Stadt und Landkreis Rosenheim werden Vorbild für Inklusion in Bayern
Wenn ein Kind besondere Unterstützung benötigt, sind oft viele Stellen beteiligt: Schule, Eltern, Jugendamt, Beratungsstellen oder Förderzentrum. Was andernorts häufig mit vielen Einzelgesprächen und langen Abstimmungswegen verbunden ist, geht in Stadt und Landkreis Rosenheim meist Hand in Hand. Genau diese Zusammenarbeit hat das Bayerische Kultusministerium jetzt ausgezeichnet: Stadt und Landkreis Rosenheim werden zum Schuljahr 2026/2027 offiziell „Inklusive Region“.
Mit dem Prädikat würdigt der Freistaat Regionen, in denen Schulen, Jugendhilfe, Kommunen und weitere Partner besonders eng zusammenarbeiten, um Kindern und Jugendlichen mit und ohne Beeinträchtigung bestmögliche Bildungs- und Entwicklungschancen zu eröffnen.
„Die Auszeichnung macht sichtbar, was in unserer Region seit vielen Jahren gelebt wird: Inklusion gelingt dann, wenn alle Beteiligten gemeinsam Verantwortung übernehmen und die Bedürfnisse aller Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt stellen“, sagt Landrat Otto Lederer. „Sie ist das Ergebnis des Engagements vieler Menschen, die sich Tag für Tag für Teilhabe und Chancengerechtigkeit einsetzen.“
Auch Oberbürgermeister Abuzar Erdogan sieht in der Ernennung einen wichtigen Meilenstein: „Rosenheim steht für Vielfalt, Offenheit und Zusammenhalt. Mit unserer Beteiligung am Projekt ‚Inklusive Region‘ setzen wir ein klares Zeichen für mehr Teilhabe und Chancengerechtigkeit. Unser gemeinsames Ziel ist es, die inklusiven schulischen Bildungsangebote in Rosenheim weiter zu stärken. Dafür werden wir bereichsübergreifend eng zusammenarbeiten, die Kompetenzen aller Partnerinnen und Partner bündeln und die inklusive Schullandschaft in unserer Stadt aktiv und zukunftsorientiert mitgestalten.“
Das Kultusministerium hob bei der Entscheidung insbesondere die außergewöhnlich enge Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis, Schulen, Jugendhilfe und weiteren Partnern hervor. Ebenso wurden die gewachsenen Strukturen, das breit aufgestellte Beratungsnetzwerk und die Vielzahl bedarfsorientierter Angebote gewürdigt.
Auszeichnung würdigt gelebte Zusammenarbeit für Kinder, Jugendliche und Familien
„‘Ich darf sein, der ich bin, und werden, der ich sein kann.‘ Dieses Leitmotiv prägt unsere Vision einer kindgerechten Schule für alle Kinder und Jugendlichen.“, so Schulamtsdirektorin Susanne Danzl, die den Weg zur Inklusiven Region gemeinsam mit der Steuergruppe Inklusion seit vier Jahren initiiert hat.
Auch Kinder und Jugendliche mit individuellen Bedürfnissen sollen durch inklusiven Unterricht, multiprofessionelle Teams, ein inklusives Schulkonzept sowie externe Unterstützungssysteme bestmöglich begleitet werden.
Dafür wurde ein starkes Netzwerk geschaffen, das Schulen, Fachkräfte, Familien und außerschulische Partnerinnen und Partner verbindet und Teilhabe für alle Schülerinnen und Schüler ermöglicht.
Aufgrund der Größe der Region sind dezentrale Angebote für das Netzwerk von großer Bedeutung. Deshalb wurden in den vergangenen Jahren in Stadt und Landkreis fünf Beratungszentren eingerichtet. Diese stärken die Schulpsychologie und die Schulberatung in ihrer Zuständigkeit für die Grund- und Mittelschulen in Stadt und Landkreis Rosenheim und ergänzen die Standorte durch die Anbindung der Förderzentren und Beratungs- und Förderangebote.
Mit der Auszeichnung ist die Arbeit noch lange nicht abgeschlossen. Stadt und Landkreis wollen die bestehende Zusammenarbeit weiter vertiefen, die inklusive Bildungslandschaft konsequent weiterentwickeln und weiterhin mutig auch auf neuen Wegen vorangehen. Ziel bleibt, allen Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen die bestmöglichen Bildungs- und Teilhabechancen zu eröffnen.
Hintergrund
Die Initiative „Inklusive Regionen“ wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales ins Leben gerufen. Sie fördert die enge Vernetzung schulischer und außerschulischer Partner, um individuelle Bildungs- und Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf zu stärken. Mit Stadt und Landkreis Rosenheim wächst das bayernweite Netzwerk der Inklusiven Regionen um einen weiteren starken Partner.
Foto: Landratsamt Rosenheim
Schaufenster


…schöne Theorie und ein super „Aufmacher“ für Stadt und Landkreis Rosenheim, leider schaut die Realität ganz anders aus…
Puh, ein schwieriges Thema. Einerseits ist es aus menschlicher Sicht wichtig, niemanden auszuschließen und möglichst alle einzubeziehen.
Andererseits kann ich mir schwer vorstellen, wie das im Schulalltag in jedem Fall gut funktionieren soll. Es besteht die Herausforderung, dass sich der Unterricht oft am Leistungsniveau orientieren muss. Wird dieses zu hoch angesetzt, könnten einzelne Kinder schnell den Anschluss verlieren – das würde der Teilhabe ebenfalls widersprechen.
Unterschiedliche Leistungsniveaus parallel zu berücksichtigen (z. B. durch differenzierten Unterricht) bedeutet einen deutlich höheren organisatorischen und pädagogischen Aufwand. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie viel tatsächliche Inklusion erreicht wird, wenn der Unterricht zwar im gleichen Raum stattfindet, aber stark auseinandergeht.
Vielleicht – ich bin mir selbst unsicher – könnte ein Mittelweg sinnvoll sein: alle unter einem Dach, aber mit gezielten Lernangeboten für Kinder mit besonderem Förderbedarf und gemeinsamen Unterrichtsphasen in geeigneten Fächern, um das Miteinander zu stärken.
Das wäre ein wünschenswerter Ansatz, würde allerdings hohe Kosten verursachen, die niemand bereit ist zu bezahlen…