... und der Batteriespeicher gerade „an der Börse arbeitet"
PR – Eigentlich klang alles perfekt: große Photovoltaik (PV) auf dem Dach, ein großzügig dimensionierter Batteriespeicher im Keller, intelligente Steuerung, dynamischer Stromtarif und das gute Gefühl, Teil der Energiewende zu sein. Das Versprechen: möglichst günstig, möglichst autark und maximal intelligent. Doch was passiert, wenn die künstliche Intelligenz im Keller plötzlich ein Eigenleben entwickelt und der Traum vom billigen Ökostrom zum nervenaufreibenden Börsen-Krimi wird?
Es gibt zwei vorherrschende Prosumer-Modelle (Prosumer = Producer & Consumer). Das erste Modell ist ein Sorglos-Komplettpaket aus einer Hand: Die PV-Anlage inklusive Batteriespeicher, die Einspeisevergütung sowie die Stromtarife werden in einem langfristigen Vertrag zwischen dem Kunden und dem Anbieter der schlüsselfertigen Anlage geregelt. Diese Bindung ist naturgemäß weniger flexibel, sei es bei geändertem Verbrauchsverhalten, beispielsweise durch nachträgliche Anschaffung eines oder mehrerer Elektrofahrzeuge, als auch bei strukturellen oder marktwirtschaftlichen Änderungen sowie Anpassungen von gesetzlichen Gegebenheiten während der Vertragslaufzeit.
Ein zweites Modell bietet mehr Flexibilität: Der Anbieter kümmert sich weiterhin um das Komplettpaket – von der Installation der Photovoltaikanlage über die Anmeldung beim Netzbetreiber bis hin zur direkten Stromlieferung an Sie. Der Vorteil: Im Vergleich zum regulären Haushaltsstrom zahlen Sie als Kunde im Jahresdurchschnitt höchstens zwei Drittel des üblichen Marktpreises.
Damit dies möglich wird, hilft eine über das Internet aufgebaute KI-gestützte, intelligente Steuerung mit Wettervorschau und Verbrauchsverhalten beim Stromzukauf an der Börse am sogenannten „Day-Ahead-Market“. Die Vertragslaufzeiten sind im Gegensatz zum ersten Modell deutlich kürzer mit mehr Eigenbestimmungsmöglichkeiten. So wird die Einspeisevergütung nicht vom Anbieter gezahlt, sondern wie bei jeder sonstigen PV-Anlage ebenfalls durch den Netzbetreiber. Auch der Preis für jede Kilowattstunde wird nicht vorab festgelegt, sondern „am Smartmeter“ bezahlt. Das heißt, das, was der Smartmeter an Verbrauch aufzeichnet, wird auch abgerechnet.
Für dieses zweite Paket hatten sich Severin W. aus Wasserburg und Robert K. aus Reitmehring entschieden. Aus dem vermeintlichen Rundum-Sorglos-Paket wurde schnell ein überraschend kompliziertes Abenteuer. So passierte es öfters, dass Strom in der Nacht zugekauft und gespeichert wurde, weil nachts der Börsenstrom häufig sehr günstig war, obwohl am nächsten Tag der Überschuss bei Sonnenschein dann ins Netz zurückgespeist werden musste, weil der Stromspeicher im Keller bereits vormittags komplett geladen war. Zwar erhielten die beiden immer noch die Einspeisevergütung vom Netzbetreiber, jedoch sind die Kosten für den an der Börse gehandelten Strom inklusive der Netzentgelte und Steuern insgesamt teurer als die Einspeisevergütung. Zudem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass der Stromspeicher durch zusätzliche Ladungen und Entladungen logischerweise früher abgenutzt wird und durch diese unnötigen Zyklen schneller ausgetauscht werden muss.
Ebenfalls konnte das Elektrofahrzeug über 24 Stunden im Voraus mit den besten Strompreisen in der Nacht geladen werden. Sehr oft zuverlässig und günstig, aber auch in einigen Ladevorgängen nicht erwartungsgemäß, was dann, um die Arbeitsstätte zu erreichen zu teureren, schnellen Sofortaufladungen zum dann gültigen Börsenstrompreis notwendig führte. Selbiges gilt, wenn nach Dunkelflauten der Speicher komplett entleert war, Strom in der Nacht nicht günstiger in den Speicher geladen werden konnte und man so gezwungen war, untertags den Börsenstrompreis für jede aktuell anfallende Kilowattstunde zu bezahlen.
Inklusive solcher exemplarischen, aufgetretenen Fehlentscheidungen der steuernden KI kletterte dadurch der durchschnittliche Preis pro Kilowattstunde im Winter auf bis zu knapp 90 Prozent des üblichen Haushaltstromes. Und dabei noch nicht die erhöhten Grundgebühren für Bereitstellung des Börsenstroms sowie der KI-Steuerungsleistung mitberücksichtigt.
