„Schwierigste Situation in 23 Jahren“

Abbruch des Chiemsee-Festivals: 22 Verletzte in Kliniken gebracht - Bilanz der Polizei

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Wie ausführlich berichtet hat das Unwetter ganz besonders das Chiemsee-Festival erwischt: Trotz frühzeitiger Räumung des Geländes in Übersee am Chiemsee gab es 22 Verletzte, die in Krankenhäuser kamen. Fast 500 Einsatzkräfte der Hilfsdienste und Behörden sowie 250 Mitarbeiter des Veranstalters waren die ganze Nacht im Einsatz. Die Bilanz der Polizei am heutigen Mittag …

Bekannt war bereits am Freitagnachmittag, dass Gewitter auch das Chiemsee Summer-Festival erreichen könnten. Die Akutwarnung für Übersee vor den letztendlich sehr heftigen Winden gaben die Wetterdienste jedoch fast auf die Minute zeitgleich mit der Anordnung der Räumung des Geländes heraus.

Zuvor war nach ersten besorgniserregenden Wetterinformationen gemäß der Sicherheitskonzepte die sogenannte Koordinierungsgruppe (Foto), unter Leitung eines vom Landratsamt eingesetzten Örtlichen Einsatzleiters, einberufen worden. Die Koordinierungsgruppe kommt bei erhöhtem Koordinierungsbedarf beteiligter Behörden und Stellen zum Zug.

Angesiedelt in einem Raum bei der Polizei-Einsatzleitung kamen dort die jeweiligen Einsatzleiter und Verantwortlichen zusammen. Darunter das Polizeipräsidium Oberbayern Süd, die Bundespolizei, Feuerwehr, Rotes Kreuz, Malteser Hilfsdienst, Gemeinde Übersee und der Veranstalter des Festivals.

Nach Erörterung der Lage, unter Einbeziehung eines Meteorologen des Veranstalters, kam die Koordinierungsgruppe zu dem Schluss, die geordnete und keine Panik verursachende Räumung einzuleiten. Die Musikdarbietungen wurden unterbrochen, Durchsagen gemacht und Infoscreens geschalten. Innerhalb von knapp zehn Minuten war das Infield geräumt.

Mit Pkw angereiste Gäste bat man, die Fahrzeuge aufzusuchen. Unverzüglich wurden unweit bereitgestellte Busse an das Gelände herangeführt, um vor allem bahnangereisten Personen darin Schutz zu bieten. Mehrere bereits konzeptionell vorgehaltene Notunterkünfte wurden aktiviert, geöffnet und vom Veranstalter mit Getränken ausgestattet. Kräfte des Malteser Hilfsdienstes und des Bayerischen Roten Kreuzes lieferten Decken und Toiletten.

Ein ebenfalls für solche Fälle vorgehaltener Zug konnte auf Grund der bis in den Samstag hinein bestehenden Streckensperrungen nicht wie geplant den Bahnhof Übersee anfahren. Auch bei weiteren anfahrenden Bussen ergab sich die Problematik der auf Straßen gefallener Bäume. Feuerwehrkräfte machten sich unverzüglich auf den Weg, die Straßen für die Schutz bietenden Busse frei zu räumen.

Der Sturm selbst hatte letztendlich nur eine Dauer von etwa 15 Minuten. Wie in weiten Teilen des südlichen Bayerns, so waren die Schäden letztendlich auch am Chiemsee Summer-Festival erheblich. Etwa die Hälfte der Besucherzelte auf den Campingplätzen wurde zerstört, viele, vor allem Pavillons, einfach davongeblasen. Im sogenannten Infield kam es auf Grund der stabilen Bauweise der dortigen Anlagen nicht zu gefährlich umherfliegenden Teilen. Letztendlich erlitt aber doch selbst das große und für Starkwinde ausgelegte Festzelt zumindest Schäden an der Außenhülle.

Neben Feuerwehrkräften aus der ganzen Region, hatten die Einsatzkräfte des Malteser Hilfsdienst und des Roten Kreuzes alle Hände voll zu tun und mussten auf Grund des Starkwindes etwa 60 Personen behandeln, darunter auch viele, die eine psychische Betreuung (Krisenintervention) benötigten.

Ernsthafter verletzt und in Krankenhäusern aufgenommen wurden 22 Personen, es gab jedoch keine lebensbedrohlichen Verletzungen. Problematisch war hier, dass die Ereignisse in der gesamten Region den Einsatz der Rettungsdienste, wie auch der Feuerwehren und der Polizei an vielen Örtlichkeiten im südlichen Oberbayern nötig werden ließen und so allerorts für gewisse Zeit Engpässe bestanden.

Die entstandenen Gesamtschäden führten schließlich dazu, dass der Veranstalter in Zusammenarbeit mit den beteiligten Behörden und Organisationen gegen 3 Uhr in der Nacht das Ende des diesjährigen Festivals verkündete. Zuvor hatten schon Abreisebewegungen der teils stark durchnässten Musikfans eingesetzt. Wegen der gesperrten Bahnstrecken setzte der Veranstalter in Richtung München und Salzburg fahrende Zusatzbusse ein und ermöglichte so einem Teil der Gäste die frühzeitige Abfahrt.

Während der Nacht im Einsatz waren etwa 190 Einsatzkräfte der Feuerwehren, 190 Frauen und Männer der Sanitätsdienste, 22 THW-Mitglieder und etwa 70 Polizeibeamtinnen und Beamte. Der Veranstalter brachte 250 Männer und Frauen seines Sicherheitsdienstes zum Einsatz.

Einsatzleiter Rainer Wolf: „Dies war die bisher schwierigste Situation, die es in der 23-jährigen Geschichte des Festivals zu bewältigen gab. Die Herausforderung bestand in der Kurzfristigkeit, mit der dieser Starkwind hier am Gelände einsetzte und der auch von der Stärke her weit über den Prognosen lag. Letztendlich haben sich die Konzepte jedoch bewährt und die Zusammenarbeit mit den vielen beteiligten Organisationen, Behörden und dem Veranstalter hat bestens funktioniert. Aber wir alle sind froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist und Menschen zum Glück nicht schwerer verletzt wurden.“ 

 

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