Wie der Landkreis Mühldorf junge Generationen stärkt
Die Ergebnisse der Bedarfserhebung zur Kindertagesbetreuung, der Start der sogenannten Flexiblen Trainingsgruppe (FTG) ab Schuljahr 2026/2027 sowie Demokratiebildung und Jugendbeteiligung waren zentrale Themen der Sitzung des Ausschusses für Jugendhilfe, Bildung und soziale Netzwerke. Wie hoch ist der tatsächliche Bedarf an Kinderbetreuung und Ganztagsangeboten im Landkreis Mühldorf ? Antworten darauf liefert eine regelmäßige landkreisweite Elternbefragung, deren jüngste Ergebnisse im Ausschuss vorgestellt wurden. Christiane Deinlein, verantwortlich für die Jugendhilfeplanung im Landratsamt Mühldorf, präsentierte die zentralen Erkenntnisse der Erhebung aus dem Frühjahr 2026.
Ziel ist es, den aktuellen und künftigen Betreuungsbedarf möglichst genau zu erfassen und den Kommunen eine belastbare Grundlage für ihre Planungen zur Verfügung zu stellen. Die Gesamtverantwortung für die Kindertagesbetreuung liegt bei den Landkreisen, während die Gemeinden auf Grundlage ihrer örtlichen Bedarfsplanung ausreichend Betreuungsplätze bereitstellen müssen.
An der Befragung, die in enger Abstimmung mit den Gemeinden durchgeführt wurde, beteiligten sich 2.038 Eltern von Kindern unter 14 Jahren. Mit einer Beteiligung von durchschnittlich zwölf Prozent aller Eltern im Landkreis sei die Resonanz auf die Befragung allerdings überschaubar gewesen, sagte Christiane Deinlein. Die Ergebnisse zeigen, dass bereits 59 Prozent der befragten Familien ein Betreuungsangebot nutzen, während 30 Prozent derzeit keinen Bedarf haben. Besonders aufschlussreich sind die Angaben zum Übergang von der Vorschule in die Grundschule: Rund ein Drittel der Kinder wird bereits vor der Einschulung mehr als 26 Stunden pro Woche betreut. Ab dem Besuch der Grundschule gaben 40 Prozent der Eltern an, eine Betreuung nach Unterrichtsende zu benötigen. 38 Prozent sehen keinen entsprechenden Bedarf.
Auch die gewünschte Betreuungsdauer wurde abgefragt. Weniger als ein Viertel der Eltern benötigt eine Betreuung bis maximal 14 Uhr, 14 Prozent bis 15 Uhr und 17 Prozent bis 16 Uhr oder länger. Zudem gaben 40 Prozent der Befragten an, auch während der Schulferien auf Betreuungsangebote angewiesen zu sein. Erstmals wurden zudem die Eltern bei der diesjährigen Schuleinschreibung gebeten, ihren Bedarf für das kommende Schuljahr anzugeben. Um bedarfsgerechte Angebote in Sachen Ferienbetreuung zu schaffen, empfiehlt die Verwaltung unter anderem eine verstärkte interkommunale Zusammenarbeit – bei Bedarf auch über Landkreisgrenzen hinweg.
„Die Kommunen im Landkreis sind in Sachen Kinderbetreuung gut aufgestellt. Mit den bereits vorhandenen sowie den derzeit geplanten oder im Bau befindlichen Betreuungsplätzen kann der ermittelte Bedarf gedeckt werden“, sagte Landrat Max Heimerl. Und weiter: „Wir profitieren heute von den vorausschauenden Planungen vor Ort und der Tatsache, dass der Landkreis den Gemeinden bereits frühzeitig belastbare Zahlen und Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung zur Verfügung gestellt hat.“ Die Auswertung der Elternbefragung wurde inzwischen allen Gemeinden im Landkreis zur Verfügung gestellt.
Start der Flexiblen Trainingsgruppe (FTG) ab Schuljahr 2026/2027
Ein neues Unterstützungsangebot für Grundschulkinder mit erhöhtem Förderbedarf im emotional-sozialen Bereich startet zum Schuljahr 2026/27 im Landkreis Mühldorf a. Inn. Im Ausschuss für Jugendhilfe, Bildung und soziale Netzwerke stellten Michael Steingasser, Fachbereichsleiter „Soziale Dienste“ im Kreisjugendamt, und Schulamtsdirektorin Beate Waldinger die sogenannte Flexible Trainingsgruppe (FTG) vor, die künftig an der Grundschule Mühldorf-Altmühldorf eingerichtet wird. „Hintergrund ist die deutliche Zunahme von Kindern mit erheblichen Verhaltensauffälligkeiten im Grundschulalter in den vergangenen Jahren. Dazu zählen beispielsweise die Verweigerung der Mitarbeit im Unterricht, massives Störverhalten, häufige Konflikte oder auch Situationen, in denen eine Selbst- oder Fremdgefährdung nicht ausgeschlossen werden kann. Bestehende pädagogische Unterstützungsmaßnahmen stoßen dabei zunehmend an ihre Grenzen“, erklärte Michael Steingasser.
