An RoMed Weichen für die Zukunft gestellt - Dr. Markus Wöhr übergibt an Dr. Christian Bach

Mit einem hochkarätig besetzten wissenschaftlichen Symposium hat die Klinik für Urologie des RoMed-Klinikums Rosenheim unter der Leitung von Dr. Markus Wöhr und Dr. Christian Bach die Weichen für die Zukunft der Urologie gestellt. Über 70 Gäste aus Klinik, Praxis und Wissenschaft begrüßte Dr. Wöhr im Bildungs- und Pfarrzentrum St. Nikolaus „Mit der Verschiebung der Altersstruktur steht auch die Urologie im Spannungsfeld von Demografie, Ökonomie und Hightech-Medizin. Aktuelle Themen wie die kommende Gesundheitsreform, der veränderte Versorgungsbedarf durch die Alterung der Gesellschaft sowie die Vorteile für unsere Patienten durch neue robotergestützte Operationsverfahren und innovative Tumortherapien werden beleuchtet.“

Referenten und Organisatoren des wissenschaftlichen urologischen Symposiums – von links – 

Prof. Dr. Andreas Manseck, Prof. Dr. Peter Goebell, Dr. Markus Wöhr, Prof. Dr. Ulrich Humke,
Prof. Dr. Dr. Axel Heidenreich, Dr. Hartwig Schwaibold und Dr. Christian Bach.  

Gesundheitspolitik, Strukturwandel und OP-Robotik – medizinische Versorgung auf höchstem Niveau

RoMed-Geschäftsführer Dr. Ulrich Schulze beleuchtete in seinem Eingangsvortrag die
möglichen Auswirkungen der anstehenden Gesundheitsreform auf die Urologie. Er verwies
auf die Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung durch die jüngst erworbenen
zwei urologischen Kassensitze im Landkreis und auf die bewusste Konzentration der
stationären urologischen Versorgung im Klinikverbund in Rosenheim wo jährlich rund 2.000
Patientinnen und Patienten stationär versorgt werden.
„Wir erfüllen alle Voraussetzungen für die Zuteilung der Leistungsgruppe Urologie am Standort
Rosenheim und sind daher optimistisch, dass das Bayerische Gesundheitsministerium diesem
Antrag zustimmt“, sagte Schulze. Zugleich merkte er an, dass es bei der Vergabe der
Leistungsgruppen zu Verwerfungen in der Kliniklandschaft kommen wird. „Mit den geplanten
Erlösbegrenzungen des GKV‑Beitragssatzstabilisierungsgesetzes wird der Kosten- und
Leistungsdruck weiter steigen. Zunehmende Defizite verlagern sich auf kommunale Träger
und belasten deren Haushalte. Am Ende bleibt die Hoffnung auf die Vernunft der Politik.“
Positiv falle jedoch ins Gewicht, dass der Verbund in Weiterbildung und Zukunftstechnologien
investiere: „Wir sichern unsere Strukturen und planen den Ausbau der Robotik mit einem
zweiten OP-Roboter-System. Damit unterstreichen wir unseren Anspruch, die urologische
Versorgung in der Region langfristig auf Spitzenniveau zu halten.“

Organerhalt in der Nierenchirurgie als „Gamechanger“ und die alternde Gesellschaft

Prof. Dr. Ulrich Humke, Direktor der Urologie am Klinikum Stuttgart, stellte die Bedeutung des Organerhalts bei Nierentumoren heraus. Seit den neunziger Jahren sei man zunehmend dazu übergegangen, möglichst viel gesundes Nierengewebe zu bewahren. Abhängig von Alter und Schwere der Erkrankung würden Patientinnen und Patienten deutlich von organerhaltenden Verfahren profitieren und damit zahlreiche Folgeerkrankungen vermeiden. Die moderne Urologie sei deshalb nicht nur radikal, sondern zunehmend präzise und differenziert.

Prof. Dr. Dr. Axel Heidenreich, Klinikdirektor der Klinik für Urologie, am Universitätsklinikum Köln, widmete seinen Vortrag einem seiner Spezialgebiete – den Chancen und Risiken urologischer Salvageoperationen – großen chirurgischen Eingriffen nach Strahlen- oder Chemotherapie und bei Tumorrezidiven. Er betonte den interdisziplinären Ansatz den große, umfassend ausgestattete Häuser wie Rosenheim leisten können: „Für das Patienten‑Outcome
ist entscheidend, dass alle Fachdisziplinen eng zusammenarbeiten. Nur so können wir komplexe Krankheitsbilder sicher beherrschen.“

