Pestel-Institut: Wohnungsmarkt im Raum Rosenheim ist nicht fit fürs Alter
Längst nicht alle Wohnungen sind fit fürs Alter: Von den knapp 129.900 Wohnungen im Landkreis Rosenheim sind nur rund 9.300 so gebaut, dass ältere Menschen darin ideal klarkommen. Gerade dann, wenn sie auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind. „Damit bieten nur rund sieben Prozent aller Wohnungen im Landkreis Rosenheim den Standard, der nötig ist, um mit körperlichen Einschränkungen oder auch als Pflegefall darin alt zu werden“, sagt Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts. Dessen Wissenschaftler haben im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) eine regionale Wohnungsmarkt-Analyse gemacht.
Im Fokus der Untersuchung: die „Alterstauglichkeit“ der Wohnungen. „Gerade die ist auch für den Landkreis Rosenheim wichtig: Immerhin gehen hier in den nächsten zehn Jahren rund 42.400 Menschen in Rente – die Baby-Boomer nämlich“, sagt Katharina Metzger vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel. Ziel müsse es deshalb sein, möglichst schnell für mehr Seniorenwohnungen im Landkreis Rosenheim zu sorgen. „Denn die werden früher oder später gebraucht. Und auf Dauer ist jede altersgerechte Sanierung günstiger als ein Umzug ins Heim“, so BDB-Präsidentin Metzger.
Schon rein volkswirtschaftlich müsse der Staat also ein Interesse daran haben, mehr Seniorenwohnungen zu schaffen. „Vor allem aber geht es um den Wunsch der Menschen selbst: Die meisten wollen in den eigenen vier Wänden alt werden und, solange es geht, zu Hause bleiben“, sagt Katharina Metzger.
Das funktioniert aber nur, so das Pestel-Institut, wenn gerade Altbauwohnungen fürs Wohnen im Alter umgebaut werden: „Wichtig sind wenig Barrieren – also möglichst keine Schwellen, Stufen oder ganze Treppen. Aber auch breite Türen und viel Platz, um sich mit einem Rollator oder Rollstuhl frei bewegen zu können. Vor allem im Bad und in der Küche ist das wichtig. Genau die sind aber oft zu klein gebaut.“
Doch das Problem fängt häufig schon ganz vorne an – beim Eingang: „26 Prozent aller Hausflure im Landkreis Rosenheim sind nicht breit genug, um mit dem Rollstuhl wirklich gut durchzukommen. Das betrifft immerhin rund 35.700 Wohnungen“, sagt Matthias Günther. Oft seien sogar schon die Haustüren zu schmal.
Entscheidend wird es, so das Pestel-Institut, dann aber in den Wohnungen – vor allem in der Küche und im Bad: „Immerhin haben zwar 71 Prozent der Wohnungen im Landkreis Rosenheim eine Küche, die groß genug ist. Das bedeutet umgekehrt aber auch: In rund 37.200 Küchen können Menschen mit einem Rollstuhl nicht wenden“, so Matthias Günther. Bei den Bädern im Landkreis Rosenheim seien 54.400 und damit 42 Prozent zu klein.
Der wichtigste Punkt beim Badezimmer sei allerdings nicht unbedingt dessen Größe, sondern eine begehbare, also bodengleiche Dusche: „Die gibt es aktuell nur in rund 34.100 Wohnungen im Landkreis Rosenheim“, so der Wissenschaftler. Damit erfüllten lediglich 26 Prozent der Wohnungen „das A-und-O-Kriterium, um in der eigenen Wohnung alt werden zu können“, so Matthias Günther.
Der Chef-Ökonom des Pestel-Instituts rät, beim altersgerechten Umbau von Wohnungen „unbedingt das Bad anzupacken“. Probleme könne es allerdings bei älteren Gebäuden geben: „Gerade bei Wohnhäusern aus den 50er-Jahren ist oft die Decke zu dünn, um eine bodengleiche Dusche einzubauen“, sagt Günther.
Grundsätzlich habe der Landkreis Rosenheim einen „enormen Nachholbedarf, um den Wohnungsbestand fit fürs Alter zu machen“, so der Leiter des Pestel-Instituts. Genau hier sieht auch die Präsidentin des Deutschen Baustoff-Fachhandels ein Problem: „In den nächsten zehn Jahren gehen die Baby-Boomer komplett in Rente. Der Bedarf an Senioren-Wohnungen, den der Landkreis Rosenheim in den kommenden Jahrzehnten damit haben wird, ist also enorm. Neubau kann da zwar helfen. Aber die Lösung liegt ganz klar im seniorengerechten Umbau der Wohnungen, in denen die Boomer heute wohnen“, sagt Katharina Metzger.