Wenn „intelligent“ nicht automatisch praktisch bedeutet
Grundsätzlich sind Prosumer-Modelle, dynamische Tarife und intelligente Stromsteuerungen technisch hochspannend. Sie können helfen, Stromnetze zu stabilisieren und erneuerbare Energien besser zu integrieren. Das Problem beginnt allerdings dort, wo Theorie und Alltag aufeinandertreffen. Denn viele Kunden wünschen sich vor allem eines: Dass Strom genau dann verfügbar und bezahlbar ist, wenn er gebraucht wird – und nicht nur dann, wenn die Börsenpreise gerade günstig sind. Vor allem in den Wintermonaten zeigte sich bei beiden Haushalten, dass insbesondere die Elektromobilität nicht mehr ganz so wirtschaftlich war.
Zurück zur Einfachheit
Da beide Haushalte zwischen April und September mit gut dimensionierten PV-Anlagen ohnehin nahezu autark sind, wurde ein Stromanbieter gesucht, der vor allem in den sonnenärmeren Monaten verlässlich liefert – ohne komplizierte Marktlogik und ohne die Sorge, ob der eigene Batteriespeicher gerade für den Haushalt arbeitet oder doch eher von einer nicht nachvollziehbaren KI-Logik übersteuert ist.
Die Entscheidung fiel schließlich auf die Stadtwerke Wasserburg am Inn. Dort erhalten Kunden rund um die Uhr Ökostrom, sowohl für den Haushalt, als auch zum Laden ihres E-Autos – zu einem festen Preis unter 30 Cent pro Kilowattstunde. „Am Ende wollten wir einfach wieder Strom haben, wenn wir ihn brauchen“, sagt Robert K. mit einem Schmunzeln. „Und ehrlich gesagt Schlafen wir besser, seit unser Batteriespeicher nicht mehr heimlich KI-Karriere macht.“
Technik darf unterstützen – aber nicht bevormunden
Die Erfahrungen der beiden Haushalte zeigen: Moderne Energielösungen können viele Vorteile bieten – solange sie zum Alltag der Menschen passen. Denn bei aller Digitalisierung, KI-Steuerung und Marktoptimierung bleibt eine einfache Wahrheit bestehen: Der Kunde möchte die Kontrolle behalten. Oder anders gesagt: Ein intelligentes Zuhause ist schön – aber das eigene Auto morgens mit leerem Speicher und teurem Netzstrom laden zu müssen, fühlt sich erstaunlich wenig smart an.
Rundum-Sorglos – diesmal wirklich: Für die beiden neuen Stadtwerke-Kunden zählt heute vor allem eines: Transparenz, Planbarkeit und ein kompetenter Ansprechpartner vor Ort. Und manchmal ist genau das die modernste Lösung von allen. „In einem Jahr machen wir mal einen Kassensturz und vergleichen dann unsere Gesamtkosten“, sagt Severin W. „Ich könnte mir vorstellen, dass die Stadtwerke am Ende vielleicht sogar günstiger sind.“ Interessenten können gerne jederzeit Ihre Kosten unverbindlich bei den Stadtwerken vergleichen, egal ob Prosumer oder normaler Haushaltsstrom.
Schaufenster


Günstiger, Intelligent, Automatisch und Lokal mit Homeassitant (Free Open Source)
Eine eigene vollautomatische Ladesteuerung für meinen PV-Akku kombiniert, drei Datenquellen:
Energyforecast liefert Strompreisvorhersagen für 48 Stunden in 15-Minuten-Slots. Ein Template-Sensor durchsucht alle zukünftigen Zeitfenster per Sliding-Window und findet den günstigsten zusammenhängenden Block (Standard: 3 Stunden).
Solcast prüft, ob morgen genug PV-Ertrag zu erwarten ist. Liegt die Prognose unter dem einstellbaren Schwellwert (Standard: 15 kWh), macht Netzladen Sinn – sonst lädt die Sonne den Akku ohnehin.
Wechselrichter-Wirkleistung stellt sicher, dass nicht geladen wird, wenn die PV-Anlage gerade selbst produziert (Standard: unter 350W).
Die Automation schaltet den Betriebsmodus zum optimalen Startzeitpunkt und stoppt automatisch wenn der Akku voll ist (≥98%) oder die PV-Produktion anzieht (>500W für 20 Minuten).
BG Matthias Nicklas
Wow, toll. Das hast du ganz alleine mit Claude Code hinbekommen? :D
Da lohnt es sich doppelt, den Klarnamen zu verwenden.
Richtig, Claude und Gemini inkl. einem MCP Server zur Kommunikation mit Homeassistant haben mich bei der Erstellung der Automatisierung auf dem Homassistant unterstützt. Die Idee zur Umsetzung und Prüfung der Automation liegt bei mir .-)
Natürlich kam die Idee von dir. Claude würde nie PV, Batterie und E-Auto als lohnendes Investment empfehlen.
Nennen wir das Kind beim Namen: Es ist nur ein Hobby, wie Fußballspielen oder Fahrradfahren.
Das „hurra, ich kann die KI bedienen“ wird das neue Normal.