Mit einem Blick in die Zukunft zeigte Prof. Dr. Andreas Manseck, Direktor der Urologie am Klinikum Ingolstadt, die wachsende Bedeutung der Geriatrie in der Urologie. Nach seinen Ausführungen ist im Jahr 2080 mit rund 30 Prozent mehr Patienten über 65 Jahren in den Kliniken zu rechnen – mit komplexen Krankheitsbildern und erhöhten Anforderungen an die Versorgung. „Wir werden ein strukturiertes geriatrisches Assessment und eine exzellente
Organisation benötigen“, sagte Manseck. Am Beispiel von Harnwegsinfekten machte er deutlich, wie rasch die Situation eskalieren kann: Unbehandelt drohen Sepsis und
Multiorganversagen, auch hier ist die Zusammenarbeit vieler Spezialisten in einem Krankenhaus der Scherpunktversorgung gefragt.

Uroonkologie zwischen Innovation und Kostenrealität

Die onkologische Urologie bildete einen weiteren Schwerpunkt: Prof. Dr. Peter Goebell,
leitender Oberarzt der Urologischen Universitätsklinik Erlangen, stellte „Gamechanger“ in der
Uroonkologie vor – und zeigte dabei auf, dass es je nach Konstellation sein könne, dass eine
neue Strategie gefragt sei und stellte dabei die Frage, ob manchmal weniger Therapie
tatsächlich mehr Lebensqualität bedeuten könne. Zudem ließen sich Studienergebnisse nicht
immer bei den oft mehrfach erkrankten und älteren Patienten reproduzieren. Therapiekosten
im sechsstelligen Bereich würden zudem das Gesundheitssystem enorm fordern.
Dr. Hartwig Schwaibold, Oberarzt und Senior Consultant an der Urologischen
Universitätsklinik Ulm, beleuchtete neue Therapieoptionen beim Prostatakarzinom unter dem
Spannungsverhältnis „Innovation versus Inflation“. Er wies darauf hin, dass in Deutschland im
Unterschied zu anderen Ländern eine offene Diskussion über Therapiekosten im Verhältnis
zu Lebensalter und Wirksamkeit vermieden wird. Man müsse sich ehrlich fragen, welcher Preis
für welchen Nutzen zu zahlen sei und wie begrenzte Ressourcen gerecht eingesetzt werden
können?

Robotik bleibt Assistenz – nicht Autopilot

Der designierte neue Chefarzt der Klinik für Urologie am RoMed Klinikum Rosenheim, Dr. Christian Bach, gab einen Einblick in die dynamische Entwicklung in der robotisch assistierten Chirurgie wie sie auch schon in Rosenheim routinemäßig eingesetzt wird. Dabei stellte er verschiedene neue Robotik-Systeme vor und erläuterte, wie die Erfassung und Analyse sämtlicher Bewegungsabläufe während eines Eingriffs künftig neue Möglichkeiten für die objektive Qualitätsmessung und die Weiterentwicklung operativer Verfahren eröffnet, dies nicht zuletzt mit Unterstützung von KI-Systemen.

Auf die Frage, wann mit vollständig autonomen Operationen zu rechnen sei, zog Bach einen Vergleich zum Straßenverkehr: „Seit über zehn Jahren wird regelmäßig angekündigt, dass man schon bald vollständig autonom fahren werde – und noch immer sitzt, bis auf wenige Einzelfälle, der Mensch am Steuer. In der Chirurgie wird es auf absehbare Zeit nicht anders sein. Die Robotik wird unsere Arbeit zunehmend unterstützen, den Operateur jedoch nicht ersetzen.“ Mittelfristig, so Bach, werde die robotische Chirurgie daher erst einmal eine hochentwickelte Assistenztechnologie bleiben, die die Fähigkeiten des Operateurs erweitert und eine noch präzisere, standardisiertere und schonendere Behandlung ermöglicht.

Abschlusswort des scheidenden Chefarztes

Zum Ende des Symposiums ergriff Dr. Markus Wöhr das Wort. Er dankte den Vortragenden und den Kolleginnen und Kollegen: „Ich blicke mit Zufriedenheit auf die vergangenen 20 Jahre und erinnere mich gerne an diese Momente, in denen es gelang Leiden von Patienten zu lindern. Besonders stolz bin ich darauf, die berufliche Entwicklung vieler Kolleginnen und Kollegen begleitet zu haben“.

Mit der offiziellen Übergabe an Dr. Christian Bach schloss Wöhr den Vortragsblock des Symposiums. „Ich übergebe die Abteilung mit großer Zuversicht in gute Hände und wünsche meinem Nachfolger alles Gute für die neue Aufgabe“, sagte er zum Abschluss.

Das Symposium klang bei einem Imbiss und regem fachlichen Austausch an Informationsständen der Industrie aus.

Foto: RoMed / Peter Schlecker

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