Studentisches Streicherensemble fasziniert mit einem Konzert unter dem Motto „kurz & knackig“

„Strings in motion“, eine Idee von Christos Kanettis, vereint junge, engagierte Talente aus den verschiedensten Ländern. 2014 gegründet, wollen begeisterte Studenten mit dem Spiel auf ihren Streichinstrumenten Publikum begeistern. Und das gelingt ihnen immer wieder in herausragender Weise. Bei den Wasserburger Rathauskonzerten gestalteten sie nun schon zum zweiten Male im Rahmen einer Matinée den Auftakt des Jahresprogramms.

17 studentische Künstler an ihren Streichinstrumenten, darunter elf Violinen, drei Bratschen, zwei Celli und ein Kontrabass, das Ganze unterstützt von einem Cembalisten, erfüllten am Sonntag Vormittag mit ihrer engagiert und feinfühlig vorgetragenen Musik das Publikum im vollbesetzten Wasserburger Rathaussaal.

Die Kulturreferentin des Landkreises Rosenheim, Anke Hellmann, stellte in einem kurzen Gespräch die Studentinnen und Studenten vor, die sich bei „strings in motion“ engagieren. In einem kurzen Künstlergespräch erfuhr man, dass die Künstler dieses Streicherensembles bereits auf einem Schiff im Mittelmeer musiziert hätten, dass sie auf die Fraueninsel im Chiemsee gefahren seien und dort Proben, die teilweise bis zu zehn Stunden täglich dauerten, durchgeführt hätten und wohl eine große Freude daran empfinden könnten, auf der Chiemseeinsel ein Festival zu installieren. Man denke da an einen Innenhof auf der Insel, „wo man sonst nicht so hinkommt“ oder auch ein Konzert im Frühjahr nächsten Jahres, wo man an den Ufern des Chiemsees bei Sonnenaufgang musiziere.

„Strings in motion“ kommt ohne Dirigenten aus, das studentische Team ist hervorragend aufeinander eingespielt und organisiert sich gut selbst.

In dem Konzert, das anschließend geboten wurde, brachte das Streicherensemble mit Carl Philip Emanuel Bach, Robert Schumann, Édouard Lalo und Nino Rota vier Künstler aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert zu Gehör und man konnte sehr gut einen Einblick in die musikalische Entwicklung der letzten 300 Jahre gewinnen. Die Mitglieder des Ensembles betonten, dass gerade Robert Schumann gerne Dichter geworden wäre und er habe sich auch stets als „Tondichter“ verstanden, wenn man über seine Kompositionen gesprochen habe.

Eine erste Kostprobe lieferten die Musiker aus dem Zuschauerraum heraus. Sie stellten sich an verschiedene Stellen am Rande des Rathaussaales und begannen von hier aus zu musizieren. Das Publikum wurde auf diese Weise ermutigt, ausschließlich den Musikern zuzuhören, denn sehen konnten sie, wenn überhaupt, nur einzelne.

Doch dann betrat das Ensemble die Bühne und zeigte intensiv sein Können: Der 25-jährige italienische Cellist Paolo Tedesco ist für sein aufrichtiges und nuanciertes Spiel bekannt. Exakt und einfühlsam konzertierte er das Konzert für Cello und Streicher in A-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach. Tedesco ist Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe und gehört wohl zu den profiliertesten Cellisten seiner Generation. Sein Instrument, ein Violoncello von Nicola Utili aus dem Jahre 1913, konnte den Rathaussaal gekonnt erfüllen und Tedescos Spiel das Publikum restlos begeistern. Tedesco wurde hierbei von Lynn Renouil-Hata am Cello außerordentlich gekonnt begleitet.

Daran anschließend brachte das Streicherensemble Robert Schumanns „Märchenbilder“ für Viola und Streichorchester zu Gehör. Der 29-jährige Bratschist aus Kolbermoor, Marinus Kreidt, spielte seine Soli virtuos und vermochte es in einer sehr faszinierenden Weise auch die sehr rasch zu spielenden Elemente mit einem hohen Maß an Präzision dem Publikum nahe zu bringen.

Schließlich konnte der 22-jährige griechische Violinist Stylianos Mastrogiannis beim „Intermezzo“ für Violine und Streichorchester seinen virtuosen Umgang mit der Violine unter Beweis stellen. Bereits im Alter von neun Jahren wurde er Mitglied der Streicherakademie „strings in motion“ und man darf sich mit Sicherheit darauf freuen, diesen herausragenden Künstler künftig noch häufiger hören zu können.

Den Abschluss bildete das „Concerto per Archi“ von Nino Rota. Hier konnten alle 17 Streicher ihr außergewöhnliches Können noch einmal unter Beweis stellen.

Unterstützt wurden sie während des Konzertes. von Lucas Gottfried, der das Spiel der Streicher am Cembalo abrundete.

Die Besucher im Rathaussaal waren restlos begeistert, sodass das Ensemble im Rahmen einer Zugabe noch das „Oblivion“ des argentinischen Begründers des „Tango Nuevo“, Astor Piazzolla, zu Gehör brachte.

Fasziniert, aber auch erfüllt und beschwingt, verließ das Publikum den Wasserburger Rathaussaal. Es war ein höchst bereicherndes kulturelles Erlebnis!

Peter Rink

 

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