William Youn und Nils Mönkemeyer hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck

Es dürften gut 20 Jahre sein, seitdem die beiden Künstler William Youn (Klavier) Und Nils Mönkemeyer (Bratsche) gemeinsam konzertieren. William Youn stammt aus Südkorea, Nils Mönkemeyer wurde in Bremen geboren. Beide sind dafür bekannt, dass sie die klassische Musik als Poesie begreifen. Nicht ohne Grund nennen viele William Youn auch einen „echten Poeten am Klavier“. Der 44-jährige Pianist hat sich in den letzten 20 Jahren international einen Namen gemacht, weil sein Umgang mit dem Pianoforte ein hohes Maß an Kreativität zeige, sein Spiel von Feinsinnigkeit, Klarheit, emotionaler Tiefe und sensibler Analyse zeuge. Beide begeisterten gestern das Publikum im Wasserburger Rathaussaal. 

Nils Mönkemeyer, der 48-jährige Bratschist, bestach an diesem Abend durch seine künstlerische Brillanz. 

Für das Konzert im Rathaussaal, der nahezu vollends besetzt war, hatten sie ein siebenteiliges Werk der griechischstämmigen Komponistin Konstantia Gourzi vorbereitet: „Melodies from the sea, op. 86“ wollten die beiden Künstler vortragen.

Und als eine gute halbe Stunde vor Beginn des Konzerts die Kulturreferentin des Landkreises Rosenheim, Anke Hellmann, die Bühne betrat und mit dem Künstlergespräch beginnen wollte, da gesellte sich die Komponistin persönlich zu den Künstlern. Konstantia Gourzi lebt heute in München und unterrichtet an der Musikhochschule.


Im Künstlergespräch erzählte Nils Mönkemeyer, dass er Konstantia Gourzi seit 2002 kenne, als sie ein Konzert dirigierte und er als Student daran teilnahm.

Im Künstlergespräch wurde dann auch der Zusammenhang von Musik und Natur thematisiert. Das Thema „Natur“ sei dem Komponisten besonders wichtig, betonte Konstantia Gourzi und Nils Mönkemeyer ergänzte, dass die Musik Bilder beleben könne, sodass das Bild zu leben anfange und auf die Reise gehe und damit die Zeit stehen bleibe. Dies war ein Stichwort für Anke Hellmann, die von den Inselkonzerten im Augustiner-Chorherrenstift auf Herrenchiemsee zu sprechen kam und auf den Zusammenhang von Musik, Natur und Wasser genauer einging. Hier ergriff Konstantia Gourzi das Wort und betonte die Bedeutung des Wassers aus ihrer Sicht: Auch Wasserburg habe etwas von einer Insel, das Wasser des Inn spiele eine sehr wichtige Rolle. Wasser trage Informationen von außen in die Stadt, wehalb man damit an einem Ort sei mit vielen Informationen aus anderen Orten.

Vielleicht sei Wasserburg auch deshalb so weltoffen, kunstaffin und menschenfreundlich.

Anke Hellmann beschloss das Künstlergespräch mit den drei Künstlern mit den Worten, dass wir es hier ganz besonders mit Kosmopoliten zu tun hätten.

Und dann gehörte die Bühne William Youn und Nils Mönkemeyer, die den musikalischen mit „beau soir“ (Der schöne Abend) von Claude Debussy eröffneten. Danach folgten die sieben „melodies from the sea“ von kostantia Gourzi. Dann präsentierten die beiden Künstler dem Publikum die „F.A.E. Sonata“ von Albert Dietrich, Robert Schumann und Johannes Brahms. Diese Sonate hat einen interessanten Ursprung: Die Anwesenheit des Geigers Joseph Joachim in Düsseldorf,  der dort am 27. Oktober 1853 die Fantasie für Violine und Orchester, op. 131 von Robert Schumann uraufführen sollte, war der Anlass für die von Robert Schumann angeregte Komposition einer Violinsonate zu Ehren Joachims. Schumann selbst übernahm zwei Sätze. Jeweils einen Satz komponierten der Schumann-Schüler Albert Dietrich und der zwanzigjährige Johannes Brahms, der sich als Gast der Familie Schumann in Düsseldorf aufhielt.

An diesem Abend wurden die ersten drei Sätze dieser Sonate gespielt.

Nach der Pause gab es dann noch „Une barque sur l’océan“ von Maurice Ravel und die Sonate für Viola und Klavier von Rebecca Clarke.

Das Publikum war restlos begeistert vom Spiel der beiden Ausnahmekünstler: Bei William Youn konnte man beobachten, wie seine Finger förmlich über die Tasten flogen, nur um punktgenau zu landen und wieder abzuheben. Sein Spiel war höchst präzise und faszinierend gekonnt. Nils Mönkemeyer, der anscheinend auf einer historischen Bratsche spielte, gestaltete mit Youn ein sehr hohes Maß an Harmonie, was das Klangerlebnis für das Publikum zur Vollendung zu bringen vermochte. Dabei spielte Mönlkemeyer mit einem derart großen Maß an Verve, dass er in der Pause wohl zu einem neuen Bogen greifen musste, hatte der erste doch ein wenig unter dem temperamentvollen Spiel gelitten. Gerade das letzte Stück von Rebecca Clarke war überhaupt nicht einfach umzusetzen.

Das Publikum war hingerissen und honorierte die künstlerische Leistung an diesem Abend mit „standing ovations“. Die beiden Künstler bedankten sich mit der „Mainacht“ von Johannes Brahms. Dieses Werk hatte Brahms 1866 geschrieben. Dieses berühmte Kunstlied ist eines der emotionalsten Vokalwerke von Johannes Brahms. Das melancholische Lied thematisiert die Einsamkeit eines Liebenden in der Frühlingsnatur. 

Und auch hier war das Publikum regelrecht fasziniert und beeindruckt.

Mit den Rathauskonzerten ist der Stadt Wasserburg wirklich ein kulturelles Juwel gelungen, das sich auch stets über einen sehr großen Zuspruch freuen darf.

In diesem Jahr gibt es noch zwei Rathauskonzerte. Allerdings musste das angekündigte Programm leider geändert werden, wie Kulturreferentin Anke Hellmann den Anwesenden vor dem Abend ankündigte: Am Samstag, 17. Oktober um 20 Uhr wird das „Trio Orelon“ im Rathaussaal zu Gast sein. Es wird Werke von Edvard Grieg, Ludwig van Beethoven, Lili Boulanger und Anton Arensky zur Aufführung bringen. Vor dem Konzert wird auch hier um 19.20 Uhr ein Künstlergespräch mit dem „Trio Orelon“ durchgeführt werden.

Am Samstag, 21. November um 20 Uhr wird dann Sigrun Felicitas Vortisch zu Gast sein. Die dem Publikum wohlbekannte Klarinettistin tritt gemeinsam mit dem „Hindemith-Quartett“ auf und präsentiert eine musikalische Reise unter dem Titel „Von Wien nach St. Petersburg“. Zur Aufführung kommen Werke von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Alexander Glasunow und Alexander Bordin.

Karten gibt es unter www.wasserburg.de/ticketshop, in der Tourist-Info im Wasserburger Rathaus und bei allen Verkaufsstellen von Reservix. Die Abendkasse ist jeweils ab 19 Uhr geöffnet.

PETER RINK

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