Am 17. Juni ist die entscheidende Generalversammlung - Initiative glaubt immer noch an Erhalt
Kann das in Schräglage geratene Bankhaus RSA mit Sitz in Rechtmehring, Soyen, Albaching (RSA), Wasserburg und München doch noch gerettet werden? Der Aufsichtsrat sieht das leider nicht so. Er hat sich dieser Tage mit einem Schreiben an die Mitglieder gewandt und darin festgestellt: „Ein ,Weiter so‘ kann es nicht geben. Der Aufsichtsrat hat deshalb die Aufnahme der Fusionsgespräche mit der ,Meine Volksbank Raiffeisenbank‘ aus Rosenheim beschlossen. Nach sorgfältiger Abwägung mussten wir erkennen, dass der eigenständige Weg, insbesondere im Hinblick auf die angespannte Personalsituation, nicht länger möglich ist“, so Aufsichtsratsvorsitzender August Seidinger. Deshalb sollen es bei der Generalversammlung am 17. Juni auf dem Festplatz an der Alkorstraße (Foto – das Festzelt vom Frühlingsfest wird zum Veranstaltungsort) die Weichen für eine Fusion gestellt werden. Indes: Die Initiative für den Erhalt des Bankhauses will weiter mit allen Mitteln gegen eben diese Fusion kämpfen.
„Wirtschaftlich nicht tragfähig“
In seinem Schreiben teilt der Aufsichtsrat mit, dass die Analysen im Zusammenhang mit dem Sanierungskonzept zeige, dass eine Fortführung des Bankhauses RSA in der bisherigen Form in keinem Szenario wirtschaftlich tragfähig sei. Mit der ,Meine Volksbank Raiffeisenbank‘ aus Rosenheim stehe ein gut geeigneter Partner zur Verfügung, der die notwendige Stabilität, Leistungsfähigkeit, Erfahrung und regionale Nähe für die anstehende Sanierung und Verschmelzung mitbringe. Ein „Nein“ zur Verschmelzung sei indes keine tragfähige Alternative: Weder die Fortführung noch eine Eigensanierung seien möglich, wenn mit „Nein“ über die Verschmelzung abgestimmt werde. Mit der Fusion bleibe die genossenschaftliche Präsenz in der Region erhalten – zum Vorteil unserer Mitglieder, Kunden und insbesondere Mitarbeitenden.
Auf Grundlage des Sanierungskonzepts und der fehlenden Option einer eigenständigen Fortführung des Bankhauses RSA habe man verschiedene strategische Handlungsoptionen geprüft. „In Abstimmung mit Vorstand und Aufsichtsrat wurden sechs regional ansässige Verschmelzungspartner analysiert und anhand klar definierter Kriterien bewertet. Berücksichtigt wurden die strategische Eignung, die regionale Nähe, die kulturelle und politische Passung sowie insbesondere die wirtschaftliche Stabilität. Auf Grundlage dieser strukturierten Bewertung erwies sich die ,Meine Volksbank Raiffeisenbank eG‘ als der einzig sinnvolle und geeignete Verschmelzungspartner“, heißt es im Schreiben an die Mitglieder.
Die Kapitalstärke der Rosenheimer Bank ermögliche die Übernahme und nachhaltige Bewältigung „des NPL-Portfolios mit dem Ziel: Keine Übertragung von Kreditengagements von Kunden aus dem erweiterten Geschartsgebiet auf das Spezialkreditinstitut des Verbundes, die BAG Hamm“. Das nachbarschaftliche Angrenzen fördere die Akzeptanz vor Ort und Fortführung der Kundenbeziehungen. Die ,Meine Volksbank Raiffeisenbank eG‘ verfüge über die personellen und fachlichen Ressourcen und könne eine komplexe Sanierungs-Verschmelzung umsetzen. Ihre erprobte Verschmelzungskompetenz reduziere mögliche Umsetzungsrisiken. „Die Zeitnahe Verschmelzung ist notwendig und möglich.“
Der Aufsichtsrat in seinem Schreiben abschließend: „Mit der Verschmelzung mit der ,Meine Volksbank Raiffeisenbank eG‘ endet für das Bankhaus RSA die Phase der massiven Belastung und anhaltenden Unsicherheit. An ihre Stelle treten Klarheit, Stabilität und die aktive Gestaltung einer neuen Zukunft.
