafter und Eigentümer, Herr Peter Wagner, der zufällig im
Haus war, wurde von ihm auf den Streik angesprochen. Unser Empfang bestätigte
ebenfalls, dass sich Herr Halbmeier vor der Eingangstür im Erdgeschoss laut mit
Jemandem unterhielt. Herr Halbmeier hat sich demnach auf dem Firmengelände
aufgehalten, obwohl er laut richterlichem Beschluss vom 25.09.2019 keine offizielle
Zutrittsberechtigung hatte.

• Die Geschäftsführung und die Werksleitung beschlossen, nachdem Herr Halbmeier
weder an seinem Fahrzeug noch im Firmengelände auffindbar war (auch nicht im
verschlossenen Betriebsratsbüro), das Auto von Herrn Halbmeier mit einer Parkkralle
festzusetzen. Dies geschah in erster Linie, um Herrn Halbmeier persönlich noch
einmal die rechtliche Situation und die Verletzung des richterlichen Beschlusses
seinerseits darzulegen.

• Herr Halbmeier meldete sich gegen 15.15 Uhr am Empfang mit den Worten, er sei
„jetzt noch 10 Minuten im Haus und wenn die Parkkralle bis dahin nicht entfernt ist,
dann scheppert‘s aber gewaltig“. Herr Winkelmann wies Herrn Halbmeier im
folgenden Gespräch darauf hin, dass die Sachlage eindeutig sei: Da es keine
Betriebsrats-Sitzung und keine Betriebsversammlung gäbe und er sich auch nicht an
der Rezeption angemeldet hätte, handele es sich bei seinem Aufenthalt auf dem
Firmengelände um eine Verletzung des richterlichen Beschlusses vom 25.09.2019.

• Die Geschäftsführung entfernte nach dem Gespräch mit Herrn Halbmeier gegen
15.30 Uhr die Parkkralle – noch vor dem Eintreffen der Polizei (und daher auch nicht
auf deren Aufforderung wie fälschlicherweise von der NGG dargestellt).

• Herr Halbmeier hatte in der Zwischenzeit die Polizei gerufen, welche erst nach 15.30
Uhr erschien. Zu diesem Zeitpunkt war Herr Halbmeier aber bereits wieder
abgefahren.

• Das angebliche Zitat von Herrn Winkelmann ist so nicht gefallen und wurde
sinngemäß aus einem größeren Zusammenhang konstruiert. Herr Halbmeier hatte
auf dem Parkplatz im Gespräch mit Herrn Winkelmann gefordert, Tarifverhandlungen
aufzunehmen und betont, dass man dieser Forderung Nachdruck verleihen werde –
auch durch weitere und längerfristige Streiks.

Herr Halbmeier meinte dabei, „der wirtschaftliche Schaden bei Alpenhain (sei) noch nicht groß genug“. Auf diese Aussage hin erwiderte Herr Winkelmann, dass das Vorgehen der NGG – gerade auch in den bereits schwierigen Corona-Zeiten – verantwortungslos sei und mehr Schaden als Nutzen anrichte. Schlimmstenfalls gefährde es sogar aktuell sichere Arbeitsplätze. Herr Winkelmann betonte, dass er es als seine Pflicht sehe, die MitarbeiterInnen vor einer aus seiner Sicht zerstörerischen Haltung der Gewerkschaft zu schützen.

• Zum Thema Tarifkonflikt: In der langen Tradition als Familienunternehmen stellt die
Alpenhain Käsespezialitäten GmbH fest, dass sich gute Arbeitsbedingungen für das
Unternehmen und die MitarbeiterInnen am besten innerbetrieblich gestalten lassen,
ohne betriebsfremde Vorgaben von außen. Das Vergütungsmodell, welches über
Jahrzehnte entwickelt wurde, muss absolut keinen Branchenvergleich scheuen. Das
Unternehmen sieht sich daher darin bestärkt, dass Lösungen am besten intern
erarbeitet werden können.

Zudem sieht sich Alpenhain in der langjährigen Firmenzugehörigkeit der Mehrzahl der MitarbeiterInnen bestätigt, dass diese mit dem Gesamtpaket bei Alpenhain zufrieden sind und auch angeblich bessere Gehälter bei Großmolkereien in der Region nicht ausreichen, der Familienkäserei den Rücken zu kehren.

Am Standort Pfaffing lässt Alpenhain insbesondere Obazda, Grillkäse und Back-Camembert produzieren. Auch Filialen der Fast-Food-Kette McDonald’s werden bundesweit mit Waren aus dem Werk beliefert.

