Wasserburger Förderschüler schaffen Lebensraum für seltene Wildbienen

Wo früher dynamische Flusslandschaften natürliche Nistplätze boten, macht die Förderschule Wasserburg jetzt vor, wie artenreiche Lebensräume zurückkehren können: Gemeinsam mit Jonas Garschhammer, Biodiversitätsberater am Landratsamt Rosenheim und Iris Sailer, Umweltbeauftrage der Förderschule, haben Schülerinnen und Schüler ein sogenanntes Sandarium errichtet – einen gezielt angelegter Sandlebensraum für seltene, bodennistende Wildbienen.

Bodenbrüter brauchen offenen Sand. „Die meisten unserer heimischen Wildbienenarten nisten im Boden“, erklärt Garschhammer. „Dafür benötigen sie offene, sonnenbeschiene Sandflächen.“ Einst waren solche Sandlinsen, offene Kies- und Sandbänke, ein typisches Merkmal der Innauen. Durch Flussbegradigungen und veränderte Landnutzung sind sie heute weitgehend verschwunden. Damit fehlt vielen Wildbienenarten die existenzielle Grundlage. Im Zuge des Projekts wurden daher mehrere Tonnen Sand aufgeschüttet und eine Einfassung von den Kindern mit Steinen gestaltet. Schon nach den ersten Tagen konnten die Schüler die ersten Wildbienen beim Nisten beobachten.

Totholzstelen als Kunstwerk und Lebensraum. Eingebettet in das Sandbecken stehen aufgestellte Totholzstelen aus Eichenstämmen, die mit Bohrlöchern versehen wurden. Sie wirken wie ein landschaftliches Kunstwerk, sind jedoch funktionaler Lebensraum: Die Löcher dienen oberirdisch nistenden Wildbienenarten als Brutröhren. Umgesetzt wurden sie von den Schülerinnen und Schülern selbst – unter Anleitung von Bildhauer Rafael Dengler, der für die Förderschule tätig ist. Die Eichenstämme entrinden, gestalten und anbohren die Jugendlichen eigenhändig. „Totholz ist als Brutplatz unersetzlich“, betont Garschhammer. „Es ist tot, aber voller Leben.“

Blütenreichtum für mehr Artenvielfalt. Damit die Wildbienen nicht nur nisten, sondern auch Nahrung finden, haben die Schüler rund um das Sandarium Wildpflanzen ausgesät und angepflanzt. So entsteht ein durchgängiges Biotop aus Nistmöglichkeit und blütenreichem Nahrungsangebot – eine kleine, aber feine Bühne für die Artenvielfalt mitten in der Stadt.

Unterstützt durch die Stadt Wasserburg, Verbund und Bayerischen Naturschutzfonds. Das Projekt wäre ohne großzügige Unterstützung nicht möglich gewesen: Den Materialbedarf deckte eine Spende des Kraftwerksbetreibers Verbund, flankiert vom Bayerischen Naturschutzfonds. Die Fläche wird von der Stadt Wasserburg zur Verfügung gestellt. Das Sandarium der Förderschule Wasserburg zeigt eindrucksvoll, wie Naturschutz, Bildung und Kunst ineinandergreifen können – und wie viel Lebensraum auf wenigen Quadratmetern möglich ist.

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