Sparkasse Wasserburg freute sich heute Vormittag über viele Besucher im Agri-Park in Kirchdorf
Unter dem Motto „Oane von Eich“ feiert die Sparkasse Wasserburg heuer ihr 200-jähriges Bestehen. Heute gab es für die Kunden eine ganz besondere Veranstaltung: „Landwirtschaft – der Blick nach vorne“ hieß das Thema im Agri-Park in Kirchdorf bei Haag.
Vorstandsmitglied Andreas Bonholzer (oben, rechts) freute sich, dass so viele der Einladung gefolgt waren. Er betonte die Wichtigkeit der Kunden, „sie machen eine Bank aus“. Den heutigen Vormittag bezeichnete Bohnholzer als interessant und gemütlich zugleich. Als Referenten konnten Christian Bürger vom Bayerischen Bauernverband sowie Dr. Heinz Utschig, ehemals Bayerische Staatsforsten (oben, links), gewonnen werden. Zwischen den Vorträgen gab es ein Weißwurstfrühstück und viel Zeit, um mit den Referenten und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Wilhelm Brandl, Geschäftsführer von Agri Park, begrüßte die Gäste und stellte sein Unternehmen kurz vor. Der Betrieb beschäftigt 21 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von 20 Millionen Euro. Agri-Park konzentriert sich auf Landtechnik und Agrarlogistik, hat mehr als 25 Partnerhändler und ist offizielles Krone-Trainingszentrum.
„Energiewende im ländlichen Raum – Potentiale erkennen und sichern“, so der Titel des Vortrags von Christian Bürger vom Bayerischen Bauernverband. Bürger erläuterte zunächst die Klimaschutzziele und worum es darin gehe. Deutschland strebe bis 2045 eine Klimaneutralität an, was bedeute, dass bis dahin keine fossilen Brennstoffe mehr verwendet werden. Bis zu diesem Zeitpunkt soll sich die Bevölkerung zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien versorgen. „20 Jahre, das ist nicht viel Zeit“, so Bürger. Besonders im Energie-, Verkehrs- und Landwirtschaftsbereich seien dafür große Veränderungen notwendig. Bioenergie spiele dabei weiterhin eine zentrale Rolle.
Ein Schwerpunkt lag auf der Bedeutung von Biomasse und Bioenergie. Trotz politischer Diskussionen bleibe Biomasse unverzichtbar, etwa für Biokraftstoffe, die erhebliche Einsparpotenziale bieten. „Wir müssen weiterhin an der Biomasse festhalten“, erklärte Bürger. Holz verbrennen sei Klimaschutz.
Bürger hob vor allem die Entwicklungen im Bereich Agri-PV hervor. Hier können höhere Erlöse durch Verschiebung der Erzeugungskurve generiert werden – Erzeugungsspitzen in der Früh und am Abend, Erzeugungstiefstand am Mittag. Mit Schnee und Winter gebe es weniger Probleme.
Bei der Perspektive Photovoltaik sei zu beachten, dass die Anlagen in einigen Jahren nur noch mit Speicher betrieben werden sowie die hohen Anforderungen in der Standortsuche. „Nutzungsverträge müssen genau geprüft werden“, so Bürger.
Auch die Windenergie nehme deutlich an Bedeutung zu. Viele Kommunen würden verstärkt Flächen ausweisen, während neue Vergütungsmodelle besonders Süddeutschland zugutekämen. Bürger warnte Grundstückseigentümer vor vorschnellen Verträgen mit Investoren und empfahl eine sorgfältige Prüfung, da aktuell zahlreiche Flächen gesichert würden.
„Das fossile Zeitalter geht zu Ende, ob wir wollen oder nicht“, so Christan Bürger abschließend. „Wir sind auf dem richtigen Weg, ohne Landwirtschaft geht es nicht“. Wenn die Struktur passe, gehe alles – Biomasseheizanlagen, Wärmenetze, Photovoltaik, Windenergieanlagen, eine regionale Kapitalanlage mit sauberen Zinsen sowie gelebte Gemeinschaft. Applaus dafür vom Publikum.
Der Vortrag von Dr. Heinz Utschig handelte von „Ökopunkte – Honorierung der Aufwertung des Naturhaushaltes und des Landschaftsbildes, Risiken und Chancen für Landnutzer“. Utschig definierte zunächst die Ökosystemleistungen. Der Begriff bezeichne die „Nutzenstiftungen“ beziehungsweise „Vorteile“, die Menschen von Ökosystemen beziehen. Intakte und artenreiche Ökosysteme stellen vielfältige Leistungen bereit, die die Basis für Entwicklung und Wohlstand bilden. Maßnahmen im Rahmen der ordnungsgemäßen Land- und Forstwirtschaft sind vom Landbewirtschafter ohne Gegenleistung zu erbringen. Eine weitere Grundanforderung an die ordnungsgemäße Betriebsführung sei die Einhaltung von Gesetzen und Verordnungen.
Treten Defizite in der Leistungserfüllung von Ökosystemen trotz Einhaltung der Kohärenzkriterien auf, versuchen Staat und Gesellschaft auf die Eigentümer oder Bewirtschafter der Ökosysteme einzuwirken, um die Ökosysteme wieder in einen leistungsfähigeren Zustand zu bringen. Dies könne, so Dr. Heinz Utschig, durch Gesetze und Verordnungen geschehen oder durch gezielte Förder- oder Unterstützungsmaßnahmen.
Bei den Mindestanforderungen für das Biotop werden allgemeine und maßnahmenspezifische Mindestanforderungen unterschieden. Die allgemeinen Mindestanforderungen gelten grundsätzlich. Je nach Maßnahmenziel werden weitere Mindestanforderungen konkretisiert, beispielsweise bei extensiver Ackernutzung.
„Ein Ökokonto dient in Deutschland der Flexibilisierung des Vollzugs der Naturschutz- bzw. baurechtlichen Eingriffsregelung“, so Utschig. Heutige Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen werden dokumentiert und können in einen Flächenpool eingetragen werden, das sogenannte Ökokonto. Die Flächen stehen bei späteren Eingriffen in Natur und Landschaft im Rahmen von Kompensationsmaßnahmen zur Verfügung.
Beteiligt sind neben dem Grundeigentümer noch Gutachter, die Untere Naturschutzbehörde, die Untere Forstbehörde, Ökokontobetreiber sowie Nachfrager nach Ökopunkten.
Hierzu stellte Dr. Heinz Utschig die Vor- und Nachteile des Ökokontos vor. Applaus vom Publikum.
Zum Abschluss der Veranstaltung stellten sich Beate Rücker, Sparkassenfachwirtin und Agrarkundenberaterin, sowie Versicherungsfachmann Markus Bergmaier vor. Bei der Sparkasse gehe es nicht nur um Finanzierungen, sondern auch um viele weitere Gebiete wie Online-Banking, was gilt es zu beachten bei Hofübergaben, Vollmachten oder Abgleiche mit dem Steuerberater. Auch sei es wichtig zu wissen, wie es künftig weitergehe in Fragen der Geldanlage oder Altersvorsorge. Beate Rücker freute sich auf viele interessante Gespräche mit den Anwesenden und Kunden und wünschte viel Glück für Haus, Hof und Stall.
Andreas Bonholzer dankte allen für ihr Kommen. Für die Referenten gab es noch Präsente.
TANJA GEIDOBLER
Schaufenster
























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