Praxistag Schulsanitätsdienst der bayerischen Hilfsorganisationen mit höchsten Anmeldezahlen in der Geschichte
Erste Hilfe ist bei jungen Menschen gefragt wie nie, das zeigen die Anmeldezahlen für den Praxistag Schulsanitätsdienst (SSD) der bayerischen Hilfsorganisationen, der am 7. März erstmals in Rosenheim stattfindet. 500 Kinder und Jugendliche aus ganz Bayern, die sich mit großer Sachkenntnis und viel Herzblut als Schulsanitäter engagieren, nehmen in diesem Jahr teil.
Es sind mehr als je zuvor in der Geschichte. In rund 30 praktischen Workshops rund um die Erste Hilfe behandeln die jungen Menschen Verbrennungen, Knochenbrüche, starke Blutungen, führen die Herz-Lungen-Wiederbelebungen durch und vieles mehr. Erstmals im Angebot: Vom Ehrenamt zur Berufung – Workshops zur Berufsorientierung Notfallsanitäter und Arzt. Rettungs- und Einsatzfahrzeuge aller Hilfsorganisationen sind vor Ort, außerdem die Feuerwehr mit einem Drehleiterfahrzeug, das THW, eine Motorradstaffel, Drohnen, eine Rettungshundestaffel sowie ein Intensivkrankentransport.
Der Praxistag Schulsanitätsdienst wird von den fünf großen, bayerischen Hilfsorganisationen gemeinsam organisiert und durchgeführt. Zusammen qualifizieren und betreuen sie mehrere tausend Schulsanitäter an rund tausend Schulen in Bayern.
Erste Hilfe-Fortbildungsangebot bildet das gesamte Spektrum an Notfallmaßnahmen ab
Das Fortbildungsangebot am Praxistag reicht von praktischen Workshops zur Wundversorgung über die Behandlung von Knochenbrüchen bis zum Umgang mit Verbrennungen, Allergien, Vergiftungen oder akuten Bauchschmerzen. Außerdem führen die Schüler eine Herz-Lungen-Wiederbelebung mit AED und Beatmungsbeutel durch, erlernen Trage- und Transporttechniken und erhalten alle wichtigen Informationen rund um den Katastrophenfall. Weiter im Angebot: Workshops zum Vorgehen bei Drogennotfällen, bei Quetschungen und Amputationen sowie im Falle einer Hyperventilation. Ebenso das richtige Verhalten bei starken Blutungen an Armen, Beinen, Kopf und Rumpf. Ein mobiler Erste Hilfe-Escaperoom des Österreichischen Roten Kreuzes ist vor Ort und ermöglicht den Teilnehmenden das Einüben von Notfallmaßnahmen unter Zeitdruck. Die Kinder und Jugendlichen verbessern ihre Kommunikation, arbeiten im Team zusammen und verinnerlichen spielerisch die Lerninhalte. In neuen Workshops zur Berufsorientierung erhalten die jungen Schulsanitäter aus erster Hand Einblicke in die Aufgaben eines Notfallsanitäters oder Arztes.
Für die verantwortlichen Lehrkräfte, die sich ebenfalls ehrenamtlich im Schulsanitätsdienst engagieren, gibt es sieben unterschiedliche Workshops etwa zu Organisation und Leitung oder Kindernotfällen. Der angebotene Workshop „Reanimation im Klassenzimmer“ für Lehrkräfte wird durch das Staatministerium für Unterricht und Kultus als Fortbildung anerkannt.
Am Praxistag nehmen 498 Personen teil, davon 421 Schülerinnen und Schüler und 77 Lehrkräfte. Sie reisen aus rund 70 Schulen an – aus ganz Bayern. Eine Gruppe kommt aus Sofia, Bulgarien. Rund 40 unterschiedliche Referenten sowie etwa 100 Helfer sind vor Ort und gestalten den Ablauf. Die Verpflegung übernimmt in diesem Jahr erstmals die Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) des BRK in Kooperation mit dem Malteser Hilfsdienst, die vor allem bei Großeinsatzlagen für die Versorgung verantwortlich ist.
Spannende Einblicke: Rettungs- und Einsatzfahrzeuge, Intensivkrankentransport, Rettungshundestaffel und mehr vor Ort
Auch am Rande des Praxistages gibt es für die Teilnehmenden viel Neues zu entdecken: Rettungs- und Einsatzfahrzeuge aller Hilfsorganisationen sowie Fahrzeuge der Feuerwehr, des THW, Drohnen, ein Boot der DLRG, Motorradstaffeln des BRK und des MHD sowie ein Wünschewagen des ASB sind vor Ort. Aus Augsburg kommt ein Intensivkrankentransport des BRK, der zeigt, wie Menschen in akut lebensbedrohlichem Zustand transportiert werden können. Die Rettungshundestaffel ist vor Ort. Auch die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) nimmt teil und erklärt, wie Betroffene, Angehörige, Ersthelfer und Einsatzkräfte nach akuten traumatischen Ereignissen wie Unfällen oder Katastrophen umgehend unterstützt werden, um psychische Belastungen zu dezimieren.
Erste Hilfe bei jungen Menschen gefragt wie nie
Der Praxistag Schulsanitätsdienst existiert seit 15 Jahren, bisher nahmen durchschnittlich rund 300 Kinder und Jugendliche pro Jahr teil. Im letzten Jahr stieg die Zahl der Teilnehmenden bereits an, in diesem Jahr sind es 500 – so viele wie nie zuvor.
Marvin Kliem, Landesvorsitzender des Bayerischen Jugendrotkreuzes, erklärt dazu: „Die Rekordzahlen überraschen nicht. Viele junge Menschen wollen Verantwortung übernehmen und konkret helfen. Der Schulsanitätsdienst zeigt, wie stark Solidarität und Zusammenhalt auch bei der jungen Generation verankert sind. Für mich ist das auch ein klarer Auftrag für uns alle: Erste Hilfe gehört noch selbstverständlicher in den Schulalltag in Bayern. Wer früh lernt anderen zu helfen, stärkt nicht nur die Sicherheit, sondern auch unsere gesamte Gesellschaft. Gerade das ist in den heutigen Zeiten von besonderer Wichtigkeit.“
Zu den Besonderheiten des Praxistages befragt, sagt Lorraine Weber, ARGE Schulsanitätsdienst in Bayern und Bildungsreferentin im Bayerischen Jugendrotkreuz, ehemals Schulsanitäterin: „Die Schüler sollen mit dem Gefühl nach Hause gehen, gesehen zu werden und dass ihr Engagement für die Gesellschaft eine zentrale Bedeutung hat. Der Schulsanitätsdienst steht für Solidarität, Hilfsbereitschaft und Verantwortung, er ist kein Pflichtprogramm. Dahinter stehen junge Menschen mit einer echten Leidenschaft: dem Wunsch, Menschen zu helfen und Leben zu retten. Leistungsdruck und Noten spielen hier keine Rolle. Es geht um humanitäre Werte, um das Miteinander und den Teamgeist. Wie sehr den Jugendlichen ihr Engagement am Herzen liegt, zeigt sich seit 15 Jahren am Praxistag: Jahr für Jahr sind sie bereit, an einem Samstag freiwillig zu kommen, um sich fort- und weiterzubilden.“
Bild: Sonja Schweiger/Malteser
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