Seltene Schlangenart ist für Menschen ungefährlich - Weitere Sichtungen sollen gemeldet werden
Eine bemerkenswerte Entdeckung sorgt derzeit für Aufmerksamkeit unter Naturkundlern: In Wasserburg wurde kürzlich eine Äskulapnatter (Zamenis longissimus) nachgewiesen. Die ungiftige und streng geschützte Schlangenart zählt zu den seltensten Reptilien Deutschlands und gilt in Bayern als stark gefährdet.
Der Fund gelang im Zuge einer naturkundlichen Beobachtung im Stadtgebiet nahe des Inns. Ob es sich um ein natürlich vorkommendes Tier, ein abgewandertes Individuum aus bekannten Vorkommen oder möglicherweise um ein ausgesetztes Tier handelt, ist derzeit noch unklar und soll untersucht werden.
In Bayern sind stabile Vorkommen vor allem aus dem österreichischen Grenzgebiet bei Burghausen bekannt. Ein Nachweis im Raum Wasserburg ist daher außergewöhnlich und wirft Fragen zur Herkunft des Tieres auf. Experten schließen nicht aus, dass klimatische Veränderungen eine Ausbreitung der Art begünstigen können. Verbundstrukturen wären über den Inn von Burghausen nach Wasserburg vorhanden.
Die Äskulapnatter ist die größte heimische Schlangenart Mitteleuropas und kann eine Länge von bis zu zwei Metern erreichen. Charakteristisch sind ihre olivbraune Färbung und ihr ruhiges Verhalten. Für den Menschen ist sie daher völlig ungefährlich. Durch das Einspreizen ihre Schuppen kann die Äskulapnatter sehr gut klettern und sogar senkrechte Baumstämme zur Nahrungssuche erklimmen. Sie gilt daher als die einzige „Baumschlange“ in Mitteleuropa. Der Name stammt von dem griechischen Heilgott Asklepios um dessen Stab sich die Schlange in antiken Abbildungen wickelt. Die meisten Menschen haben die Schlange daher bereits als Symbol auf Mediziner- oder Apothekenschildern wahrgenommen.
Naturschutzfachlich ist der Fund von großer Bedeutung, so Biodiversitätsberater Jonas Garschhammer vom Landratsamt Rosenheim. Die Äskulapnatter ist auf strukturreiche, sonnige Lebensräume angewiesen, etwa lichte Wälder, Waldränder, Trockenmauern und strukturreiche Gärten. Ihr Auftreten kann somit als Hinweis auf wertvolle Habitatstrukturen entlang des Inns gewertet werden.
Die Bevölkerung wird gebeten, Sichtungen von Äskulapnattern („Baumschlangen“) zu melden, die Tiere jedoch keinesfalls zu stören oder einzufangen. Hinweise können per E-Mail unter naturschutz@lra-rosenheim.de an die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Rosenheim weitergegeben werden.
Schaufenster


Hinterlassen Sie einen Kommentar