IHK: Südostoberbayerische Wirtschaft sendet alarmierende Signale

Die Geschäftslage bricht regelrecht ein und erreicht den zweitschlechtesten Wert der vergangenen 15 Jahre: Nur 26 Prozent der Unternehmen sind mit ihren Geschäften zufrieden, 28 Prozent zeigen sich unzufrieden. Hintergrund der schlechten Lageurteile ist die zunehmende Nachfrageschwäche, über die 65 Prozent der Betriebe klagen. Im Herbst waren es 57 Prozent. Zudem belasten die Betriebe hohe Energie- (60 Prozent) und Rohstoffpreise (52 Prozent). Handelshemmnisse wie Zölle beeinträchtigen vier von zehn Unternehmen in der Region.
Für die kommenden Monate erwarten die Unternehmen keine Erholung. Etwa ein Fünftel der Unternehmen rechnet mit einer Geschäftsbelebung, ein gleich großer Anteil mit einer Eintrübung. Die Unternehmen sind mit einer Vielzahl von Risiken gleichzeitig konfrontiert: Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bleiben mit 69 Prozent der Nennungen nahe am Rekordniveau vom Frühjahr 2025. Einen neuen Höchstwert gibt es bei den Arbeitskosten: Zwei von drei Unternehmen sehen darin inzwischen ein Risiko. Der Arbeitskräftemangel verliert dagegen deutlich an Brisanz und liegt bei 42 Prozent – das sind zwölf Prozentpunkte weniger als noch im Herbst. Fehlende Inlandsnachfrage (64 Prozent) sowie hohe Energie- und Rohstoffpreise (50 Prozent) bleiben zentrale Risiken für die nächsten Monate.
Unattraktive wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, hohe Arbeitskosten und eine anhaltend schwache Nachfrage sorgen für zurückhaltende Investitions- und Personalpläne. 22 Prozent der südostoberbayerischen Unternehmen wollen Investitionen ausweiten, 27 Prozent wollen weniger investieren. Am Arbeitsmarkt stehen die Zeichen auf Stellenabbau: Jedes vierte Unternehmen will Stellen abbauen, nur jedes zehnte Unternehmen will dagegen Stellen aufbauen. Die Arbeitslosigkeit wird zunehmen.
Bensegger: Strukturreformen gegen dramatische Entwicklung
„Die Entwicklung der wirtschaftlichen Lage in der Region ist dramatisch“, sagt Andreas Bensegger, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Rosenheim. „Dass die ohnehin schon seit Jahren schlechter werdende Geschäftslage jetzt noch einmal auf ein krisenähnliches Niveau absackt, ist ein mehr als deutliches Warnsignal. Die Unternehmen in der Region kämpfen weiter mit einer Flut an Bürokratie, international nicht wettbewerbsfähigen Energiekosten, einer schwächelnden Konsumlaune im Land und den weiter steigenden Lohnnebenkosten. Um aus dieser Situation herauszukommen und die Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen, braucht es endlich Strukturreformen – und zwar jetzt.“
Bensegger fordert vor allem von der Bundespolitik, die steigenden Kosten für Sozialversicherungsbeiträge einzubremsen. „Die Menschen brauchen mehr Anreize, mehr zu arbeiten. Dazu dürfen die Arbeitskosten nicht weiter davon galoppieren“, so der IHK-Regionalausschussvorsitzende. „Es braucht an allen Ecken und Enden eine Entlastung der Wirtschaft. Die Politik muss mehr Unternehmertum fördern, Gründungen erleichtern und jungen – genauso wie alteingesessenen Unternehmen – das Leben einfach leichter machen. Denn wir haben engagierte und innovative Unternehmen in Südostoberbayern, vom Start-up bis zum international tätigen Global Player. Diese bringen unseren Wirtschaftsstandort voran und können neues Wirtschaftswachstum ermöglichen – wenn wir ihnen keine Steine in den Weg legen.“
Die IHK hatte für ihren Konjunkturbericht Anfang bis Mitte Januar zahlreiche Unternehmen in den Landkreisen Berchtesgadener Land, Altötting, Mühldorf, Traunstein sowie in Stadt und Landkreis Rosenheim befragt. Dreimal im Jahr wird der IHK-Konjunkturbericht veröffentlicht.
Schaufenster

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