Der altersgerechte Umbau sei jahrzehntelang zu kurz gekommen. Daher sei jetzt eine „Senioren-Umbau-Offensive“ dringend notwendig. „Das bedeutet: volle Kraft für den barrierearmen Umbau von Wohnungen. Die Mieter, Wohnungs- und Hauseigentümer im Landkreis Rosenheim brauchen dafür allerdings Rückenwind aus Berlin: ‚Boomer-Zuschüsse‘, mit denen sich aus Standard-Wohnungen mit Stufen und Stolperschwellen an der Dusche endlich barrierearme Wohnungen machen lassen“, so Katharina Metzger.
Die Wissenschaftler vom Pestel-Institut fordern dazu, der Bund müsse einen Großteil der Umbaukosten übernehmen – und zwar als Zuschuss. „Denn wer kurz vor der Rente seine Wohnung altersgerecht umbauen will, der scheut sich, dafür noch einen Kredit aufzunehmen. Und die heute gängige staatliche Unterstützung von 10 Prozent beim Bad-Umbau ist nichts anderes als ein ‚Placebo-Zuschuss‘. Der reicht auf keinen Fall, um eine effektive Umbauwelle fürs Seniorenwohnen in Deutschland loszutreten“, sagt Institutsleiter Matthias Günther.
Auch der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel erteilt dem „bestehenden Mix aus Fördertöpfen“ für den altersgerechten Umbau eine klare Absage: „Die staatliche Förderbank KfW, die Krankenkassen, die Pflegeversicherung – durch das Förder-Dickicht muss man sich erst einmal durchkämpfen. Der Sanierungsschub, der dringend notwendig ist, kommt so jedenfalls nicht zustande“, kritisiert Verbandspräsidentin Metzger. Der Bund müsse das altersgerechte Umbauen endlich zum Schwerpunkt seiner Wohnungsbaupolitik machen und dafür einen „milliardenschweren Zuschuss“ bereitstellen.
Schaufenster


Da platzt mir doch bald die Hutschnur. Als junger Mensch fühlt man sich in diesem Land bald nur noch verarscht.
Als alter Mensch, Jahrgang 1958, kann ich den Unmut gut nachvollziehen. Bei meinen Auslandsreisen frage ich mich immer, wieso der „Rest“ der Welt diese „Probleme“ nicht zu haben scheint?!? Einmal ganz abgesehen davon, dass die Generation der Älteren dort wesentlich fitter und vor allem zufriedener erscheint als hierzulande.
Ja, Nachbar’s Garten ist immer grüner. Das scheint Lebensphilosophie von fast allen deutschen zu sein.
Ach die andren haben es viel besser jammer jammer und fährt zum zweiten Mal mit seinem Familienbus in den Urlaub. Mal schnell übers verlängerte Wochenende, weil Feiertag und 35h Woche es zulassen.
Mit bald 68 Lebensjahren bin ich vom Familienbus und der 35-Std. Woche, sowie Brückentagen zur Nutzung von Kurztrips in benachbarte Länder, ziehmlich weit entfernt. Stichwort: Rente! 25 Jahre internationaler Fernverkehr mit dem Schwerpunkt Südeuropa, haben mich allerdings zu der gesicherten Erkenntnis kommen lassen, dass es in Sachen Lebensqualität andernorts doch deutlich grüner ist, als hierzulande. Bei wirtschaftlich schlechteren Voraussetzungen. Und zum Thema „Lebensphilosophie“ fällt mir in Deutschland nur ein Wort ein. Arbeit! Die hat zwar lange Zeit den „Wohlstand“ gesichert, allerdings auch zu der fatalen Fehleinschätzung geführt, dass dieser gleichbedeutend mit oben angesprochener Lebensqualität sei. Werde meinen italienischen Rentnerkollegen beim nächsten Sizilienbesuch von ihrer Wortmeldung berichten. Die werden lachen!😜
Dann wirds peinlich, da du mich ja nicht verstanden hast. Ich hab was gegen euer gejammer, nicht gegen 35h mit Zweitbus.