Gewerkschaft NGG: Bayern droht jetzt der „Milch-Blackout“
Der Tarifstreit in der bayerischen Milchwirtschaft spitzt sich drastisch zu: Bayern steht eine enorme Warnstreikwelle in Molkereien und Käsereien bevor. „Die Produktion von Milchprodukten wird landesweit in mehreren Betrieben und vor allem auch für längere Zeit zum Stillstand kommen, als das bislang jemals bei Warnstreiks der Fall war. Bayern steht vor einem ‚Milch-Blackout‘“, sagt Mustafa Öz.
Der bayerische Landesvorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) reagiert damit auf die zum Stillstand geratenen Tarifverhandlungen für die rund 19.000 Beschäftigten in der bayerischen Milchwirtschaft. Die Arbeitgeber hätten in der dritten Verhandlungsrunde ihr ursprüngliches Angebot zurückgezogen: „Das ist eine Rolle rückwärts. Das ist beispiellos. Und das ist eine unglaubliche Provokation – eine knallharte Kampfansage“, so Mustafa Öz.
Der NGG-Landeschef spricht von einem „verantwortungslosen Akt am Tariftisch“. Statt, wie bei Tarifverhandlungen üblich, sich aufeinander zuzubewegen, hätte der Abeitgeberverband der bayerischen Ernährungswirtschaft seine Zusage, den Beschäftigten zwei Entlastungstage zuzugestehen, wieder zurückgenommen. „Das ist ein Schlag ins Gesicht. Die Verhandler des Arbeitgeberverbandes brüskieren damit die Beschäftigten der bayerischen Milchwirtschaft und diskreditieren das Arbeitgeberlager. Denn die wichtigste Währung am Tariftisch ist gegenseitiges Vertrauen. Genau das hat der Arbeitgeberverband jetzt aber aufs Spiel gesetzt“, sagt Mustafa Öz.
Die Antwort der Gewerkschaft werde nicht lange auf sich warten lassen: Die NGG steckt nach eigenen Angaben bereits mitten in Streikvorbereitungen. „Es wird der heftigste ‚Milch-Warnstreik‘ werden, den Bayern bislang erlebt hat“, sagt NGG-Landes-Chef Öz. Ziel der Gewerkschaft ist ein Lohn-Plus von 4,1 Prozent für ein Jahr. Azubis sollen 80 Euro pro Monat mehr bekommen. Außerdem will die Gewerkschaft erreichen, dass die Beschäftigten künftig eine zusätzliche Zahlung im Wert von 5 Arbeitstagen zur flexiblen Nutzung erhalten. Die Arbeitgeber haben dagegen nach Angaben der NGG „zuletzt lediglich 2,1 Prozent für 13 Monate“ angeboten. „Sie waren nicht einmal bereit, für ihre Auszubildenden die Übernahme der Fahrkosten zur Berufsschule anzupassen. Insgesamt sind die Arbeitgeber damit auf ihr Einstiegsangebot aus der ersten Verhandlungsrunde am 10.06.2026 zurückgefallen. Es ist eine Tarifverhandlung im Rückwärtsgang: Ein bislang einmaliger skurriler Prozess“, so Mustafa Öz.
Für die NGG Bayern passt das Verhalten der Arbeitgeber nicht zur wirtschaftlichen Situation der Branche: „Die Tonnen an Milch, die in Bayern verarbeitet werden, werden mehr. Gleichzeitig bleibt die Zahl der Beschäftigten in den meisten Betrieben konstant oder sie sinkt sogar. Das bedeutet für die Beschäftigten mehr Arbeit – und das für viele frühmorgens, spätabends, nachts und auch am Wochenende. Denn die Michverarbeitung läuft im 24-Stunden-Schichtsystem“, sagt Mustafa Öz. Die Mehrbelastung gehe bereits seit Jahren so: Die Arbeitszeitkonten seien „randvoll“.
