Katastrophenfall Saurüsselkopf: Noch immer über 300 Einsatzkräfte vor Ort

Seit den frühen Morgenstunden laufen die Löscharbeiten wieder im Vollbetrieb. Erste Kräfte sind bereits seit 6 Uhr in den Einsatzabschnitten am Berg unterwegs. Ziel ist es, die Tageszeit möglichst vollständig für die Arbeiten im Gelände zu nutzen. Der Schwerpunkt liegt weiterhin auf der Suche, Kontrolle und Bekämpfung von Glutnestern. Die Einsatzkräfte arbeiten sich dabei systematisch von Süden in Richtung Norden vor. Besonders anspruchsvoll bleiben die nördlichen Einsatzabschnitte, in denen das Gelände schwer zugänglich ist und die Arbeiten nur eingeschränkt bodengebunden möglich sind. Hubschrauber, Drohnen und Bodentrupps arbeiten weiterhin koordiniert zusammen. Für den heutigen Tag ist erneut Luftunterstützung vorgesehen, insbesondere für schwer erreichbare Bereiche, in denen ein Einsatz von Bodentrupps nur eingeschränkt oder nicht möglich ist, meldet das Landratsamt Trunastein.
Warum die Nachlöscharbeiten so aufwendig sind
Die Nachlöscharbeiten am Saurüsselkopf stellen die Einsatzkräfte weiterhin vor große Herausforderungen. Das Gelände ist steil, felsig und in Teilen nur schwer erreichbar. Zudem sitzen viele Glutnester tief im Waldboden, unter Wurzeln oder in abgestorbenem Holz. Diese Brandstellen können aus der Luft nur begrenzt bekämpft werden. Sie müssen vor Ort aufgespürt, freigelegt und gezielt abgelöscht werden. Je nach Geländebeschaffenheit kommen unterschiedliche Taktiken und Spezialkräftezum Einsatz. In leichter zugänglichen Bereichen arbeiten Feuerwehrkräfte gemeinsam mit Mitarbeitern des Forsts direkt am Waldboden. Dort können Glutnester teilweise noch mit kleineren Strahlrohren und klassischem Löschgerät bekämpft werden. In mittelschwerem Gelände werden die Feuerwehrkräfte zusätzlich von der Bergwacht unterstützt. Die Bergwacht hilft beim sicheren Zugang zu abgelegenen Brandstellen, unterstützt bei der Absicherung von Wegen und Einsatzstellen und wirkt beim Materialtransport im schwierigen Gelände mit.
In besonders steilen und absturzgefährdeten Bereichen müssen aufwendige Seilsicherungen eingerichtet werden. Teilweise können Einsatzkräfte dort nur gesichert am Seil arbeiten, um versteckte Glutnester freizulegen und gezielt abzulöschen. Ohne alpine Begleitung können Löschtrupps in diesen Bereichen nicht eingesetzt werden. Die Brandbekämpfung ist deshalb inzwischen in weiten Teilen Handarbeit. Einsatzkräfte öffnen mit Hacken und Werkzeugen Schicht für Schicht den Waldboden, um an die versteckte Glut zu gelangen. Anschließend werden die Brandstellen gezielt mit kleinen Strahlrohren oder Löschrucksäcken abgelöscht. Diese Löschrucksäcke fassen rund 20 Liter Wasser und ermöglichen es, kleinere Glutnester auch abseits von Schlauchleitungen gezielt zu bekämpfen.
Erkundung, Wasserversorgung und Logistik
Die Drohnenaufklärung wurde ausgewertet und fließt fortlaufend in die weitere Einsatzplanung ein. Zugleich zeigt sich dabei auch die Grenze technischer Erkundung: Wärmebildsysteme können verdeckte Glutnester unter dichtem Laub- oder Blätterdach nur eingeschränkt erfassen. Deshalb kommen verstärkt handgeführte Wärmebildkameras zum Einsatz, um Glutnester unterhalb der Vegetation und im Bodenbereich gezielter aufzuspüren. Für die Wasserversorgung wurde eine umfangreiche Infrastruktur im Bergwald aufgebaut. Schlauchleitungen verlaufen von den Forststraßen in das Gelände hinein. Das Löschwasser wird über Pumpen und Löschfahrzeuge stufenweise zu den Einsatzbereichen gefördert. Entlang der Einsatzabschnitte wurden Material- und Löschwasserdepots eingerichtet, damit Geräte, Schläuche und Wasserreserven möglichst nah an die Einsatzstellen gebracht werden können. Auch die Logistik bleibt anspruchsvoll. Ein Teil des benötigten Materials wird mit Hubschraubern in den Berg geflogen. Zusätzlich kommen Drohnen für die Erkundung und zur Unterstützung beim Materialtransport in schwer erreichbare Einsatzabschnitte zum Einsatz. Trotz des hohen technischen und personellen Aufwands bleibt die Brandbekämpfung im steilen Bergwald ein langwieriger Prozess.Die Einsatzkräfte arbeiten sich Abschnitt für Abschnitt durch das Gelände und löschen Glutnest für Glutnest ab, um ein erneutes Aufflammen des Feuers zu verhindern.
Ausblick
Für die kommenden Tage wird die Einsatzorganisation weiter auf einen länger andauernden Nachlöscheinsatz ausgerichtet. Dabei stehen insbesondere die Verfügbarkeit von Spezialkräften, alpiner Begleitung, geeigneter Ausrüstung und ausreichenden Personalressourcen im Mittelpunkt. Die Lage bleibt trotz der insgesamt positiven Entwicklung aufmerksam zu beobachten. Unterirdische Glutnester können weiterhin aufflammen. Zudem wird für das Wochenende trockenes, warmes und windiges Wetter erwartet. Dadurch besteht weiterhin die Gefahr eines erneuten Aufflammens einzelner Brandstellen. Die Bevölkerung wird gebeten, das Einsatzgebiet weiterhin zu meiden, Absperrungen zu beachten und die Einsatzkräfte nicht zu behindern.
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