Projekt „Zukunft Ehrenamt“ im Landkreis Traunstein
„Die Vereinsführung der Zukunft braucht mehr Teamarbeit“ – diese zentrale Botschaft stellte Projektberaterin Karola Kellner bei der Projektwerkstatt „Gemeinsam mehr erreichen – wir stärken Ehrenamt“ in den Mittelpunkt. Die Veranstaltung zum Thema „Hilfe – Vorstandsnachfolge gesucht“ wurde von der Freiwilligenagentur des Landkreises Traunstein organisiert.
Kellner nahm dabei Bezug auf die Ergebnisse der Umfrage „Zukunft Ehrenamt“. Diese hatte gezeigt, dass ein Großteil der Funktionsträger länger als zehn Jahre im Amt ist und mehr als 15 Stunden im Monat investiert. Zugleich hatten Befragte, die grundsätzlich an einem Engagement interessiert sind, zurückgemeldet, dass sie mangels verfügbarer Zeit keine Führungsaufgabe übernehmen könnten. Genau hier gelte es anzusetzen, so der Appell an die Teilnehmer, die neue Impulse für anstehende Wechsel in den Führungspositionen ihrer Vereine suchten.
Im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes Traunstein kamen rund 40 Ehrenamtliche aus den Bereichen Kultur, Sport, Umwelt, Feuerwehr, Rotes Kreuz sowie aus Helferkreisen und Nachbarschaftshilfen zusammen. Karola Kellner stellte gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Entwicklungen – sogenannte Megatrends – vor, die das Freizeitverhalten beeinflussen. Veränderungen an bestehenden Vereinsstrukturen seien dabei keine Kritik an der Arbeit der Vergangenheit, sondern eine logische Konsequenz, um Vereine zukunftsfähig aufzustellen. Entscheidend sei vor allem die Frage, ob Führung als Team verstanden werde oder weiterhin von Einzelkämpfern getragen werde.
In ihrem Fachvortrag betonte Kellner, dass sich Vereine zunächst mit einer Analyse ihrer bisherigen Aufgaben auseinandersetzen müssten. Dazu gehörten Pflichttätigkeiten zum Erhalt des Vereins, etwa Buchhaltung oder Öffentlichkeitsarbeit, Aufgaben zur Umsetzung des Vereinszwecks, beispielsweise der Sportbetrieb, sowie besondere Projekte wie Jubiläumsveranstaltungen. Anschließend sollten alle Tätigkeiten im Einzelnen erfasst werden, etwa jene, die zur Mitgliederverwaltung gehören: die Führung der Mitgliederdatei, ein Willkommensbeauftragter für neue Mitglieder oder ein Glückwunschbeauftragter für runde Geburtstage und Hochzeiten. So könnten die Mitgliederverwaltung und ihre vielfältigen Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt werden. Die Arbeit im Vorstand werde damit stärker im Team möglich: Einzelne Personen könnten für Organisation, Finanzen, Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit oder Jugend zuständig sein und dabei von Referenten für weitere Aufgaben unterstützt werden. „Je überschaubarer die Tätigkeit, desto leichter findet man jemanden für diese Aufgabe“, so Kellner.
Wenn klar sei, welche Anforderungen mit einer bestimmten Tätigkeit verbunden seien, könne gezielt nach geeigneten Personen gesucht werden. Dabei könne es auch sinnvoll sein, den Blick zu erweitern und Menschen einzubeziehen, die bislang noch nicht Mitglied im Verein sind. Werden Aufgaben portioniert und entsprechend organisiert, werde auch der Aufwand für den Vereinsvorstand überschaubarer. Das Rezept von Karola Kellner lautete: Nicht zuerst in Personen denken – also nicht mit der Frage beginnen, wer eine Aufgabe übernehmen könnte –, sondern zunächst die Aufgaben des Vereins betrachten. Diese sollten zu Ressorts zusammengefasst und anschließend in einzelne Tätigkeiten heruntergebrochen werden. Erst danach lasse sich erkennen, ob und welche Qualifikation dafür notwendig sei und wer für die jeweilige Aufgabe infrage komme. In bunt gemischten Arbeitsgruppen erfassten die Teilnehmer anschließend für ihren jeweiligen Verein die bestehenden Aufgaben und Tätigkeiten. Zudem erarbeiteten sie Lösungsansätze, um Mitarbeiter für die Vereinsführung zu gewinnen.
Am 8. Oktober findet die nächste Projektwerkstatt statt. Dabei werden weitere wichtige Themen aus der Umfrage „Zukunft Ehrenamt“ behandelt. Die Teilnahme ist offen. Ehrenamtliche, insbesondere jene mit Führungs- und Leitungspositionen, sind herzlich eingeladen, sich mit ihren positiven Erfahrungen an der Erarbeitung von Praxistipps zu beteiligen. Ziel ist ein nachhaltiger Prozess, der das Ehrenamt langfristig stärkt. Ende 2026 wird die Expertenrunde ein erstes Fazit ziehen. Anschließend sind weitere Maßnahmen und Aktionen vorgesehen. Im Mittelpunkt sollen dabei immer die positiven Seiten des Ehrenamts stehen: Gemeinschaft erleben, Sinn stiften und Verantwortung übernehmen – für die Menschen und für die Heimat im Landkreis Traunstein.
Die Freiwilligenagentur ist seit 15 Jahren die zentrale Anlaufstelle für bürgerschaftliches Engagement im Landkreis Traunstein. Seit 2012 wurden über 200 Weiterbildungen und Informationsveranstaltungen organisiert, an denen mehr als 3.000 Ehrenamtliche teilgenommen haben.
Über die Freiwilligenagentur können zudem die Bayerische Ehrenamtskarte – ab fünf Stunden wöchentlichem Engagement oder langjähriger Freiwilligentätigkeit – sowie vielfältige Informations- und Beratungsangebote genutzt werden.
Alle aktuellen Termine und Angebote sind im Veranstaltungskalender des Landratsamts zu finden. Über freiwilligenagentur.traunstein.com steht außerdem eine Ehrenamtsbörse mit Einsatzmöglichkeiten bei Vereinen und Einrichtungen zur Verfügung.
Foto: Florian Seestaller
Schaufenster


Hinterlassen Sie einen Kommentar