Stadt lud zu Informationsabend in den Rathaussaal - Nur wenige Besucher

Wie will man in der Zukunft in Wasserburg seine Energie gewinnen? Diese Frage hat in den vergangenen Wochen und Monaten den Stadtrat Wasserburgs umgetrieben. Vergleicht man den Energieverbrauch in Wasserburg nach Energieträgern, so kann man feststellen, dass 81 Prozent der Energie in Wasserburg mit Erdgas verbraucht wird, 12 Prozent mit Erdöl und nur 3 Prozent aus erneuerbaren Energien. Wenn auch Wasserburg klimafreundlicher werden will, so muss wohl an dieser Bilanz etwas geändert werden.

Die Stadt hat deshalb reagiert und eine kommunale Wärmeplanung beschlossen (wir berichteten). Teil dieses Beschlusses war auch, dass die Stadt eine Informationsveranstaltung für die Wasserburger  Bürger durchführt. Diese Veranstaltung hat nun stattgefunden und  wer geglaubt hatte, das Thema würde die Wasserburger förmlich elektrisiert anziehen, sah sich wohl getäuscht. Nur knapp 50 Bürger waren an diesem Abend in den Rathaussaal gekommen, um zu erfahren, wie die kommunale Wärmeplanung sich in Wasserburg künftig gestalten wird. 

Am 1. Januar 2024 trat das „Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze“ in Deutschland in Kraft. Danach sind alle Bundesländer dazu verpflichtet, einen umfassenden Wärmeplan zu erstellen. Bis zum 30. Juni 2028 muss auch die Stadt Wasserburg einen solchen Wärmeplan erstellen. Das Hauptziel dieses Gesetzes ist es, eine treibhausgasneutrale Wärmeversorgung spätestens bis 2045 sicherzustellen.

Wasserburg hat bereits frühzeitig mit der Wärmeplanung in dieser Hinsicht begonnen. Die Stadt beantragte diesbezügliche Fördermittel. Dadurch war es möglich, mit diesem Projekt bereits 2025 zu beginnen.

Im März 2026 (wir berichteten) hat der Stadtrat den kommunalen Wärmeplan, der mit der Firma Steinbacher-Consult in Neusäß bei Augsburg erarbeitet wurde, einstimmig beschlossen.

Nun fand die Informationsveranstaltung im Rathaussaal statt, bei der neben Bürgermeister Bastian Wernthaler auch der Klimaschutzbeauftragte der Stadt, Dr. Johannes Stapf das Konzept vorstellte und anschließend Vertreter der Firma Steinbacher-Consult die Konsequenzen für die Wasserburger Bevölkerung im einzelnen ausführte.

Bis 2045 soll soll die Energieversorgung in Wasserburg klimaneutral gestaltet werden können. Dr. Stapf ließ die Anwesenden wissen, dass eine Detailplanung noch nicht abgegeben werden könne, weil die Problematik in Wasserburg vielschichtig ist. Das habe auch damit zu tun, dass es in Wasserburg Industriebetriebe gebe, die sehr viel Energie benötigten. Das Potential für eine Umstellung sei zwar gegeben, die Umstände aber nicht so einfach. So gebe es derzeit 121 Wärmepumpen in der Stadt, bis 2045 benötige man aber ungefähr 1.650.

Der Anteil an erneuerbaren Energien liege deutlich unter dem bayerischen Schnitt. 

Nach der Bestandsanalyse der Firma Steinbacher-Consult lässt sich folgendes feststellen: Die Industrie dominiert den Wärmeverbrauch und damit auch die Emissionen und Erdgas nimmt einen sehr großen Anteil am Endenergieverbrauch ein, gefolgt von Heizöl.

Die Bestandsanalyse verdeutliche auch die Herausforderung, die damit verbunden sei, die angestrebte Klimaneutralität bis zum Jahr 2045 zu erreichen. Aktuell würden 4,45 Prozent und 21,86 Prozent (ohne die Einbeziehung der Emissionen durch die Industrie) der Wärmeversorgung auf Basis klimaneutraler Energieträger bereitgestellt.

Einen Vorteil habe das umfassende Netz an Gasleitungen in Wasserburg. Man könne hier auch Wasserstoff transportieren. Die Stadt prüfe bereits die Möglichkeit eines Fernwärmenetztes, ergänzte er. Die abschließende Umstellung des Gasnetzes in Wasserburg auf Wasserstoffversorgung sei für das Jahr 2036 ins Auge gefasst.

Das alles gehe aber nur, wenn die Akzeptanz in der Bevölkerung gesichert sei. Melanie Melain von der TU München erläuterte daran anschließend die Bedeutung der Tiefengeothermie. Unter Tiefengeothermie versteht man die Nutzung von Erdwärme aus größeren Tiefen in der Erde ab 400 Metern bis hin zu mehreren Kilometern. Da die Temperatur im Erdinneren mit zunehmender Tiefe kontinuierlich ansteigt, wird diese Energie vorrangig zur zentralen Fernwärmeversorgung oder zur klimafreundlichen Stromerzeugung genutzt.

Die Region Wasserburg sei hierfür recht günstig, da man es mit Temperaturen von ungefähr 100 Grad zu tun habe. Wenn die Temperatur im Erdinneren höher sei, sei dies für die Nutzung der Fernwärme gar nicht so hilfreich. „Das Wasser in Wasserburg ist echt kühler“, meinte die Referentin und wiederholte ihren Optimismus. Das Fündigkeitsrisiko sei hier in Wasserburg gering, Kapazitäten von 100 Litern pro Sekunde könnten gefördert werden.

Letztlich blieb die Erkenntnis aber bestehen: Ohne den Willen der Bevölkerung werde die Umsetzung schwierig, aber man gab sich an diesem Abend recht optimistisch. Bleibt abzuwarten, wie die Stadt das Konzept umzusetzen gedenkt.

PETER RINK

 

 

 

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