Standort-Wahl für Lidl und Rossmann einschließlich Ärztehaus gestern Abend entschieden
Äußerst selten gibt es Gemeinderats-Sitzungen, bei denen wirklich jeder der anwesenden Räte mit bemüht stets neuen Argumenten, Gedanken mitdiskutiert – sein Amt als Vertreter der Bürger beispielhaft auszufüllen versucht. So geschehen gestern Abend in Rott, als es um die Standort-Wahl für die beiden Discounter Lidl und Rossmann einschließlich Ärztehaus ging. Wie berichtet – siehe Plan anbei – geplant im Ortsteil Meiling an der Haager Straße. Und alle – einschließlich Bürgermeister Daniel Wendrock – fühlten sich aber dabei in einem Dilemma: Zwischen dem dringenden Wunsch, nach vielen Jahren endlich grünes Licht zu geben und den Bedenken, die vor allem wegen eines erhöhten Verkehrsaufkommens für Rott bestehen. Ganz besonders durch die Nähe des Standorts zum Schulzentrum. Von „Bauchweh“ sprachen viele im Rathaus-Sitzungssaal bei der Entscheidung …
Das Interesse in der Bevölkerung ist groß in Rott – das zeigte sich auch damit, dass jeder Stuhl im Zuhörerraum gestern Abend besetzt war.
Bürgermeister Daniel Wendrock schickte der Debatte voraus, dass er sich ganz klar für das Projekt ausspreche, denn seit so vielen Jahren sei es ein Thema in Rott und jetzt würden die Türen weit offen stehen. Neben einem Lidl-Markt und einem Rossmann-Markt soll auch ein Ärztehaus dort Platz finden, was eine große Aufwertung sei. Als Projektträger stellte Wendrock dann Manfred Singer (Foto unten vorne) vor, der im Zuhörerraum saß. Rott werde sich weiterentwickeln und dafür sei eine gute Infrastruktur zum Einkaufen für die Bürger wichtig. Ein extremer Mehrwert sei das ganz besonders durch das Ärztehaus, in das eventuell auch zwei ansässige Praxen umziehen werden …
Aber der Rotter Rathauschef machte auch seine Bedenken mit Blick auf das dann zu erwartende Verkehrsaufkommen deutlich. Die Verkehrssicherheit stehe über allem und deshalb werde ein Gutachten beauftragt, um entsprechend gute Lösungen für die Situationen – ganz besonders an der Schule – zu finden. Querungshilfen, Zebrastreifen, Fußgänger-Ampel – vieles kam dann in der Diskussion anschließend dazu zur Sprache.
Und auch der Rewe-Markt direkt im Rotter Ortskern – und vor allem dessen Erhalt – liegt allen sehr am Herzen, wie gestern Abend deutlich wurde im Sitzungsraum. Dem ebenfalls als Zuhörer anwesenden Filialleiter Andreas Gruber (im Bild unten vorne sitzend) wurde dann auch das Wort erteilt im Laufe der Debatte und er setzte sich kurz zu den Räten an den Tisch.
Ja, er sehe es als neuer, junger Chef als enorme Herausforderung, wenn die Discounter in Rott eröffnen. Auf die werde man entsprechend reagieren müssen. Überschneide sich doch so manches Warenangebot, gerade auch im Drogerie-Bereich, den man eigens forciert habe, um Rott hier ein Angebot zu bieten, so Gruber. Es stelle schon für ihn ein Riesenrisiko dar und er habe ja auch keine Glaskugel, wie sich alles vom Verkaufsverhalten der Bürger dann entwickeln werde in Rott.
Auf den Hinweis von Alfred Zimpel von den „Bürgern für Rott“, dass es ja zu Zeiten eines Edeka-Marktes bereits einmal einen Lidl und einen Schlecker-Drogerie-Markt parallel gab in Rott und dass das gut funktioniert habe – da meinte Andreas Gruber vom Rewe-Markt, dass man die Situation von damals nicht vergleichen könne mit heute. Man sehe an der Größe der Flächen der neuen Discounter, dass es ganz andere Dimensionen geben werde an Waren-Angebot als damals in Rott.
Immer wieder betonte Bürgermeister Wendrock, dass es wichtig sei, den Beschluss für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan zur Ausweisung eines Sondergebietes zu fassen, um endlich konkret beginnen zu können. Was aber nicht bedeute, alles sei scho „a g’mahde Wiesn“ … Aus dem Gemeinderat hatte es diese Nachfrage gegeben, wie endgültig denn ein Beschluss sei.
Ein paar Beiträge der Räte
Sebastian Mühlhuber von der CSU: Wäre das Ärztehaus nicht geplant, würde er gegen den Beschluss stimmen.
Günther Hein von den Freien Wählern: Nein, er sei kein Gegner der Discounter – aber das Verkehrskonzept müsse komplett neu gedacht werden. Und: Das Ärztehaus MÜSSE kommen, nicht KÖNNE kommen …
Dominic Raps von der AfD: Er frage sich, wie man denn die Schüler schützen könne bei dem Standort in Meiling – und er frage sich auch, ob es nicht doch eine andere Standort-Möglichkeit gebe?