 

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12 Kommentare zu “Streit um Tarifvertrag am Standort Pfaffing

  1. Über Streiks in diesen unruhigen Zeiten kann man sicherlich streiten.Dennoch ist es schon so,das die anderen grossen Firmen bei uns in der Umgebung Tarifgebunden sind.Alpenhain und auch Alpma wehren sich schon lange dagegen.

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    1. da ich als Verbraucher entscheiden kann, was ich konsumiere, werde ich in Zukunft einfach Produkte dieser Hersteller meiden (bis die Mitarbeiter und ihre Vertreter von der Gewerkschaft besser behandelt werden).
      Mach ich bei anderen Produkten ja auch.

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      1. Also jetzt doch nicht mehr regional?
        Käse aus Irland kaufen?
        Gute Idee, dann wird vielleicht auch der landwirtschaftliche Verkehr etwas weniger bei uns.

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        1. schließlich gibt’s auch Hofläden etc. 😉

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  2. In meinem Bekanntenkreis arbeiten Einige bei Alpenhain und der Alpma. Und KEINER hat sich jemals kritisch über den Arbeitgeber geäußert. Ganz im Gegenteil. Da glaub ich eher, dass sich ein paar profilieren wollen und schüren Unfrieden. Wem’s nicht passt bei diesen Firmen, kann ja gern woanders sein Glück versuchen. Als frühere Betriebsratsvorsitzende kenne ich den Ehrgeiz so mancher Gewerkschaftsvertreter nur zu gut. Ich würde lieber mal den Ball flachhalten Herr Halbmeier.

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  3. Sicher kann man über Streiks in diesen Zeiten nachdenken. Aber ich denke das auch bei diesen schwierigen Zeiten die Geschäftsführung ihre Boni Zahlungen gerne annimmt. Und mit Sicherheit haben auch einige Mitarbeiter ohne Tarifbindung gute bis sehr gute Gehälter. Aber mit Sicherheit nicht alle. Eine Tarifbindung ist selten von Nachteil. Und was wäre es ohne den Einsatz der Gewerkschaften! Wer hat die Verkürzung der Wochenarbeitsstunden, größeren Urlaubsanspruch ( gesetzlich 20 Tage), Arbeitsschutz, Bezahlung bei Krankheit, Mutterschutz, Elternzeit, Pflegezeit, Altersteilzeit usw. erkämpft? Ich denke ohne den Sozialverbänden und den Gewerkschaften hätten wir mit Sicherheit nicht diese Vorzüge eines Sozialstaates.

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  4. Ich denke, dass in diesen schweren Zeiten ein Streik einfach nur hirnrissig ist! Schade, dass die NGG in der Belegschaft doch immer wieder (neue) Anhänger findet! Die NGG denkt doch nur an sich, sonst würde sie nicht in der eh schon schwierigen Zeit die Mitarbeiter zum Streik motovieren!!!
    Ich bin der Meinung, dass sich bei Alpenhain keiner beschweren muss, dass er unterbezahlt ist!!! (…)

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  5. Sinn oder Unsinn der Streiks hin oder her… A Parkkralle ist doch allenfalls a Kurzschlussreaktion in einem Nachbarschaftsstreit. Da sollte sich doch die Geschäftsführung eines nicht gang kleinen Unternehmens auch ein bisschen mäßigen können. Was san denn des für Methoden.

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  6. Liebe nachdenkliche.

    Woher meinen sie kam 2014 der massive Abgang von lange angelernten und auch gelernten der Branche von alpenhain zu meggle,Bauer,recipharm und Co?

    Weil alpenhain so toll ist?

    Weil alpenhain annähernd das zahlt was andere zahlen?

    Weil alpenhain eine Familie ist wie sie immer betonen?

    Das hatte seine Gründe.

    Wer 3 Euro die Stunde unter Tarif zahlt braucht sich nicht zu wundern.

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    1. Wenn diese öffentliche Aussage wirklich stimmen soll, dann müssten Sie sie mit konkreten Fakten/Beispielen belegen.

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      1. Also mir sind das genug Tatsachenbehauptungen: “Ehemaliger” “2014” “massiver Abgang” “3 Euro die Stunde unter Tarif” etc.
        Und weil ich grad daran denke, in der Garser Schülerzeitung wurde schon in den 90ern vor Ferienarbeit bei Alpenhain gewarnt.

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  7. Das Vorgehen des Managements, eine Parkkralle anzubringen,wirkt äußerst unprofessionell und lässt den Schluss zu dass dieser schlechteStil auch gegenüber den Arbeitnehmern angewandt wird.

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