Stadt lud zu Informationsabend in den Rathaussaal - Nur wenige Besucher
Wie will man in der Zukunft in Wasserburg seine Energie gewinnen? Diese Frage hat in den vergangenen Wochen und Monaten den Stadtrat Wasserburgs umgetrieben. Vergleicht man den Energieverbrauch in Wasserburg nach Energieträgern, so kann man feststellen, dass 81 Prozent der Energie in Wasserburg mit Erdgas verbraucht wird, 12 Prozent mit Erdöl und nur 3 Prozent aus erneuerbaren Energien. Wenn auch Wasserburg klimafreundlicher werden will, so muss wohl an dieser Bilanz etwas geändert werden.
Die Stadt hat deshalb reagiert und eine kommunale Wärmeplanung beschlossen (wir berichteten). Teil dieses Beschlusses war auch, dass die Stadt eine Informationsveranstaltung für die Wasserburger Bürger durchführt. Diese Veranstaltung hat nun stattgefunden und wer geglaubt hatte, das Thema würde die Wasserburger förmlich elektrisiert anziehen, sah sich wohl getäuscht. Nur knapp 50 Bürger waren an diesem Abend in den Rathaussaal gekommen, um zu erfahren, wie die kommunale Wärmeplanung sich in Wasserburg künftig gestalten wird.
Am 1. Januar 2024 trat das „Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze“ in Deutschland in Kraft. 
Wasserburg hat bereits frühzeitig mit der Wärmeplanung in dieser Hinsicht begonnen. Die Stadt beantragte diesbezügliche Fördermittel. Dadurch war es möglich, mit diesem Projekt bereits 2025 zu beginnen.
Im März 2026 (wir berichteten) hat der Stadtrat den kommunalen Wärmeplan, der mit der Firma Steinbacher-Consult in Neusäß bei Augsburg erarbeitet wurde, einstimmig beschlossen.
Nun fand die Informationsveranstaltung im Rathaussaal statt, bei der neben Bürgermeister Bastian Wernthaler auch der Klimaschutzbeauftragte der Stadt, Dr. Johannes Stapf das Konzept vorstellte und anschließend Vertreter der Firma Steinbacher-Consult die Konsequenzen für die Wasserburger Bevölkerung im einzelnen ausführte.
Bis 2045 soll soll die Energieversorgung in Wasserburg klimaneutral gestaltet werden können. Dr. Stapf ließ die Anwesenden wissen, dass eine Detailplanung noch nicht abgegeben werden könne, weil die Problematik in Wasserburg vielschichtig ist. Das habe auch damit zu tun, dass es in Wasserburg Industriebetriebe gebe, die sehr viel Energie benötigten. Das Potential für eine Umstellung sei zwar gegeben, die Umstände aber nicht so einfach. So gebe es derzeit 121 Wärmepumpen in der Stadt, bis 2045 benötige man aber ungefähr 1.650.
Der Anteil an erneuerbaren Energien liege deutlich unter dem bayerischen Schnitt.

Die Bestandsanalyse verdeutliche auch die Herausforderung, die damit verbunden sei, die angestrebte Klimaneutralität bis zum Jahr 2045 zu erreichen. Aktuell würden 4,45 Prozent und 21,86 Prozent (ohne die Einbeziehung der Emissionen durch die Industrie) der Wärmeversorgung auf Basis klimaneutraler Energieträger bereitgestellt.
Einen Vorteil habe das umfassende Netz an Gasleitungen in Wasserburg. Man könne hier auch Wasserstoff transportieren. Die Stadt prüfe bereits die Möglichkeit eines Fernwärmenetztes, ergänzte er. Die abschließende Umstellung des Gasnetzes in Wasserburg auf Wasserstoffversorgung sei für das Jahr 2036 ins Auge gefasst.
Das alles gehe aber nur, wenn die Akzeptanz in der Bevölkerung gesichert sei. Melanie Melain von der TU München erläuterte daran anschließend die Bedeutung der Tiefengeothermie. Unter Tiefengeothermie versteht man die Nutzung von Erdwärme aus größeren Tiefen in der Erde ab 400 Metern bis hin zu mehreren Kilometern. Da die Temperatur im Erdinneren mit zunehmender Tiefe kontinuierlich ansteigt, wird diese Energie vorrangig zur zentralen Fernwärmeversorgung oder zur klimafreundlichen Stromerzeugung genutzt.

