Wasserburger Theatertage: Metropoltheater München begeistert mit Inszenierung von „Michael Kohlhaas“

Das Münchener Metropolthaeter, das sowohl bei den Bayerischen Theatertagen, als auch bei den Wasserburger Theatertagen bereits mehrfach gastierte und auch mehrfach den Preis für die beste Inszenierung gewinnen konnte, zeigte gestern in Wasserburg eine Dramatisierung der Novelle von Heinrich von Kleist: „Michael Kohlhaas“. Marc-Philipp Kochendörfer spielt in diesem Einpersonenstück mehrere Rollen. Seine hauptsächliche Rolle ist aber die des Erzählers der Novelle und Marc-Philipp Kochendörfer beginnt mit den gleichen Sätzen wie die Novelle von Kleist:

„An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des 16. Jahrhunderts, ein Roßhändler, namens Michael Kohlhaas, Sohn eines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit“. Von Zeit zu Zeit schlüpft der Erzähler in die Rolle des Helden, Michael Kohlhaas, nur um kurz darauf wieder zurück in die Rolle des Erzählers zurückzukehren.

So bleibt diese Inszenierung auch ein wenig im Epischen, wenngleich die Momente des Dramatischen höchst eindringlich wirken. Äußerst gelungene Regieeinfälle ziehen das Publikum in den Bann der Aufführung.

Der Rosshändler Michael Kohlhaas möchte mit zwei Pferden die Grenze von Brandenburg nach Sachsen überqueren. Unterwegs wird er jedoch an der Burg des Junkers Wenzel von Tronka mit der willkürlichen Forderung nach einem Passierschein aufgehalten. Er muss die zwei Pferde als Pfand zurücklassen und darf weiter nach Dresden reisen. Dort erfährt er, dass es einen Passierschein, wie er von ihm gefordert wurde, gar nicht gibt. Auf der Rückreise muss er feststellen, dass seine beiden Pferde durch den Einsatz in harter Feldarbeit hoffnungslos abgemagert sind. Er will gegen dieses erlittene Unrecht vorgehen und reicht beim Kurfürsten von Sachsen Klage ein, die aber auf Drängen der Familie von Tronka zurückgewiesen wird. Das erlittene Unrecht kann er aber nicht auf sich sitzen lassen, koste es, was es wolle. „Das Rechtsgefühl macht ihn zum Räuber“ sagt Marc-Philipp Kochendörfer in der Rolle des Erzählers.

Nachdem auch die Frau von Michael Kohlhaas wegen der Auseinandersetzungen mit dem Junker von Tronka ums Leben gekommen ist, kennt Kohlhaas kein Halten mehr. Er überfällt die Burg der von Tronka und tötet alle Bewohner. Auf dem Boden der Bühne im Theater Wasserburg stehen Figuren, Zinnsoldaten ähnelnd, einander gegenüber. Auf der einen Seite die Leute von Michael Kohlhaas und auf der anderen Seite die Leute des Junkers.

Dem lateinischen Motto folgend: „Fiat iustitia et pereat mundus (auf deutsch: „Es soll Gerechtigkeit geschehen, und gehe auch die Welt daran zugrunde!“) wütet Michael Kohlhaas und Marc-Philipp Kochendörfer zeigt dem Wasserburger Publikum, wie dieses Wüten ausgesehen haben mag.

Das Metropoltheater lässt über einen Bildschirm Martin Luther zu Wort kommen, dem es aber auch nicht gelingt, Kohlhaas zu besänftigen.

Und so greift zum Abschluss Marc-Philipp Kochendörfer als Erzähler zu einem Besen und kehrt die Zinnsoldaten beider Seiten zusammen und weg.

Das Spiel lebt durch die herausragende Spielkunst von Kochendörfer. Einmalig, wie er mimisch und gestisch den Zuschauer am Geschehen teilhaben lässt. Er schlüpft er in die Rolle des Michael Kohlhaas und lässt sich den Kopf und den Oberkörper mit Blut bespritzen, nur um dann wieder in die Distanz des Erzählers zurückzuspringen. Eine sehr hohe Kunst des Schauspiels.

Das Publikum war begeistert. Lang anhaltender, nicht enden wollender Applaus belohnte den Schauspieler und das Metropoltheater. Ob auch in diesem Jahr der Publikumspreis für die Münchener winken könnte, wird man am kommenden Sonntag erfahren.

PETER RINK

 

Fotos: Christian Flamm

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