Bürgermeister Daniel Wendrock antwortete: Ganz egal, wo der Standort der Discounter sei – abgesehen davon, dass die Firmen nur Meiling wollen – das Verkehrsaufkommen in Rott würde so oder so zunehmen.
Christoph Sewald von den „Bürgern für Rott“: Man habe heute wirklich die Möglichkeit für Rott was zu bewegen. Und ja, es gebe Vor- und auch Nachteile des Projekts. Nur: Die Discounter-Firmen würden konkret nur dorthin nach Meiling wollen. Er sehe gute Möglichkeiten, durch ein gutes Verkehrskonzept die Situationen gut zu verbessern. Und wenn man ehrlich draufblicke: „Kommen die Discounter nicht, kommt was anderes an der Stelle auch mit Verkehrsaufkommen …“
Tobias Valier von der AfD: Vielleicht könne man die Verbindungsstraße von Meiling zur B15 ausbauen, um den Rotter Ortskern zu entlasten.
Martin Ametsbichler von der CSU: Besonders positiv sei, dass Rott nun nach vielen Jahren wieder einen Drogeriemarkt bekomme. Obwohl auch ihm der Standort Bauchweh mache.
Nepomuk Poschenrieder von den Freien Wählern: Ihm gehe das alles zu schnell, er wünsche sich mehr Zeit – um zum Beispiel zu klären, ob und wie sich die Discounter auf andere Firmen am Ort auswirken. Außerdem frage er sich, warum nicht der alte Gemeinderat das noch entschieden habe?
Bürgermeister Daniel Wendrock antwortete: Das mit der Zeit stimme so nicht. Es brauche nun mal irgendwann einen Beschluss, um in die Gänge zu kommen. Und bewusst sei das Thema nun beim neuen Gemeinderat. Denn warum hätte der ehemalige entscheiden sollen, was die neuen Räte dann sechs Jahre lang in ihrer Amtszeit begleite? Dieser jetzige Weg sei bewusst gewählt.
Und Christoph Sewald von den „Bürgern für Rott“ ergänzte: „Das versteh ich nicht mit der Zeit. “ Es könne doch nicht sein, dass ein neues Gremium ein halbes Jahr lang keine Entscheidungen treffe, nur um sich einzuarbeiten?
Matthias Ganslmaier von den „Bürgern für Rott“: Als Landwirt sei man ja nicht wirklich für Discounter eingestellt. Aber er sehe auch, dass schon jetzt viele Rotter zu Discountern auswärts fahren – und so bliebe nun die Kaufkraft am Ort. Abgesehen davon würden auch Arbeitsplätze neu entstehen für Rotter Bürger. Und zum Verkehrsaufkommen: Es würden ja nun nicht alle automatisch an der Schule vorbeifahren, wenn sie in Meiling zum Einkaufen kommen.
Sein Fraktionskollege Christoph Sewald ergänzte: Es würden jetzt wohl sicher nicht permanent 300 Autos an der Schule vorbeifahren, wie manche im Gremium prognostiziert hätten. Man werde sehen, wie das Verkehrsaufkommen tatsächlich dann sei – ob ausgerechnet zu den Schulzeiten so massiv zum Beispiel.
Annalena Springer von der CSU: Bei allen Bedenken finde sie das Konzept mit den Discountern und dem Ärztehaus sehr gut …
Marie-Luise Saller von der CSU: Das mit den Herausforderungen für den Rewe-Markt im Ortskern bereite ihr Bauchschmerzen. Es gelte ihn unbedingt zu erhalten.
Bürgermeister Daniel Wendrock antwortete: Lidl habe bereits zugesichert – es werde dort keine Bäckerei und keine Metzgerei kommen.
Tom Altinger von den „Bürgern für Rott“: Werde dafür gesorgt, dass die Flächen rund um die Discounter das Regenwasser ordentlich versickern lassen?
Projektträger Manfred Singer antwortete: „Daran wird gedacht.“ Mit entsprechendem Pflaster und mit Zisternen …
Der Gemeinderat Rott gab dann grünes Licht für das Projekt. Er beschloss – mit einer einzigen Gegenstimme von Nepomuk Poschenrieder von den Freien Wählern – auf den entsprechenden Grundstücken in Meiling (siehe Plan ganz oben und unten) einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan für die Ausweisung eines Sondergebietes Einzelhandel aufzustellen. Mit dem Vorhabenträger ist zunächst eine städtebauliche Vereinbarung abzuschließen, mit dem sich der Vorhabenträger verpflichtet, alle im Zusammenhang mit der Aufstellung des Bebauungsplans anfallenden Kosten, einschließlich der Baukosten für die erforderlichen Erschließungsmaßnahmen, zu übernehmen.
Zudem beschloss der Rotter Gemeinderat anschließend noch einstimmig, den Flächennutzungsplan zu ändern – die 12. Änderung des Flächennutzungsplans aufzustellen.
Fotos: Renate Drax
Schaufenster






Muss das denn sein? Schon wieder Flächenversiegelung und Zerstörung von Natur, um den Konsumterror weiter zu fördern. Aber die 4% Flächenstilllegung, um die Artenvielfalt nicht weiter zu zerstören, das geht nicht.
Die Menschheit hat noch gar nix kapiert.