Letztlich blieb die Erkenntnis aber bestehen: Ohne den Willen der Bevölkerung werde die Umsetzung schwierig, aber man gab sich an diesem Abend recht optimistisch. Bleibt abzuwarten, wie die Stadt das Konzept umzusetzen gedenkt.
PETER RINK
Schaufenster


Ich habe selten eine kommunale Infoveranstaltung erlebt, wo soviel geredet, aber so wenig gesagt wurde.
Auch das Thema Geothermie wurde schon vor fast 10 Jahren diskutiert.
Ergebnislos, so damals wie heute.
Hauptsache, den Planungsbüros werden hohe fünfstellige Summen in den Rachen geworfen für ein Ergebnis, dass jeder Handwerksmeister praxistauglicher umsetzen kann.
Stadtbürger , wie recht Sie haben .Scheinbar werden bei der Stadt keine Handwerker mehr beschäftigt . Man liest nur noch Gutachten und Planungsbüro für jede Kleinigkeit .
Echt? Am städtischen Bauhof arbeiten keine Maurer, Mechaniker, Schreiner, Gärtner usw., sondern nur noch Gutachter und Planer? Das wusste ich gar nicht. Danke für die faktenbasierte Aufklärung!
Recht viel besser als bei uns in Wasserburg kann die Ausgangsposition einer Kommune für eine zukunftsfähige Energieversorgung eigentlich nicht sein. Eigene Windkraftstandorte im Umland und mit dem Inn eine sehr große Wärmequelle mitten in der Stadt. Dazu eigene Stadtwerke und mit der Sparkasse eine eigene Bank für die Finanzierung.
Daher konnte man der Vorstellung der kommunalen Wärmeplanung eigentlich nur freudig entgegensehen. Großwärmepumpen zur Nutzung der Wärme aus dem Inn, angetrieben von eigenem Windstrom, verteilt über ein Nahwärmenetz, alles betrieben von den Stadtwerken. So hätte die Wärmeplanung in anderen Kommunen wohl ausgesehen.
Umso befremdlicher dann die vorgestellten Vorschläge:
Variante 1 ist ein Nahwärmenetz, das über Geothermie versorgt wird. Hier sind sowohl Investitionskosten, das Risiko des Scheiterns und die Wärmekosten hoch.
Variante 2 ist der Verzicht auf ein Nahwärmenetz und die Umstellung des Gasnetzes auf Wasserstoff. Dieser unselige Vorschlag wurde vor 10 Jahren von einem ehemaligen Stadtwerkeleiter eingebracht. Er war schon damals unrealistisch und bleibt es auch heute. Wärme aus Wasserstoff wäre um ein Vielfaches teurer als aus Wärmepumpen. Deswegen wird dieses Konzept auch kaum irgendwo verfolgt.
Zu allem Überfluss sollen die Investitionen nicht durch die Stadtwerke/Stadt erfolgen, sondern durch einen Investor.
Es bleibt zu hoffen, dass sich Bürgermeister und Stadtrat schnell eines Besseren besinnen und einen faktenbasierten und transparenten Ansatz wählen, um das beste Konzept für die Wärmeversorgung Wasserburgs zu finden. Energieversorgung ist Daseinsvorsorge und damit kommunale Kernaufgabe.
Dass eine Veranstaltung zu Heizungsthemen im Sommer wenig Anklang findet, auch dazu gibt es in unserer Stadt seit Jahrzehnten Erfahrungswerte. Vielleicht probieren wir’s im Herbst einfach nochmal.
Auch starkes bürgerschaftliches Engagement wäre jetzt angesagt, es geht schließlich um sehr viel für Wasserburg.
Wenn Du hier solche Dinge zur Diskussion stellst wie, Eigene Windkraftstandorte im Umland, dann bitte auch mögliche, dafür geeignete Standort hier nennen.
Es ist doch längst bekannt dass diese Gegend hier nicht für Windkraft geeignet ist.
Selbst der Standort Schnaitsee der als Exponierter Standort gilt bringt nur wenig ertrag. Das haben die dort befindlichen Windkraftanlagen nach über 30 Jahren bewiesen. Dort neue Windkraftanlagen zu bauen, mit 200 Meter Nabenhöhe würden die enormen Kosten nicht rechtfertigen.
Hofstatt das war wohl ein schuss ins Knie.Lösungsvorschläge die nicht umsetzbar sind, nur meckern übern Stadtrat und Verwaltung samt Bürgermeister aber die Veranstaltung zur Halbzeit verlassen .Hättest dich ja an der Diskussion beteiligen können,aber dafür ist er wohl zu feige.