Gebirgsjägerbrigade 23 in Bad Reichenhall setzt auf schnellen Aufwuchs - Info-Veranstaltung für Führungskräfte

Sie ist einer der Höhepunkte für die Führungskräfte der Reserve im Jahreslauf der Gebirgsjägerbrigade 23 in Reichenhall: Die Info-Veranstaltung, bei der die Verantwortlichen für die Angelegenheiten der Reserve die Soldatinnen und Soldaten einen Tag lang über den aktuellen Sachstand zu allen Angelegenheiten der Reserve auf den neusten Stand bringen. Heuer fand dieser Termin mit Teilnehmern aus Stadt und Landkreis Rosenheim erstmals als zweitägige Veranstaltung in Mittenwald statt. Denn die Reservisten im Dienstgrad Feldwebel und aufwärts nahmen auch am Tag der Gebirgstruppe mit großer Paradeaufstellung und Gedenken am Hohen Brendten teil – was am Ende bei den Reservisten wie bei den Verantwortlichen der Brigade so gut ankam, dass diese Form der Informations-Veranstaltung im kommenden Jahr eine Wiederholung finden soll.

Standen am ersten Tag zahlreiche feierliche Regularien wie das Gelöbnis der Rekruten und die Übergabe des Dienstpostens des Stellvertretenden Brigadekommandeurs an Oberstleutnant Dennis Jahn auf dem Programm, wurde es am zweiten Tag im Offizierheim in Mittenwald speziell für die Führungs-Crew der Reservisten richtig spannend: Beim Vortrag durch Oberstleutnant Jahn, er ist ab sofort bei der Brigade für die Reservistenarbeit verantwortlich, wurde schnell klar, welch rasantes Tempo beim Aufwachsen der Reserve gefordert ist – von Seiten der Politik unter anderem durch ein neues Reservestärkungsgesetz, das noch Ende des Jahres vom Bundestag verabschiedet werden soll.

Der Stellvertretende Brigadekommandeur ging bei seinen Ausführungen auf die Lage der Brigade, die Reservistenarbeit innerhalb seines Verbandes, auf zahlreiche Ausbildungsmöglichkeiten und die Planungen zur Reservistenarbeit ein. Nicht wenige Fragen der Teilnehmer konnten dabei „auf dem kleinen Dienstweg“ geklärt werden.

Im weiteren Verlauf stellte Oberstleutnant Artur Landenberger als Projektoffizier für die Reservistenarbeit bei der Gebirgsjägerbrigade den zukünftigen Bedarf an Reservedienstleistenden heraus. Er ging außerdem auf die geplanten Übungsvorhaben und die Aufwuchsfähigkeit der Reservisten innerhalb der Brigade ein. Zur Sprache kam auch die neue Vollausstattung der Reservisten, die für den speziellen Einsatz in großen Höhen unter extremen Klima- und Wetterbedingungen notwendig ist. Die aktuelle Ausrüstung habe sich insbesondere bei den vergangenen Ausbildungs- und Übungsvorhaben in Norwegen bewährt.

Um einen genaueren Einblick in die Praxis zu erhalten, stellten die Gebirgsjägerbataillone 231 aus Bad Reichenhall, 232 aus Bischofswiesen und 233 aus Mittenwald deren Reservistenausbildung und bevorstehende Vorhaben vor.

Sehr still wurde es im historischen Saal des Offiziersheims beim Vortrag von Oberstleutnant i.G. Andreas Schmick, dem Leiter der Abteilung G2 bei der Gebirgsjägerbrigade, zuständig für die militärische Sicherheit. Er gab einen eindrucksvollen Einblick in den aktuellen Aufwuchs der russischen Streitkräfte und deren Reserve. Nach wie vor laufe in Russland eine verdeckte Mobilisierung. Trotz der hohen Verluste im Ukraine-Krieg könne die russische Armee auf Personalstärken zurückgreifen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lasse: „Insgesamt kann Russland aktuell auf zwei Millionen aktive Reservisten, im Ernstfall sogar auf 18 bis 20 Millionen inaktive Reservisten zurückgreifen.“

Die Bedeutung der Reservedienstleistenden ist nicht mehr von der Hand zu weisen – sei es für die Landes- und Bündnisverteidigung, den Heimatschutz oder Einsätze im Rahmen des internationalen Krisenmanagements. Im Rahmen der Veranstaltung „70 Jahre Gebirgstruppe“ kamen daher die Reservistinnen und Reservisten der Gebirgsjägerbrigade 23 zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen, künftige Übungsvorhaben und die Rolle der Reservedienstleistenden beim personellen Aufwuchs des Heeres zu informieren.

„Im Maschinenraum der Gebirgstruppe“

Unter der Führungs-Crew der Reservisten der Brigade war diesmal auch ein beonderer Teilnehmer. Der Parlamentarische Staatsminister Florian Hahn nahm als Mannschaftsdienstgrad in Uniform an beiden Tagen in Mittenwald teil und zeigte sich überrascht von den Aktivitäten rund um die Reserve der Brigade 23. Hahn: „Ich komme mir hier vor, wie im Maschineraum der Gebirgstruppe.“

Hahn ließ es sich nicht nehmen, auch ein paar persönliche Worte an die Solddaten zu richten. Er berichtete anschließend vom deutsch-polnischen Verteidigungsabkommen und den Zielen bei der transatlantischen Rüstungs- und Sicherheitspolitik. „Deutschland macht einen guten Eindruck und ist mit führend in der Sicherheitspolitik“, brachte er die Rolle Deutschlands auf den Punktso der Minister. Er betonte, dass die Ukraine auch weiterhin finanziell enorm von Deutschland unterstützt wirdwerde . Den Reservisinnen und Reservisten Teilnehmenden der Veranstaltung konnte gab er mit seinen Worten ein umfangreiches Bild über die aktuelle weltpolitische Situation und neue einige Denkanstöße gebenmit auf den Weg.

Ein ganz besonderes Dankeschön gab es am Ende der Veranstaltung. Mit Oberstabsfeldwebel Albert Zettler vom Gebirgsjägerbatailloln 233 wurde ein außergewöhnlicher Reservist verabschiedet, der demnächst aus Altersgründen ausscheiden muss. Zettler hat nach seiner vierjährigen aktiven Laufbahn in den vergangenen Jahrzehnten sage und schreibe über 5.000 Reservediensttage bei den Gebirgsjägern absolviert. „Zusammenhängend sind das 14 Jahre“, wie Oberstleutnant Dennis Jahn der erstaunten Versammlung kundtat.

Text und Fotos: Wegscheider / Gebirgsjägerbataillon 232

Oberstleutnant Jahn (rechts), Oberst Gellermann, und Oberstleutnant Artur Landenberger (links) führten die Reservedienstleistenden durch die Veranstaltung.

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