„Es ist höchste Zeit für den Arbeitgeberverband, zu überlegen, wie die Boomer, die in den kommenden Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden, ersetzt werden können. Ansonsten droht der Milchwirtschaft in Bayern ein erheblicher Fachkräftemangel. Um den zu verhindern, müssen jetzt Lohnanreize gesetzt werden“, so Öz. Die Bilanzen ließen dies schließlich auch zu: Immerhin arbeite die Branche in Bayern hochprofitabel, so die NGG. „Es gibt einen vergleichsweise geringen Lohnkostenanteil. Der liegt in der bayerischen Milchwirtschaft im Schnitt bei lediglich 7 Prozent. In anderen Branchen der Ernährungsindustrie ist er teilweise doppelt so hoch“, sagt Öz.
Da die Arbeitgeber selbst nach zwanzig „effektvollen Warnstreiks“ nicht reagiert hätten, werde die NGG Bayern jetzt „die Zügel anziehen“: „Es wird in den kommenden Wochen ausgeweitete und flächendeckende Warnstreiks in der Milchwirtschaft Bayerns geben“, so der Landesvorsitzende der NGG Bayern. Erst wenn die Arbeitgeber „diese Lektion verstanden haben und mit einem vernünftigen Angebot an den Tariftisch zurückkehren, werden die Milchverarbeitung und die Käseherstellung in Bayern wieder im Normal-Modus laufen“.
Bild: NGG
Schaufenster


Und wer zahlt die Zeche? Der Bauer.
Übernimmt die Gewerkschaftskasse auch den Milchpreis? Die Kühe streiken nicht.
Du meinst, die sollen auch für die Bauern kämpfen? Was können die dafür, dass die Bauern ihre Milch so billig machen.
Der Unterschied ist, das Angebot an Fachkräften wird eher weniger als mehr. Das Angebot an Milch wird eher mehr als weniger, obwohl die Nachfrage geringer wird. Man müsste daraus halt mal die richtigen Schlüsse ziehen, dann würde es schon klappen. Aber wenn Bauer A sagt, er macht es 10ct günstiger, damit er überhaupt was verkauft und Bauer B sagt, dann mich ich 12ct günstiger, damit ich nicht drauf sitzen bleib, dann lacht die Molkerei. Gehet hin und lernt
Sind Sie bei den Preisgesprächen zwischen Molkereien und Landwirten dabei?
Mit Sicherheit nicht, sonst würden Sie keinen solchen Mist schreiben.
Muss man dabei sein? Es ist die logische Konsequenz. Wenn man immer mehr produziert aber nicht mehr gebraucht wird, ist es halt weniger Wert. Lernt man ja eigentlich schon in der Schule. Nein natürlich verhandelt nicht jeder einzeln. Noch nicht mal zusammen. Das sind keine Verhandlungen. Das ist darum bitten, dass jemand die Milch abnimmt. Aber vielleicht hat man es gar nicht nötig, marktgerecht zu produzieren, wenn die Regierung ausreichend Geld drüber gießt und andere Einnahmequellen quasi kostenlos und wettbewerbsverzerrend zur Verfügung stellt (PV, Biogas, …).
Treffend zusammengefasst
Seit wann verhandelt jeder Bauer seperat den Milchpreis mit der Molkerei?
Herr Mustafa Öz ist ein idealtypischer Gewerk(g)schaftler, der das Uralt Narrativ „die Arbeitgeber sind Ausbeuter“ wie eine Monstranz vor sich herträgt.
Er vergisst dabei jedoch, dass sich in einem globalen Wettbewerb gravierende Veränderungen ergeben haben.
Wir können froh sein, wenn Arbeitsplätze wenigstens erhalten bleiben, anstatt diese durch abstruse Forderungen zu gefährden (siehe VW).
Manche haben wohl die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt.
Wer sich über die aktuellen Arbeitsbedingungen in den Molkereien beschwert, hat den Schuss nicht gehört. Rund herum bröckelt die Wirtschaft und wir fordern eine Lohnerhöhung. Zu den 30 Tagen 5 zusätzliche Urlaubstage. Die NGG verhandelt für mich mit. Jedoch ist diese Forderung völlig aus der Zeit und übertrieben. Andere Berufsgruppen sollten sich vor den Kopf gestoßen fühlen. Pflege, Gastro ect. … Ich mach mir die Welt
Widde-widde, wie sie mir gefällt!
Vielen Dank für diese ehrlichen Worte – wahrlich selten in diesen Tagen!
Vielleicht hast du es noch nicht verstanden, wie das läuft.