„Zentrale Fragen nicht ausreichend geklärt“
Ganz anders sieht das die Initiative für den Erhalt des Bankhauses RSA, an der Spitze Franz Linner aus Rechtmehring und Florian Bauer aus Maitenbeth. Beide werden sich dieser Tage ebenfalls mit einem Schreiben an die genossen wenden. „Wir wenden uns als Mitglieder direkt an die anderen Genossen, weil die Entscheidung am 17. Juni praktisch endgültig ist. Es geht nicht um eine bloße Zusammenarbeit, sondern um die Aufgabe der Eigenständigkeit unserer Genossenschaftsbank. Betroffen sind unsere Geschäftsstellen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und unser Einfluss als Mitglieder. Nach unserer Auffassung sollen die Mitglieder über eine Fusion abstimmen, obwohl zentrale Fragen bis heute nicht ausreichend geklärt sind. Deshalb halten wir es für notwendig, dass sich jedes Mitglied vor der Abstimmung ein eigenes Bild macht.“
Der aktuelle Fusionsdruck sei im Wesentlichen durch die Prüfungen des Genossenschaftsverbandes für die Jahre 2024 und 2025 entstanden. „Der erhebliche Unterschied zur Prüfung 2023 wurde den Mitgliedern aus unserer Sicht bis heute nicht schlüssig erklärt.“ Besonders bemerkenswert sei, dass nach aktuellem Kenntnisstand aus den geforderten Wertberichtigungen bisher kein einziger echter Kreditausfall eingetreten sei.
Im Informationsschreiben der RSA stehe der Passus „Die persönliche Beratung an den Standorten (…) sowie die vertrauten Ansprechpartner bleiben erhalten.“ Nichts davon stehe aber im tatsächlichen Fusionsvertrag, sondern lediglich: „…bleiben die Geschäftsstellen (…), möglichst mit angemessener personeller Besetzung, erhalten.“ „Was eine angemessene personelle Besetzung ist, darüber entscheidet dann ausschließlich der Vorstand der ,Meine Volksbank Raiffeisenbank‘ Rosenheim.“
Linner und Bauer weiter: „Nach den uns vorliegenden Registerunterlagen sind die übernehmende Bank und der Genossenschaftsverband mit jeweils zweistelligen Millionenbeträgen an derselben Firma beteiligt. Nach unserem Kenntnisstand war dies dem aktuellen RSA-Vorstand Hatzel bereits seit Längerem bekannt. Wir behaupten nicht, dass daraus automatisch ein Fehlverhalten folgt. Aber wer unsere Bank prüft, wer eine Fusion befürwortet und wer zugleich wirtschaftlich in ähnlichen Beteiligungsstrukturen engagiert ist, muss besonders transparent erklären, dass die Interessen der Mitglieder gewahrt bleiben.“
Die Folgen einer Ablehnung blieben zudem unklar, so Linner und Bauer: „Bis heute wird den Mitgliedern aus unserer Sicht nicht konkret gesagt, was bei einer Ablehnung der Fusion tatsächlich passieren würde. Warum wurde ein NPL-Teilverkauf an die BAG Hamm nicht geprüft und bewertet? • Welche Ausstiegsklauseln stehen tatsächlich im BVR-Sanierungsvertrag? Welcher Anteil der bisherigen Wertberichtigungen sind tatsächlich ausgefallen und wieviele konnten inzwischen schon wieder aufgelöst werden? Diese Fragen sind entscheidend. Solange sie nicht klar beantwortet sind, können die Mitglieder die Tragweite ihrer Entscheidung kaum zuverlässig beurteilen.“
„Unabhängige Zweitmeinung wurde abgelehnt“
Prof. Dr. Kaserer, Dekan an der TU München und international anerkannter Wirtschaftswissenschaftler, habe sich bereit erklärt das Sanierungsgutachten unabhängig zu prüfen, so die Initiative. Dieses Angebot einer unabhängigen Zweitmeinung zum Sanierungsgutachten sei vom Vorstand abgelehnt worden — „ohne nachvollziehbare sachliche Begründung“. „Gerade wenn die Fusion angeblich notwendig oder alternativlos sein soll, müsste eine unabhängige Prüfung im Interesse aller Mitglieder liegen. Wer von seiner Einschätzung überzeugt ist, sollte eine Zweitmeinung nicht fürchten. Aussagen zur Belegschaft überzeugen uns nicht“
Bauer und Linner weiter: „Gerade bei Fragen zu Arbeitsplätzen, Versetzungen, Geschäftsstellen und regionaler Präsenz reicht es nicht, einzelne Stimmen hervorzuheben. Die Mitglieder brauchen belastbare und verbindliche Informationen. Eine Genossenschaftsbank gehört ihren Mitgliedern — nicht dem Vorstand, nicht dem Aufsichtsrat und nicht dem Prüfungsverband. Gerade deshalb sollte eine so weitreichende Entscheidung nicht einfach durchgewunken werden.“
Aus der Sicht der Initiative sind zentrale Fragen weiterhin offen:
• Warum weichen die GVB-Prüfungen 2024/2025 so stark von 2023 ab?
• Warum wurde keine unabhängige Zweitmeinung eingeholt?
• Welche Interessenkonflikte bestehen möglicherweise?
• Was passiert konkret bei einer Ablehnung der Fusion?
• Welche Zusagen sind tatsächlich verbindlich im Fusionsvertrag geregelt?
• Warum sollen die Mitglieder jetzt unter Zeitdruck endgültig entscheiden?
Über das Bankhaus RSA und seine Zukunft sollen die Mitglieder am 17. Juni, 18.30 Uhr, entscheiden.
Schaufenster


Na hoffentlich bleibt sie eigenständig! Das geht nicht mit rechten Dingen zu! Bitte nicht einschüchtern lassen!!!