Prozessbeginn gegen 21-Jährigen vor dem Landgericht Traunstein

Der Mord an der 23-jährigen Hanna W. aus Aschau beschäftigtest gestern das Schwurgericht am Landgericht Traunstein (wie kurz berichtet). Der Andrang der Medienvertreter und Interessierten am ersten Tag war groß. Der erste Prozesstag stand zunächst im Zeichen des Angeklagten. Zum Tatzeitpunkt am 3. Oktober 2022 war er noch 20 Jahre alt, jetzt ist er auch strafrechtlich ein Erwachsener. Zur Anklage wollte er sich nicht äußern, teilten seine Anwälte dem Gericht erneut mit, auch
seine geladenen Eltern und die mit erschienene Schwester wollten sich zur Anklage nicht äußern. 
Das übernahm dann der Staatsanwalt, der dem Beschuldigten vorwarf, in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 2022 Hanna W. mit einem „stumpfen Gegenstand“ niedergeschlagen zu haben und dann dafür gesorgt zu haben, dass sie in der Prien bei Aschau ertrank.
Gefunden wurde Hanna W. am 3. Oktober 2022 nachmittags in Kaltenbach, jenem Ortsteil von Prien, der zwischen Wildenwart und Prien liegt, in dem Fluss Prien. Sie war tot. Ob der Beschuldigte Hanna W. ermordet hat, soll der nun Prozess klären. Das Landgericht Traunstein hat hierfür bis Weihnachten 2023 insgesamt 27 Verhandlungstage angesetzt.
Die Eltern von Hanna W. haben Nebenklage eingereicht und verfolgen den Gerichtsverlauf sehr genau und voller Trauer. Der Mutter von Hanna W. stehen am ersten Prozesstag immer wieder die Tränen im Gesicht. Schließlich hatte Hanna W. ihr Leben noch vor sich und galt allgemein als fröhlicher Mensch, positiv dem Leben gegenüber eingestellt. Und so war es nicht verwunderlich, dass sie am 2. Oktober abends noch gegen 23.15 Uhr in die Disko „Eiskeller“ in Aschau gegangen sei und sich an einem „harmonischen Partyabend“ beteiligte.
Im Prozess wurde der leitende ermittelnde Beamte der Kripo Rosenheim, Jürgen Meier, befragt. Er stellte die Ermittlungsergebnisse in aller Genauigkeit vor und ließ die Zuhörer des ersten Prozesstages noch einmal hautnah diese Nacht miterleben. Nach dem Abend habe sie den Eiskeller um 2.19 Uhr verlassen und habe mit einem Nachbarn gemeinsam heimgehen wollen. Der Nachbar sei aber nochmals in den „Eiskeller“ gegangen, weil er etwas vergessen hatte und als er zurückgekommen sei, sei Hanna W. schon nicht mehr da gewesen.
Nachbarn hätten in der Nacht, so gegen 2.30 Uhr einen Schrei gehört. Mehr hätten die Nachbarn auch nicht aussagen können. Insgesamt 2.101 Personen habe die Polizei im Zusammenhang mit dieser Tat erfasst, 1.173 Personen habe die SOKO „Club“ vernommen, 1.498 Ermittlungsaufträge bearbeitet. Für die Ermittlungen in diesem Mordfall seien insgesamt 60 Beamte und Angestellte im ständigen Einsatz gewesen.
In der Nacht sei noch ein Jogger gesehen worden, er habe eine Stirnlampe getragen, eine schwarze Jacke und eine kurze Hose. Dieser Jogger sei von mehreren Zeugen gesehen worden.
Wie es dazu kam, dass Hanna W. in der Prien ertrinken konnte und zwölf Kilometer von Aschau entfernt bei Kaltenbach gefunden wurde, das wird in den nächsten Verhandlungstagen wohl noch erörtert werden müssen. Und wie es dazu kam, dass dieser Jogger nun als Angeklagter vor Gericht steht, mit Fußfesseln und in Handschellen vorgeführt wird auch.
Die Verteidigung hat bereits angekündigt, dass sie dem ermittelnden Beamten noch einige Fragen zu den polizeilichen Ermittlungen stellen möchte.
Der Angeklagte jedenfalls hat am ersten Prozesstag vor Gericht kein Wort gesagt, nicht einmal ja oder nein. Nur schüttelte er den Kopf, was wohl „nein“ heißen sollte. Den Eindruck, dass diese Anklage wegen Mordes spurlos an ihm vorübergehe, konnte man aber auch nicht gewinnen.
Nachdem der leitende ermittelnde Beamte der Kripo zwei Stunden lang die Ermittlungsergebnisse dem Gericht vorgetragen hatte, vertagte sich das Gericht.
Wir berichten weiter.
PETER RINK