Die Flexible Trainingsgruppe richtet sich an Kinder aus dem gesamten Landkreis mit einem festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung. In einer Kleingruppe von maximal acht Schülerinnen und Schülern sollen sie gezielt gefördert und stabilisiert werden. Vorgesehen ist ein jahrgangsübergreifender Unterricht, grundsätzlich für Kinder der zweiten und dritten Jahrgangsstufe. Ein Einstieg
während des ersten Schuljahres ist in Ausnahmefällen bei Bedarf möglich. Ziel des Angebots ist es, die Kinder innerhalb von ein bis zwei Schuljahren wieder erfolgreich in ihre Regelklasse beziehungsweise ihre Sprengelschule zurückzuführen. Voraussetzung für die Aufnahme sind eine entsprechende schulische und klinische Diagnostik sowie die realistische Aussicht auf eine spätere Reintegration. Zudem wird eine enge Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten erwartet.
„Das Konzept setzt auf eine Ganztagsbeschulung mit klar strukturierten Tages- und Wochenabläufen. Neben dem Unterricht nach dem regulären Lehrplan stehen insbesondere die Förderung sozialer Kompetenzen und die emotionale Stabilisierung im Mittelpunkt“, erklärte Schulamtsdirektorin Beate Waldinger. Soziales Training, regelmäßige Reflexion des Verhaltens sowie erlebnispädagogische Angebote sollen den Kindern helfen, Frustrationstoleranz, Konfliktfähigkeit und Regelbewusstsein zu entwickeln. Gleichzeitig bleiben sie Teil des Schullebens der Grundschule Mühldorf-Altmühldorf und nehmen beispielsweise an Pausen, Festen oder einzelnen Unterrichtsstunden gemeinsam mit
Regelklassen teil.
Betreut werden die Kinder von einem multiprofessionellen Team aus Grundschullehrkräften, sonderpädagogischen Fachkräften, Förderlehrkräften und sozialpädagogischem Personal. Die Umsetzung erfolgt in enger Kooperation zwischen Jugendamt und Staatlichem Schulamt, der Grundschule Mühldorf-Altmühldorf, dem Sonderpädagogischen
Förderzentrum Waldkraiburg, der Stadt Mühldorf sowie der Regierung von Oberbayern. Landrat Max Heimerl hob das Zusammenwirken aller beteiligten Institutionen heraus: „Mit der Einrichtung der Flexiblen Trainingsgruppe schaffen Jugendhilfe und Schule gemeinsam ein neues Angebot, um Kinder mit besonderen Herausforderungen frühzeitig zu unterstützen und ihnen langfristig eine Perspektive auf einen regulären Schulalltag zu geben.“
Demokratiebildung im Landkreis am Beispiel Jugendparlament Waldkraiburg
Das Thema Demokratiebildung und Jugendbeteiligung stand ebenfalls auf der Tagesordnung der Sitzung des Ausschusses für Jugendhilfe, Bildung und soziale Netzwerke. Marina Mayerhofer von der Kommunalen Jugendarbeit im Landratsamt stellte den aktuellen Stand der Gespräche mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Landkreis vor. Ziel ist es, die Beteiligungsmöglichkeiten für junge Menschen in den Städten und Gemeinden
weiter auszubauen und zu stärken.
Wie Jugendbeteiligung in der Praxis gelingen kann, zeigte Gina Richardson von der Jugendpflege vor Ort Waldkraiburg (Juvo) am Beispiel des Jugendparlaments Waldkraiburg. Sie erläuterte den Weg von der Vorbereitung und Durchführung der Wahl über die Konstituierung des Gremiums bis hin zur laufenden Arbeit und Begleitung der Jugendlichen. Anschließend berichteten die Mitglieder des Jugendparlaments Waldkraiburg, Paul Gaugeler (Vorsitzender), Mario Kretschmar (Schriftführer) und Johanna Hintereder, aus erster Hand über ihre Erfahrungen, die Beweggründe für ihr Engagement sowie über aktuelle Projekte.
Zudem beantworteten sie die Fragen der Ausschussmitglieder. Landrat Max Heimerl würdigte das Engagement der jungen Menschen: „Das Jugendparlament zeigt eindrucksvoll, wie Demokratie vor Ort gelebt werden kann. Junge Menschen bringen ihre Ideen ein, übernehmen Verantwortung und gestalten ihr Umfeld aktiv mit. Viele Verbesserungen im Alltag beginnen mit einem Impuls – und genau diesen geben engagierte Jugendliche, die ihre Anliegen einbringen und Veränderungen anstoßen.“
Unser Bild zeigt von links Gina Richardson (Juvo Waldkraiburg), Mario Kretschmar (Schriftführer JuPa Waldkraiburg), Paul Gaugeler (Vorsitzender JuPa Waldkraiburg), Johanna Hintereder (Mitglied JuPa Waldkraiburg), Marina Mayerhofer (Kommunale Jugendarbeit im Landratsamt Mühldorf) und Landrat Max Heimerl.
Bild: Pressestelle Landratsamt Mühldorf
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