Am Sonntag zum 130-jährigen Jubiläum des Imkervereins Obing-Pittenhart
Was wäre die Natur ohne Bienen, was wären die Menschen ohne die Imker? Jedes Jahr am ersten Juli-Wochenende wird deutschlandweit der „Tag der Imkerei“ gefeiert. Bundesweit öffnen viele Imkerverbände- und vereine ihre Tore, um einem breiten Publikum die Arbeit mit den Bienen und die Bedeutung dieser für die Natur vorzustellen. So auch am kommenden Sonntag, 5. Juli, am Hilgerhof in Niederbrunn. Der Imkerverein Obing-Pittenhart feiert zudem dort sein 130-jähriges Jubiläum.
Zum Auftakt des Festtages findet um 10.30 Uhr ein gemeinsamer Gottesdienst im Garten des Hilgerhofes statt. Mit einem anschließenden Weißwurst-Frühschoppen und beschwingten Klängen von der „Musikinitiative Pittenhart“ geht der „Tag der Imkerei“ in den gemütlichen und geselligen Teil über.
Große und kleine Besucher erwartet ein buntes Familien Programm rund um die faszinierende Welt der Bienen. An einem Glücksrad gibt’s außerdem tolle Gewinne.
Die Imker bieten spannende Einblicke in ihre Arbeit. Vom Honigschleudern bis zum Kerzengießen und -bemalen, kann – wer möchte – mitmachen und sein kreatives Talent zeigen. Beim Wabenpressen wird anschaulich vermittelt, wie aus Bienenwachs wieder neue Waben entstehen.
Ein besonderes Highlight ist ein begehbare Bienenkorb – hier kann man durch eine Glasscheibe geschützt das Treiben eines Bienenvolkes verfolgen. Am Bienen-Schaukasten kann sich jeder, ganz gefahrlos, einen Einblick über den Aufbau eines Bienenstockes verschaffen und sehen wie ein Bienenvolk funktioniert.
Blick auf 130 Jahre Engagement
Ein Blick in die Chronik des Vereins zeigt, dass am 16. Juni 1896, unter der Federführung des Benefizianten Franz Höß, der übrigens wenige Jahre zuvor schon Gründer des Raiffeisenvereins war, zwei Geistliche, drei Lehrer, ein Polizist, ein Postbote, ein Tierarzt, ein Zimmerermeister, ein Müller zwei Gastwirte, ein Bauer und der Sohn vom Seeoner Mesner sich zusammen gefunden haben um den Bezirks-Bienenzucht- und Obstbauverein Obing ins Leben zu rufen.
Gründungsname und Einzugsgebiet der Mitglieder aus den Gemeinden Obing, Pittenhart Albertaich und Seeon lassen annehmen, dass man mehr vorhatte, als nur einen Ortsverein zu gründen. Als vier Jahre später Franz Höß stirbt, tritt Lehrer Kirchmeier, was aus einer Unterschrift unter eine Urkunde zu schließen ist, an seine Stelle.
Wie vorgesehen entstehen anschließend weitere Vereine. 1901 der „Bienenzucht- und Obstbauverein Seeon“, im gleichen Jahr der „Obst- und Bienenzuchtverein Frabertsham“, 1902 der „Obstbau & Bienenzuchtverein Trostberg und 1904 der „Obstbauverein Kienberg“.
Anzunehmen ist, dass auf Betreiben von Landrat Stauderer eine Umstrukturierung geschieht. Die fünf Vereine schließen sich zum „Bezirks-Obstbau- und Bienenzuchtverband“ zusammen. Vorstand wird der Frabertshamer Gutbesitzer Max Leinfelder, Kassier Michael Schmid, der Obinger Vorstand. Trostberg wird Sitz des Verbandes.
Im „Bienenzucht- und Obstbauverein Obing“ von da an nur einer der Ortsvereine, bleiben nur mehr 34 von den damaligen 177 Vereinsmitgliedern. Auffallend ist jedoch, dass zu den Veranstaltungen westlich der Alz nach wie vor der Obinger Verein einlädt, nicht der Bezirksverband.
Ab 1934 werden auf Anordnung der Nationalsozialisten die Vereine gleichgeschaltet und der Verein heißt fortan „offizielle Reichsfachgruppe Imker e.V. – Ortsfachgruppe Obing“. Obst- und Gartenbau, bisher eng liierte Ziele, sind damit zwei eigenen Bereiche. Vorstand Michael Schmid wird im Amt belassen. Nachdem er am 22. Mai 1939 tödlich verunglückte, tritt sein Schwager Josef Kirchner an seine Stelle. Kirchner wird 1944 zur Wehrmacht eingezogen und das Amt des „Imkerführers“ übernimmt vorübergehend Engelbert Mang. Nur wer im Verein organisiert ist, erhält Zucker für die Winterfütterung der Bienen steuerfrei. Durch diese Festlegung steigt die Zahl der Mitglieder im Obinger Verein auf 95.
