Initiative gegen „Bauschutt-Tourismus“

Bürger in Kornberg und Limburg wollen sich gegen Deponie zur Wehr setzen

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„Täglich 200 Lkw-Fahrten mehr als jetzt. Bauschutt, Staub und Lärm hundert Meter von unseren Häusern entfernt. Das wollen und können wir so nicht hinnehmen.“ Gerhart Zwirglmaier ist Sprecher einer neuen Bürgerinitiative, die sich gegen die geplante Bauschutt-Deponie in Kornberg bei Attel wendet. „Nachdem es in ganz Oberbayern nur neun solcher Deponien gibt, befürchten wir den reinsten Bauschutt-Tourismus.“ Man wolle deshalb jetzt alle Hebel in Bewegung setzen, um das geplante Projekt zu verhindern.

Es geht um Betonreste, Ziegel, Fliesen und Keramik – alles eher unbedenkliche Materialien, die künftig in die so genannte DK0-Deponie an der B15 eingebracht werden sollen. DK0, das ist das am wenigsten belastete Material, das man in Bayern in Deponien ablagern kann – ganz anders, als bei der geplanten DK1-Deponie in Odelsham. Und dennoch: Rund um die geplante Schutthalde haben Biobauern ihre Felder.

Außerdem sind da die Weiler Kornberg und Limburg, sie gehören zur Stadt Wasserburg, nicht weit vom geplanten Areal entfernt. „Wir haben ohnehin schon seit langem einen Deponie-Betrieb vor unseren Haustüren und obendrein den Verkehr auf der B15. Das alles ist zu ertragen, aber die geplanten 200 Lkw-Fahrten täglich mehr, das geht weit über unsere Schmerzgrenze hinaus. Wir verlieren ein gewaltiges Stück Lebensqualität. Warum kann man so eine Deponie nicht dort planen, wo’s keine direkten Anlieger gibt?“

Zwirglmaier und seine Mitstreiter wollen jetzt an die Politik herantreten und eine Unterschriftenaktion starten. „Erster Ansprechpartner ist für uns jetzt die Stadt, auch wenn sie in diesem Fall nicht Genehmigungsbehörde ist. Wir erhoffen uns dennoch von der Stadtverwaltung eine gewisse Unterstützung.“

Die gibt’s derzeit noch nicht von der Stiftung Attl, was Zwirglmaier durchaus wundert: „200 Lkw-Fahrten täglich, die an der Stiftung und an der Bio-Gärtnerei zusätzlich vorbeifahren – das kann doch nicht in deren Sinne sein.“

Was Zwirglmaier ebenfalls wundert: „Dass mit uns Anwohnern in Kornberg und Limburg im Vorfeld niemand gesprochen hat. Wir haben den ganzen Plan mehr durch Zufall von einem Nachbarn erfahren, der seine Zustimmung zur Deponie verweigert hat. Künftig geht uns da aber nichts mehr durch die Lappen. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren und starten umgehend mit unseren Aktionen gegen die geplante Deponie.“

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3 Gedanken zu „Initiative gegen „Bauschutt-Tourismus“

  1. Heiliger Sankt Florian, jetzt bist Du also auch in Kornberg und Limburg angekommen. Es ist halt heutzutage überall das Gleiche: Ständig wird nach neuem Wohnraum geschrien, Häuser werden modernisiert – aber wehe der dabei anfallende Müll/Bauschutt wird dann in Deponien entsorgt…..

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    1. Lieber Saubermann, gegen das Auffüllen einer Deponie sagt ja niemand was, eine Kiesgrube füllt man freilich mit hoffentlich unbedenklichem Bauschutt wieder auf. Um was es hier aber geht ist eine neue gewerbliche Industrieanlage 100 Meter neben dörflichen Häusern: in dieser Anlage wird Bauschutt aus z.B. dem Landkreis Ebersberg, Mühldorf etc. auf der B15 mit LKWs herangefahren, durch 2 Brecheranlagen und einer Siebanlage vermahlen, dadurch Lärm und Staub produziert, direkt auf dem Gelände mit 5 bis 7 Radladern umgewälzt, beim Aufladen helfen noch 2 Bagger und dann erst mit den LKWs wieder in z.B. Nachbarlandkreise verfahren. Montag bis Samstag von 6.30 Uhr bis 19 Uhr, im Tagesschnitt 100 LKWs (200 = 1 x hin und 1 x zurück) am Tag. Das sind meiner Meinung nach 2 verschiedene Paar Stiefel. Um das zu erfahren musste man erst ein 101 Seiten langes Gutachten durchlesen. Auf dem Plan der Genehmigungsanfrage sieht man 2 mobile Brecher. Ich denke lieber Saubermann so eine Anlage würdest Du auch nicht neben Deinem Haus stehen haben wollen. Mit der Kiesgrube/Deponie an sich leben hier alle schon lange im gutem Auskommen.

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  2. Früher hieß es immer „und wer denkt an die Kinder?“.
    Heute heißt es „und wer denkt an die Biobauern?“

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