Ehrenamtliche packen in den Weiher Filzen an - Helfer gesucht

Mit Handschuhen, Sensenschnelligkeit und Ausdauer ging es dem Indischen Springkraut in den Weiher Filzen an den Kragen: In einer gemeinsamen Aktion haben ehrenamtliche Mitglieder der BUND-Naturschutz-Ortsgruppe Wasserburg und der Bunten- Liste Soyen wertvolle Moorflächen von der invasiven Pflanze befreit.

Mit vereinten Kräften, fünf Erwachsene und eine engagierte Nachwuchshelferin, wurde gerissen, gemäht und aufgeräumt. Wie dicht und hoch der Bestand mitten im Moor steht, zeigte sich vor Ort rasch: Die Ehrenamtlichen verschwanden stellenweise förmlich im grünen Pflanzendschungel. Ziel des Tages war es, das Springkraut zu entfernen, bevor es seine Samenkapseln ausbilden und sich weiter unkontrolliert im Schutzgebiet ausbreiten kann.

Besonders wirkungsvoll ist dabei das Ausreißen per Hand,  denn genau hier zeigt sich eine Schwachstelle des Springkrauts: Trotz ihrer beachtlichen Höhe besitzen die Pflanzen mit ihren markanten roten Stängeln nur sehr flache, kleine Wurzeln. Sie lassen sich daher erstaunlich leicht aus dem weichen Moorboden ziehen.

Warum die Bekämpfung im Moor besonders wichtig ist
Das Indische Springkraut (Impatiens glandulifera) breitet sich an vielen Bächen, Flüssen und Waldrändern aus. Doch der Einsatz im Hochmoor ist für die Artenvielfalt noch um ein Vielfaches kritischer:

Während an normalen Gewässerufern meist weit verbreitete Pflanzen verdrängt werden, trifft das Springkraut im feuchten, nährstoffarmen Milieu des Moors einen extrem sensiblen Lebensraum. Hier überleben hochspezialisierte Überlebenskünstler, die woanders keine Chance haben:

  • Verdrängung seltener Pflanzen: Das dichte Blätterdach des bis zu zweieinhalb Meter hohen Springkrauts nimmt lichtbedürftigen Moorpflanzen wie dem Sonnentau oder der Moosbeere buchstäblich die Lebensgrundlage.
  • Verlust von Lebensraum für seltene Tiere: Mit den heimischen Pflanzen verschwinden auch die darauf angewiesenen Tierarten. In den Weiher Filzen betrifft das seltene Arten wie den Springfrosch, die Quelljungfer (eine Großlibelle), die Sumpfschrecke oder den geschützten Hochmoor-Perlmuttfalter.
  • Bedrohung für Torfmoose: Besonders dramatisch ist das Überwuchern von Torfmoosen. Sie bilden als Wasserspeicher das Fundament des Moors. Sterben sie unter dem Schatten des Springkrauts ab, verliert das Moor seine Funktion und trocknet aus.

Intakte Moorgebiete wie die Weiher Filzen erfüllen somit eine doppelte Schutzfunktion: Sie bewahren seltene Eiszeit-Relikte der Tier- und Pflanzenwelt und sichern als natürliche Wasser- und CO²speicher unser lokales Klima.

Dass Moorschutz dabei auch eine Sache für die ganze Familie ist, bewies der jüngste Teilnehmer der Aktion. Während die Erwachsenen mähten und sammelten, untersuchte die Nachwuchs-Naturschützerin neugierig die hohlen Stängel und die Struktur der Pflanzen – und lernte so ganz nebenbei die Natur vor der eigenen Haustür kennen.

Weitere Termine im Juli und August
Da das Springkraut selbst nach dem Mähen aus den Stängelresten leider wieder austreibt, reicht ein einziger Durchgang selten aus. Zudem ist die betroffene Fläche sehr groß, weshalb beim ersten Einsatz noch nicht alles geschafft werden konnte.

Deshalb sind zwei weitere Aktionen geplant, für die noch helfende Hände aus Soyen und der Umgebung gesucht werden, am Mittwoch, 29. Juli, ab 14 Uhr und am Montag, 3. August, ab 15 Uhr.

Nach dem Arbeitseinsatz stehen für alle Beteiligten kühle Getränke und eine Brotzeit bereit. Neben dem praktischen Beitrag zum Naturschutz bietet das gemeinsame Ausklingen die Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen und neue Kontakte im Ort zu knüpfen.

Jede helfende Hand ist willkommen – auch eine stundenweise Unterstützung hilft bereits weiter. Wer mit anpacken möchte, kann sich einfach vorab per E-Mail an heiko.braeuer@posteo.de anmelden (damit auch genug Brotzeit bereitsteht). Der genaue Treffpunkt wird bei der Anmeldung mitgeteilt.

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