Eindringliche Fotoausstellung im Freilichtmuseum Amerang

Allein in einem alten Bauernhaus lebe – mit nur einem Kanapee zum Schlafen, ohne Badezimmer, ohne Heizung, ohne Fernseher und mit der Toilette im Stall. Ist das Glück? Und was bedeutet Glück überhaupt? Diesen Fragen können aktuell die Besucher im Freilichtmuseum Amerang nachgehen. Dort gibt es über den Sommer die Fotoausstellung „Hans – eine kleine Geschichte vom Glück“ …
 
Der Regenburger Fotograf Stefan Winklhöfer begleitete den Kleinbauern Hans fünf Jahre lang bei seinem Alltagsleben auf dem Hof in der Oberpfalz. Herausgekommen sind eindringliche Schwarz-Weiß-Bilder, die das ungewöhnliche Leben einer außergewöhnlichen Persönlichkeit dokumentieren.

Eine Ausstellung, die perfekt in das Freilichtmuseum Amerang passt, betonte der 2. Bezirkstagspräsident Michael Asam bei der Vernissage im Mai: „Denn dieses Leben ist für viele heute unvorstellbar. Und das Freilichtmuseum will hier den Besucherinnen und Besuchern zeigen, wie der Alltag und das Leben auf dem Land in vergangenen Zeiten einmal ausgesehen haben. Um ein Verständnis dafür zu schaffen, wo wir herkommen, was sich verändert hat – und wie wir uns vielleicht weiterentwickeln.“

 

Die Leiterin des Freilichtmuseums Amerang Claudia Richartz bezeichnete den Kleinbauern Hans als eine Persönlichkeit, die nicht in unsere Zeit zu passen scheint. „Gerade deshalb besitzt er eine starke Symbolkraft. Wir sehen in der Ausstellung einen Menschen, mit seinen von mühsamer Arbeit gezeichneten Händen, die an Wurzelholz erinnern. Sein Antlitz schimmert, ein scheinbar schwerer Kopf ist umrahmt vom Glanz des silbergrauen Haares.“ Hans hatte es nicht immer leicht, er arbeitete viele Jahre als Rossknecht, später versuchte er sich in einem Kalkwerk. „Doch er merkte schnell: Das wird nicht seine Welt. Er kehrte zurück zu den Tieren, zum Hof, zum Bulldog. Dorthin, wo er sich zugehörig fühlte, seine Heimat.“ Hans lebte zurückgezogen, aber er hatte eine Gemeinschaft: Seine Nachbarn im Dorf halfen ihm so gut sie konnten, bis zu seinem Tod.

Fotograf Stefan Winklhöfer ist froh, dass er den Kleinbauern Hans kennenlernen durfte. „Er lebte jahrelang allein, war aber aufgeschlossen“, erinnert sich Winklhöfer. „Als ich das erste Mal dort war, klopfte ich an die Tür. Und hörte von drinnen: ‚Komm rein, trinken wir ein Flascherl Bier miteinander‘. So hat das alles begonnen. Er war ein großer Menschenfreund, offen, ein echter Spitzbua, und gleichzeitig ein bunter Hund. Jeder kannte ihn im Umkreis von 20 Kilometern.“ Das Leben allein auf seinem Hof stellte Hans zufrieden – es war sein persönliches Glück, obwohl er auch Schicksalsschläge erlitt, berichtet Winklhöfer. „Er hatte einmal einen schweren Unfall, da wäre er beinah gestorben. Ich glaube, das hat ihn sehr gläubig gemacht. Er war ein großer Marienverehrer.“

Die Fotos der Ausstellung berühren.

Zu sehen noch bis zum 8. November.

Geöffnet hat das Museum dienstags bis sonntags sowie an allen Feiertagen und Kirchweihmontag von 10 bis 17 Uhr.
Alle Informationen zum Programm und zu Eintrittspreisen unter

www.flm-amerang.de oder unter 08075/915090 erhältlich.

Fotos: Freilichtmuseum Amerang / Stefan Winkelhöfer

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