Bis 1949 ruht die Vereinstätigkeit. Erst mit alliierter Genehmigung darf der Bienenzuchtverein Obing seine Tätigkeit wieder aufnehmen. 1966 legt Josef Kirchner nach 27 Jahren Vorstandschaft ein Amt nieder und neuer Vorstand wird Mathias Obermaier, auch Berndl genannt. Die Pittenharter Imker hatten Schwierigkeiten, einen neuen Vorstand zu finden und entschlossen sich daher, dem Obinger Verein beizutreten. Beide Vereine leben schon viele Jahre in bester Harmonie zusammen. Nach Berndls plötzlichem Tod wird 1984 mit Sepp Reithmeier ein Pittenharter zum Vorstand gewählt. Im März 2007 hat der Verein beschlossen, sich offiziell als gemeindeübergreifende Körperschaft zu zeigen und nennt sich seither „Bienenzuchtverein Obing-Pittenhart“
1996 wurde das 100-jährige Gründungsfest groß gefeiert. Im Pfarrheim Obing gab es eine Ausstellung zum Thema „Imkerei früher und heute“. Am Festgottesdienst in der Obinger Pfarrkirche beteiligten sich alle Ortsvereine mit ihren Fahnenabordnungen. Die Nachbarvereine aus St. Georgen, Eggstätt, Kienberg und Trostberg waren anwesend. Für seine eindrucksvolle Predigt bekam Pfarrer Valentin Tremmel vom Bienenzuchtvereine einen Zentner Honig für Belange in der Pfarrgemeinde gestiftet. Der Geistliche predigte von der Verantwortung für die Schöpfung, ging auf das Lob der Biene im Osterlaudes ein und wies auf den Fleiß der Bienen hin, so ist im entsprechenden Zeitungsartikel in der Chronik des Vereins zu lesen.
Wie, dass im Rahmen der Jubiläumsfeier auch eine ganze Reihe von Mitgliedern geehrt wurde. An der Spitze Thomas Weidinger, der das Ehrenzeichen in Bronze für seine 30-jährige Tätigkeit als Kassier und für seine besonderen imkerischen Leistungen, überreicht bekam. Im Pressebericht von Gertraud Neumüller ist festgehalten, dass in der Jahreshauptversammlung im März 2016 zu dem Spatenstich für den Neubau des Lehr- und Schaubienenstandes am Hilgerhof am 14.10.2016 eingeladen wird. Bei den Neuwahlen bei der Jahreshauptversammlung im Februar 2018 wird Roman Größ zum zweiten Vorstand gewählt, da Simon Voit dieses Amt abgelegt hat. Sepp Reithmeier wird in seinem Amt bestätigt.
Erwähnt wird im Protokoll auch, dass die Bodenplatte für den Lehr- und Schaubienenstand (Foto) bereits betoniert ist und demnächst der Stand aufgestellt werden soll. Am 23. März 2018 wurde dann Richtfest gefeiert, wie ein Foto in der Chronik zeigt und am 29.06.2019 wird der neue Lehr- und Schaubienenstand, ein von „Leader-Region Chiemgauer Seenplatte“ gefördertes Projekt feierlich eingeweiht. Pfarrer David Mehlich spendete dem Gebäude, wie auch der Statue des Heiligen Ambrosius, dem Patron der Imker, den kirchlichen Segen.
Mit der Errichtung des Lehr- und Schaubienenstandes am Hilgerhof, was in den Händen des Vorstandes des Imkervereins und von LEADER Plus, Sepp Reithmeier gewachsen ist und seine Vollendung fand, wurde Niederbrunn zum Standort des Bienenzuchtvereins Obing-Pittenhart.
„Wir möchten zeigen, wie nah Mensch mit der Natur leben können und müssen und dass wir alle etwas tun können für die Artenvielfalt in unserer Umgebung“, so umriss der damalige Pittenharter Bürgermeister Sepp Reithmeier (Foto), Vorsitzender des Kulturvereins Hilgerhof und des Imkervereins, bei der Einweihungsfeier die Ziele der Initiatoren und Förderer des Umweltangebotes „Bienen und Natur am Hilgerhof“. Blumen, Streuobstbäume, Sträucher und Kräuter, überall summt und brummts. Der Lehr- und Schaubienenstand bietet Kindern, Jugendlichen, wie auch den Erwachsenen viele Möglichkeiten sich über die Biene und deren Lebensweise zu informieren.
Fortan wird der alljährliche Imkertag, Anfang Juli, am Hilgerhof gefeiert. Mit vielen Schautafeln, Bildern und vor allem mit dem Schaubienenkasten wird immer ein buntes Programm geboten, bei dem auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt.
EKH
Schaufenster




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