Polizei lobt: Ein sehr friedliches Fest!

Beim Chiemsee-Summer-Festival feierten 35.000 Menschen die Musik

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Summer„Insgesamt ein sehr friedliches Festival“, so lautet am heutigen Montag das Resümee des Polizeipräsidiums zur Jubiläumsveranstaltung Chiemsee-Summer-Festival 2014 – an dem auch wieder zahlreiche Jugendliche aus dem Altlandkreis zu besuch waren. Wenig Aggressionen zum Glück – nur viel zu viel Alkohol in einigen Fällen, die im Krankenhaus endeten. Und Drogen – unter anderem in einer Fahrradpumpe versteckt. Obwohl fünf Tage lang 35.000 Menschen dicht gedrängt auf engstem Raum bis in die frühen Morgenstunden hinein feierten, sei alles ausgesprochen friedlich abgelaufen. Zu tun gab es im Umfeld aber genug für die Einsatzkräfte

Der hohe Anteil der mit Pkw anreisenden Besucher musste gelenkt und geleitet werden, Abschleppungen von Falschparkern blieben nicht aus. Aktiv unterwegs waren auch wieder Jugendbeamte der Polizei zusammen mit Mitarbeitern des Kreisjugendamtes Traunstein und kümmerten sich um die ganz jungen Besucher. Bundesweit findet dieses präventive Engagement  Anerkennung und wird mittlerweile bei anderen Großveranstaltungen übernommen.

Und wie jedes Jahr gab es auch diesmal natürlich Rauschgiftkontrollen mit Sicherstellungen von Betäubungsmitteln auf dem Gelände und bei anreisenden Besuchern. Das Zusammenspiel der beteiligten Behörden, Organisationen und mit dem Veranstalter lief wieder hervorragend. 20-jährige Erfahrung in der Zusammenarbeit macht es möglich und kritische Punkte konnten in täglichen Besprechungen meist sofort ausgeräumt werden, sagt die Polizei am Montag.

Durchschnittlich 80 Beamte hatte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd unter Leitung von Polizeioberrat Rainer Wolf, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Traunstein, und seinem Vertreter Peter Pfaffinger, Leiter der Polizeiinspektion Grassau, während des Festivals im Einsatz.

Darunter befanden sich Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei, Verkehrspolizei, Drogenfahnder und Jugendbeamte. Hundeführer und Polizeireiter waren ebenfalls vor Ort und viele Beamte umliegender Dienststellen waren in den Einsatz integriert. Beamte der Bundespolizei richteten ihren Blick auf den Zu- und Abstrom an den Bahnhöfen und in Zügen, Beamte der Polizeiinspektion 16 in München behielten den Münchner Hauptbahnhof im Auge.

Die 20-jährige Einsatzerfahrung spiegelt sich auch in der guten Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen und mit dem Veranstalter wieder. Zweimal täglich durchzuführende Besprechungen hatten sich in den letzten Jahren schon bewährt und auch das gegenseitige Abstellen von Verbindungsleuten ermöglichte kurze Kommunikationswege und führte meist zu schnellen Ergebnissen bei der einen oder anderen Problembewältigung.

Starker Pkw-Verkehr bereitete teilweise Probleme

Getestet wurde diese Zusammenarbeit dann bereits am ersten Festivaltag, dem Mittwoch, als bereits am frühen Morgen Gäste in großer Anzahl nach Übersee strömten und für Stauungen sorgten. Die jungen Leute konnten es scheinbar gar nicht erwarten als erste ihr Zelt im durch starke Regenfälle leider sehr aufgeweichten Boden aufzustellen. Probleme bereitete dann trotz guter Vorsorge mit befestigten Einfahrtbereichen die Parkplatz-Befüllung auf den nassen Wiesen.

Die anströmenden Besucher konnten anfangs nicht schnell genug auf die Flächen einfahren, so dass sich letztendlich Stauungen auf den Anfahrtswegen bildeten und auch bis auf die durch Urlaubsverkehr bereits stark belastete A8 auswirkten. Mehr verkehrslenkende Kräfte auf Polizeiseite und zusätzliche Parkplatzeinweiser des Veranstalters sorgten ab den Mittagsstunden für Entspannung.

Am Freitagmittag waren die Parkplätze des Festivals schließlich so gut wie belegt und Besucher versuchten ihr Glück innerorts. Viele Tagesbesucher hielten sich dabei leider nicht an die Regeln und stellten ihre Fahrzeuge teils stark verkehrsbehindernd und in Haltverboten ab. Verwarnungen mussten ausgesprochen werden und auch Abschleppungen waren unvermeidlich, um den Verkehrsfluss zu gewährleisten und Rettungswege frei zu halten.

Anerkanntes Präventionskonzept zum Schutz der Jugend

Bundesweit Anerkennung und Nachahmer bei anderen Großveranstaltungen findet mittlerweile das Präventionsprogramm des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, bei dem polizeiliche Jugendbeamte, in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern des Traunsteiner Amtes für Kinder, Jugend und Familie,  präventiv auf dem Gelände unterwegs sind und sich dabei um das Wohl der Jüngsten kümmern. Übermäßig alkoholisierte Jugendliche werden in Obhut genommen und augenscheinlich zu junge Besucher angesprochen. In Telefonaten mit den Eltern wird das weitere Vorgehen festgelegt. Auch wird jungen Menschen, die in Probleme geraten sind, Beistand geleistet.

