Kontroverse Diskussion im Stadtrat nach Vorstellung erster Ergebnisse der Machbarkeitsstudie
In der gestrigen Stadtratssitzung beschäftigte sich der Wasserburger Rat in einer kontroversen Diskussion mit der Umgestaltung des Marienplatzes. Vorgestellt wurden erste Ergebnisse der Machbarkeitsstudie. Priorität, so die mehrheitliche Meinung, sollte die Errichtung der Bushaltestellen haben. Bürgermeister Michael Kölbl stellte zu Beginn klar, dass es nicht um eine konkrete Planungsphase gehe, sondern nur um eine Vorstellung erster Ergebnisse.
In der Bauausschusssitzung vom November 2024 wurden die Vorplanungen für die Errichtung der barrierearmen Bushaltestellen Heisererplatz und Marienplatz vorgestellt. Durch einige Stadtführer wurde angeregt, bei dieser Gelegenheit die Verbesserung der Aufenthaltsqualität für die vielfältigen Nutzungen im Bereich Marienplatz mitzudenken.
Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann erklärte, dass die Idee, den Marienplatz so zu gestalten, dass der „Platzcharakter“ und die Aufenthaltsqualität verbessert werden, seit Jahrzehnten immer wieder diskutiert worden sei. Der Bauausschuss war sich einig, dass mit der Errichtung der Bushaltestellen die Gelegenheit genutzt werden solle, mögliche Varianten zur Verbesserung der Situation im Rahmen einer Machbarkeitsstudie zu untersuchen.
„Lösungsmöglichkeiten für die unterschiedlichen Belange der vielfältigen Nutzer und die daraus resultierenden Anforderungen wie beispielsweise Fußgänger, Radfahrer, Autoverkehr und Denkmalschutz sollen in der Machbarkeitsstudie aufgezeigt werden“, so Herrmann.
In der Stadtratssitzung vom November 2024 wurde beschlossen, die Idee, den Marienplatz verstärkt als Platz auszubauen, weiterzuverfolgen.
In Zusammenarbeit mit dem Städteplaner, den Verkehrsplanern, den Vertretern des Denkmalschutzes und der Stadtverwaltung wurden Zielvorgaben und erste Planungsideen entwickelt. Die Planung zur Errichtung der Bushaltestellen am Marienplatz soll als erster Schritt umgesetzt werden.
Zur Möglichkeit der Einbeziehung der Staatsstraße bis zur Schmidzeile hat eine Vorabstimmung mit dem Staatlichen Bauamt stattgefunden.
Michael Leidl vom Büro ARC-Architekten stellte in seiner Präsentation die Historie des Marienplatzes, beginnend im 17. Jahrhundert, vor. Die Ist-Situation derzeit zeige, dass die Barrierefreiheit nicht überall gegeben sei. Wichtige Punkte zur Überlegung seien Park- und Fahrradstellplätze, mehr Grün am Marienplatz, Barrierefreiheit und die Frage, wo die Bushaltestellen und Querungsmöglichkeiten hinkommen sollen.
Messungen hätten ergeben, so Leidl, dass täglich etwa 10.000 Autos durch den Marienplatz fahren – „es ist also viel los“. Ein Ansatz wäre es, hier einen verkehrsberuhigten Bereich mit Tempo 20 einzuführen. Dazu eine Schrägaufstellung oder Längsparken der Kfz an der Südseite aufgrund der Verkehrsbelastung.
Ansätze seien darüber hinaus die Vereinheitlichung der Platzbeläge, eine maßvolle Verdichtung der Grünstrukturen sowie dezentraler Abstellmöglichkeiten für beispielsweise Fahrräder. Angepasst werden sollte die Barrierefreiheit.
Christian Stadler (Bündnis 90/Die Grünen) regte an, in Bauabschnitten zu denken. Der barrierefreie Umbau der Bushaltestelle müsse priorisiert werden. Auch die Lärmbelastung durch ein Pflaster sei zu prüfen. Wichtig sei auch zu bedenken, dass das gesamte Projekt sehr lange dauern werde.
Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann erklärte, dass die Bushaltestelle als erstes angegangen werde, man müsse aber ein Gesamtbild im Auge haben.
„Für mich klingt es, als ob wir kurz vor der Umsetzung wären“, so Georg Machl (CSU). Es handele sich hier um ein Millionenprojekt, für das derzeit die finanziellen Mittel fehlen. Auch müsse man aufpassen, dass eventuelle Planungen nicht mit der Wärmeplanung in Konflikt stehen. Priorität sollte auf jeden Fall die Bushaltestelle haben.
Als „minimalinvasiven Eingriff“ bezeichnete Norbert Buortesch (Bürgerforum) die Planungen. Er freute sich über das geplante Grün, diskutiert gehören seiner Meinung nach auf jeden Fall die Bodenbeläge wegen Lärmbelastung. Derzeit sei die Bushaltestelle vor dem Rathaus – „das funktioniert doch gut so“.
Dem schloss sich auch Friederike Kayser-Büker (SPD) an. Die Bushaltestelle am Rathaus funktioniere gut. Sie sprach sich für die Barrierefreiheit aus, die derzeit nicht gegeben sei, auch nicht am Zebrastreifen. „Wir dürfen uns keine Denkverbote auferlegen“, so Kayser-Büker. Andere Projekte kosten auch viel Geld.
Heike Maas (CSU) wies darauf hin, dass die Anwohner der Altstadt nicht vergessen werden dürfen. Parkplätze werden gebraucht, um ein Be- und Entladen zu ermöglichen. Wenn die Fahrbahnbreite reduziert werde, gebe es ein Problem, wenn die Lkw ihre Lieferungen zu den Geschäften bringen. Derzeit komme man noch an den Lkw vorbei. „Wir wollen ja nicht wieder zurück ins 17. Jahrhundert zu Handwagen, sondern wir wollen mit der Zeit gehen.“
Christian Flemisch (ÖDP) gefiel die Idee von einem „Platz“, es dürfe dazu dann keine Abstufungen zwischen Gehsteig und Straße geben. „Schön“ sei auch die Idee, mehr Bäume ins Areal zu bringen.
„Die Attraktivität des Marienplatzes ist sehr wichtig“, so Jakob Schedel (CSU). Es sollte das gesamte Verkehrskonzept der Stadt in die Planungen mit einbezogen werden. Für die Anwohner und Besucher der Stadt müssen ausreichend Parkmöglichkeiten geschaffen werden.
Elisabeth Fischer (CSU) sprach sich für ein Buswartehäuschen am Bosnastand aus. Der Zebrastreifen dürfe auf keinen Fall weg. Beim Belag wäre es gut, dass man auch an den Winter denke, dass es nicht zu glatt werde.
Mit fünf Gegenstimmen beschloss der Stadtrat, den Sachstand zur Kenntnis zu nehmen. Die vorgestellten Zielvorschläge im Hinblick, den Marienplatz verstärkt als Platz auszubauen, sollen weiterverfolgt werden.
Mit zwei Gegenstimmen wurde beschlossen, in einem ersten Schritt zu klären, wo die Bushaltestellen des Marienplatzes platziert werden sollen.
TANJA GEIDOBLER
Schaufenster


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