Münchner Hofspielhaus präsentiert seine Komödie „Giesing Mountain“ bei den Theatertagen

Parallel stirbt der Hund „Winnie“ und sein Frauchen (Michaela May) hat zwei Musiker gebeten, ein Trauerlied für Winnie zu singen. Das gewünschte Hundelied haben die beiden aber leider nicht im Repertoire und so singen sie ein Pferdesattellied. Der Zusammenhang zum Hund bleibt allen letztlich verborgen, beim Honorar für dieses eine Lied sind sich bei beiden Musikanten aber in ihrer an Wucher erinnernden Forderung einig.
Was sind wir Menschen? Diese Frage lässt Stefan Kastner in dieser Komödie stellen und auch gleich beantworten: „Ein Wohnhaus abgebrannter Kerzen!“
Und so zieht sich die mitunter beißende satirische Komödie durch den Abend. Unter dem Sportplatz des FC Giesing soll sich die Einfahrt des großen Hafens von Alexandria befinden, vom Leuchtturm ist aber nicht die Rede. Aber, dass die Obergiesinger Bergziegen letztlich verantwortlich sind für den Abstieg des TSV 1860 München aus der Fußball-Bundesliga, das bleibt nicht unerwähnt, denn, so die Erkenntnis, Braunbären und Bergziegen hätten sich nie für Fußball interessiert.
Dass auch Admiral Nelson von der Giesinger Höhe den Anwohnern zuwinke, hilft, den Kreis der Satire zu schließen, denn so hört man es an diesem Abend, „alle antiken Herrscher stehen auf der Giesinger Bergstraße“.
Isabel Kott als Ella versucht ein wenig Ordnung in das satirische Chaos zu bringen, doch auch sie scheitert. Der ehemalige Präsident des FC Giesing führt mit seinen Prepper-Ängsten alle Bemühungen des Findens eines stabilen Rahmens ad absurdum. Wenn der Giesinger Berg sich in die Isar ergießt, welche Mieten wird es dann in München geben?

Moni vermittelt Benni den Glauben, als interessierte sie sich für ihn, was ihn eher ratlos als verliebt zurücklässt und zum Schluss wird „Jerusalem“ gesungen. Ist dies das Ziel aller Bemühungen, zum Glauben zurückzufinden?
Der ehemalige Präsident des FC Giesing beansprucht, dass nach dem Abrutschen des Giesinger Bergs die freigelegte Hafeneinfahrt von Alexandria selbstverständlich Eigentum des FC Giesing sei.
Stefan Kastner ist eine Mischung aus theatraler Produktion und filmischer Präsentation geglückt. Immer wieder schaltet das Spiel um zwischen gezeigtem Film und persönlich gespieltem Theater.
„Giesing Mountain“ ist Satire auf sehr hohem Niveau, man lacht viel, mancher Zuschauer konnte auch über sich selbst lachen oder zumindest schmunzeln.
PETER RINK







Fotos: Christian Flamm
Schaufenster


Hinterlassen Sie einen Kommentar