Die Jüngsten werden im Präventionszelt sprichwörtlich nicht im Regen stehen gelassen. Den traurigen Promille-Rekord unter den betreuten Jugendlichen hält dieses Jahr eine 17-Jährige mit 3.00 Promille, die schließlich dem Rettungsdienst übergeben werden musste und deren Eltern von den Jugendbeamten zur Abholung im Krankenhaus verständigt wurden. Ob die Eltern einer 13-Jährigen, die auf Grund Alkoholgenuss bewusstlos im Gelände aufgefunden und dem Malteser Hilfsdienst übergeben wurde, ihrer Verantwortung als Erziehungsberechtigten nachgekommen sind, muss noch geklärt werden. Das junge Mädchen musste ebenfalls im Krankenhaus behandelt werden.

Rauschgiftkontrollen auf Anfahrtswegen und im Gelände

Bei Kontrollen der Anfahrtswege und auf dem Gelände wurde wieder ein besonderes Augenmerk auf den unerlaubten Besitz von illegalen Betäubungsmitteln gelegt. So gelang es den meist in Zivil agierenden Fahndern in 119 Fällen Drogen ausfindig zu machen. Meist handelte es sich dabei um kleinere Mengen Rauschgift für den Eigenkonsum. Die Beamten stellten neben Marihuana aber auch synthetische Drogen sicher, darunter Extasy-Tabletten. Auch kreative Verstecke schützten die Betäubungsmittelkonsumenten nicht vor Entdeckung. So fanden die Beamten beispielsweise in einer Fahrradpumpe Marihuana.

Insgesamt nur wenige Diebstähle gab es mit 24 Anzeigen zu verzeichnen. Meist kamen Handys, Fotoapparate und Geldbeutel abhanden. Einige Gegenstände konnten jedoch nach einer gewissen Phase des Nachdenkens, und damit einhergehendem Abbau des Alkoholwertes, später wieder gefunden werden.

Der Diebstahl eines ganzen Zeltes, den eine junge Frau in der Nacht zum Sonntag meldete, stellte sich wenig später als Jux heraus. Freunde hatten es abgebaut und an anderer Stelle wieder aufgebaut, alles löste sich in Wohlgefallen auf.

Friedliche Feiern, wenige Auseinandersetzungen

Die gute Stimmung der Festivalbesucher war sicherlich ein Faktor, der zu der insgesamt geringen Zahl an Körperverletzungen beitrug. Nur elf Fälle wurden der Polizei angezeigt und meist handelte es sich dabei um leichtere Vorfälle. Eine leichte Steigerung war in der Nacht zum Sonntag zu verzeichnen. Ein junger Mann erlitt bei einer Auseinandersetzung gegen Mitternacht einen Jochbeinbruch. Mehrere Personen mussten in Gewahrsam genommen und ausgenüchtert werden.

Ein vermeintlicher Raub, der sich in der Nacht zum Donnerstag zugetragen haben soll, bedarf noch weiterer Abklärung. Ein 24-Jähriger mit Verletzungen im Kopfbereich gab an, überfallen worden zu sein. Jedoch fanden Beamte wenig später den entwendeten Geldbeutel im Zelt eines Freundes.

Sachbeschädigungen hielten sich in Grenzen. Ein Anwohner erlitt Samstag einen Schaden an seinem Pkw durch einen offenbar umgeworfenen Absperrzaun. Auch hatten Camper eine nicht mehr benötigte Lkw-Batterie einfach in sein Grundstück geworfen.

Kurios war eine der etwa zehn festgestellten Fahrten unter Alkoholeinfluss. Ein 24-Jähriger wies bei einem Alkotest am Samstagmittag einen Wert von 0,6 Promille auf. Jedoch war er nicht von Beamten entdeckt worden, sondern hatte seinen Wagen munter über die öffentlichen Straßen zu einer Polizeistreife gelenkt und um einen Test gebeten, da er sich „nicht richtig fahrtauglich fühle“.

RVO-Bus brannte aus

In der Nacht zum Sonntag kam es noch zu einem Einsatz der zahlreich anwesenden Kräfte der Feuerwehr Übersee und benachbarter Feuerwehren. Trotz sofortigen Eingreifens konnten sie jedoch nicht verhindern, dass ein RVO-Bus innerorts in der Bahnhofstraße gegen 00.30 Uhr ausbrannte. Der Fahrer erlitt eine leichte Rauchgasvergiftung, eine junge Mitfahrerin musste wegen Schock behandelt werden. Nach ersten Erkenntnissen scheint ein technischer Defekt ursächlich.

Fazit der Polizei: Lob an die vielen, vielen, friedlichen jungen Leute

Neben Problemen, die sich bei der Anreise am ersten Festivaltag ergeben hatten und der Feststellung einiger stark betrunkener Jungendlicher oder sogar Kinder, deren Aufsichten offenbar total versagt hatten, ist die Polizei mit dem Verlauf der Veranstaltung insgesamt jedoch sehr zufrieden. Die Zusammenarbeit mit den anderen Organisationen hat sich bewährt und weiter eingespielt.

Einsatzleiter Rainer Wolf: „Das Festival war ausverkauft, 35.000 Menschen feierten hier die vergangen Tage zusammen und wir hatten weniger Einsätze zu bewältigen als in den Jahren zuvor. Ein großes Lob an die vielen, vielen friedlichen jungen Leute!“

Begleitet wurde die Veranstaltung auch dieses Jahr wieder von Mitarbeitern des durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes BaSiGo (Bausteine für die Sicherheit von Großveranstaltungen). Erfahrungen der Einsatzleiter des Chiemsee-Festivals fließen in die Entwicklung von bundesweiten Handlungsempfehlungen für polizeiliches Management bei Großveranstaltungen ein. Das hier Anwendung findende Jugendpräventionskonzept wurde dabei vergangenes Jahr schon als besonderes Beispiel identifiziert und dient mittlerweile als Vorbild für die Entwicklung bundesweiter Standards.

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