Rotter Firma kämpft gegen geplantes EU-Verbot bestimmter Chemikalien - Minister schaltet sich ein

 

Ein schmucker Bau an der Wasserburger Straße direkt an der Bahnlinie, 10.000 Quadratmeter Betriebsgelände, 20 Mitarbeiter und Hightech vom Feinsten: Die „FluorTex“ GmbH in Rott spielt mit ihrer Produktpalette in Europa in der ersten Liga. Nur drei weitere Firmen forschen und produzieren ähnliche Produkte, darunter eines aus dem Landkreis München. „FluorTex“ ist seit 2018 in Rott ansässig. Die Firma der beiden Geschäftsführer Dipl.Ing.(FH) Detlef Reichl und Sebastian Wechselberger produziert hochwertige Kunststoff-Spezialprodukte wie Dichtungen für die Industrie und Membranen für die Medizin und die Autoindustrie. Als führender Hersteller von Dichtungsplatten, Flachdichtungsbändern und Membranen aus so genanntem Teflon™ (PTFE) setzt die FluorTex GmbH auf höchste Qualität und Innovation. Doch damit könnte bald Schluss sein. Die EU will Materialien verbieten, die für die Rotter Firma lebenswichtig sind. „Wir müssten dicht machen. Und das mögliche Verbot könnte auch unsere heimischen Lebensmittelbetriebe, unsere Molkereien hart treffen.“

Denn: Verboten werden sollen sogenannte per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, kurz PFAS. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat deswegen bei der Europäischen Kommission einen Beschränkungsvorschlag vorgelegt, das sogenannte PFAS-Verbot. PFAS – das ist eine Gruppe von über 10.000 künstlich hergestellten Industriechemikalien. Wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften werden sie oft in Alltagsprodukten eingesetzt. Weil sie sich in der Umwelt praktisch nicht abbauen, werden sie auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. Kurzkettige Chemikalien, so genannte „PFCs“ stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Alle Kunststoffprodukte, darunter auch Teflon™ (PTFE), werden ohne jegliche Differenzierung als „gefährliche PFAS“ eingestuft, obwohl, sie seit Jahrzehnten in der Medizin als Implantate eingesetzt werden und nachweislich ungefährlich sind.

Und genau da sehen die Rotter das Problem: „Man kann doch nicht unsere Produkte und Ausgangsmaterialien, die in der Medizin Leben retten und in der Lebensmittelproduktion für moderne Hygiene-Standards sorgen, mit gefährlichen Materialien wie sie beispielsweise in Löschschaum vorkommen, über einen Kamm scheren. „Unsere Produkte aus PTFE, also Polytetrafluorethylen, können durch nichts ersetzt werden, was es aktuell auf der Welt gibt. Unsere Lebensmittelbetriebe würden auf einen Hygiene-Standard von vor dem Zweiten Weltkrieg zurückfallen.“

Seit der Vorschlag zum Verbot von der BAuA und vier weiteren Mitgliedsstaaten vorgelegt wurde, kämpft Reichl gegen das Verbot und für das Überleben seiner Firma. „Die Produkte, mit denen wir arbeiten, sind nicht giftig. Sie gelangen nicht in die Umwelt. Nebenprodukte, die bei unserem Herstellungsprozess entstehen, werden zu 100 Prozent recycelt. Bei uns gibt es keine Abfälle. Natürlich sind unsere Dichtungen und Membranen langlebig, das müssen sie ja auch sein, damit sie ihren Einsatzzweck erfüllen können.“ Er kämpft deshalb für eine klare Unterscheidung: „Im Verbraucherbereich ist der Verzicht von PFAS möglich, beispielsweise bei Teflonpfannen, bei Skiwachs oder bei Kleidung mit Membranen. Die Industrie aber kann polymere PFAS nicht ersetzen. Alles, was im Operationssaal oder für die Energiewende benötigt wird, wie zum Beispiel Dichtungsringe oder Schläuche – das kann ohne diese Materialien nicht hergestellt werden. Und das gelte auch für die Lebensmittelindustrie.“

Mittlerweile wehren sich etliche Unternehmen und Politiker sowie Verbände der Kunststoff-Industrie gegen das mögliche, undifferenzierte Verbot der Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen. Reichl setzt alle Hebel in Bewegung, reist durch ganz Deutschland und halb Europa, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. Die Zahl seiner Mitstreiter steigt. Und auch die der Politiker, die die Problematik erkennen. „Vergangenes Wochenende war bei uns in Rott Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer zu Gast. Am Rande des Rotter Bierfestes hat unser stellvertretender Landrat Matthias Eggerl aus Rott für einen Gesprächstermin gesorgt. Ich denke, dass wir den Minister von der Dringlichkeit überzeugen konnten. Von der Bundesebene muss das jetzt an die EU herangetragen werden. Sonst gehen in 18 Monaten die Lichter aus“, so Reichl. 18 Monate, das ist der übliche Zeitraum, in dem EU-Verbote in vollem Umfang nach Bestätigung in Kraft treten. Die Rotter hoffen, dass das in ihrem Fall, ausbleibt. Reichl kämpft jedenfalls weiter an allen Fronten.

HC

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