Arbeitsleistung ist ein Rohstoff aus dem man Gewinn machen kann. Je mehr Gewinn pro Stunde, desto mehr ist die Arbeit wert.
Musiala wird nicht dafür bezahlt, dass er sich die Knochen brechen lässt. Er bekommt über 20 Mio, weil sein Arbeitgeber mit seiner Leistung 50 Mio verdienen kann.
Es geht doch nicht darum, wie sehr sich jemand anstrengt oder wie viel er bei der Arbeit ins Schwitzen kommt, es geht darum, wie viel Profit man daraus machen kann. Oder warum glaubst du, zahlt die Rüstungsindustrie besser als das Krankenhaus?
Wer sich entscheidet in Deutschland zu leben, entscheidet sich, das Spiel mit zu spielen.
Gerd, ich habe das Spiel sehr wohl verstanden. Jedoch sollte man das Ganze nicht bis auf die Spitze treiben. Beispiel Autoindustrie: In den letzten 15 Jahren, Forderungen ohne Ende seitens der Gewerkschaft. Jetzt Schließungen vieler Werke. Wo sollen diese Leute jetzt arbeit finden? Je teurer dein sogenannter (Rohstoff) Arbeitsraft wird, desto weniger Arbeitskräfte wird sich der Arbeitgeber leisten können. Zudem ist Milch und alles was daraus gemacht wird ein Grundnahrungsmittel und muss für die breite Masse bezahlbar bleiben. (Molkereien stellen auch Produkte für Pharmazie und Vegane Produkte her).Gewerkschaft ist wichtig, ohne Frage. Aber man sollte bei der Wahrheit bleiben wenn es um die aktuellen Bedingungen Arbeitsplatz geht.
-30 Tage Urlaub
-jede Minute wird gestempelt und aufgezeichnet
-sehr hohe Zuschläge für Nacht, Sonn und Feiertagsarbeit.
-betriebliche Altersvorsorge
-ältere Mitarbeiter bekommen zusätzliche 10 Urlaubstage
-Fahrkostenzuschläge für Azubis und übernahme der Kosten fürs
Wohnheim. 3. Lehrjahr Brutto knapp 2000€ und vieles mehr.
Und wir beschweren uns? Eine Forderung in Höhe der aktuellen Inflation, und vielleicht ein bisschen darüber wäre gerechtfertigt. Aber wir sprechen von 5 Tage mehr Urlaub und Lohnerhöhung? Was fordern wir dann in 12 Monaten?
Ich bin selbst Arbeitnehme, aber das ist zu viel. Sorry!
Du meinst aber jetzt nicht ernsthaft, die Autoindustrie hätte das Geld gespart, wenn alle zum halben Lohn gearbeitet hätten und würden die Ersparnis jetzt zum abfedern der Probleme verwenden? Von was träumst du nachts?
Hast du mal aufgepasst, was bei solchen Tarifrunden aus der „Forderung“ letztlich wird?
Übrigens ist das Bsp. Automobilbranche das komplette Gegenteil. Sie kaufen auf den Weltmarkt ein und verkaufen auf dem Weltmarkt.
Molkereiprodukte müssen wegen Verderblichkeit am regionalen Markt kaufen und der wiederum lebt von Subventionen. Meggle wird nicht an der Konsumlaune der chinesen zugrunde gehen.
@Leuchte
… was jedoch nicht dazu führt, dass am Standort Wasserburg chinesische Milch verarbeitet wird und auch nicht dazu führt, dass Wasserburger Milch in einem chinesischen Standort verarbeitet wird und in der Welt verteilt wird. (Das macht auch künftig keinen Sinn, weil es weltweit nirgends so ein Billigprodukt Milch gibt, wie hier. Da können die Chinesen noch was lernen von unserer Subventioniererei.)
Das wäre der Unterschied gewesen, den du hättest erkennen können, wenn dein Ziel nicht Wortklauberei wäre.
Aber die Molkereien von hier verkaufen die Milch schon auf dem chinesischen Markt, zwar nicht flüssig und in verderblicher Form, aber durchaus in großer Menge
@unverderblich
Genau, such dir ein Wort raus, fantasier ein bisschen rum und mach dann den Schlaubischlumpf.
Ein Verkauf der Milch nach China in Form von Pulver gefährdet den Wasserburger Arbeitnehmer weil…??