inspirierendes, erfüllendes Nonfiktionale-Festival - Intensiver Austausch - 1.700 Gäste

Nach intensiven Festivaltagen ist die bestens besuchte 18. Ausgabe der Aiblinger Nonfiktionale – ein Dokumentarfilm-Festival – zu Ende gegangen. Vier Tage lang konnten Filmschaffende und Publikum in die Filme des Programms eintauchen, das Gesehene gemeinsam befragen und Gedanken austauschen. 16 Filme ganz unterschiedlicher Längen und Erzählweisen standen unter dem Motto „Mehr als der Mensch“ im Wettbewerb.

Zum Foto – den Bürgerpreis betreffend:

Der mit 500 Euro dotierte Bürgerpreis wurde von der Junge-Doks-Jury – bestehend aus Josefine Ban (rechts) und Fanny Ostern (links im Bild) – verliehen an den Film „Stille Beobachter“ von Eliza Petkova (Bildmitte).

Begründung der Jury:

Menschen sind hier Randfiguren – was auch am gewählten Filmformat 4:3 liegt. Stattdessen begibt sich die Kamera auf Augenhöhe der tierischen Protagonisten und rückt ganz nah an sie heran. Sie sind hier nicht einfach nur Tiere, sondern der Aberglaube der Dorfbewohnerinnen und -bewohner verleiht ihnen eine tiefere Bedeutung. Dadurch, dass jedes Tier eine eigene musikalische Stimme bekommt, werden sie alle in ihrer Einzigartigkeit herausgehoben. Der Film „Stille Beobachter“ von Eliza Petkova schafft es, uns 95 Minuten lang tief in die Welt der Tiere eintauchen zu lassen, durch ihre Augen zu sehen und eine faszinierend andere Kultur zu erleben.

Im Rahmen der Preisverleihung vergab die Jury – bestehend aus Dagmar Mielke, Max Sänger und Agata Wozniak – die Preise.

Vom Team des Festivals – Tamara Daničić (links) mit Aiblings Bürgermeister Stephan Schlier, der den Hauptpreis in Händen hält, und Team-Kollegin Melanie Liebheit.

Nonfiktionale-Preis der Stadt Bad Aibling

Der mit 2.000 Euro dotierte Nonfiktionale-Preis der Stadt Bad Aibling geht an Tiere und andere Menschen“ von Flavio Marchetti.

Begründung der Jury:

Da ist die Schimpansin Rosi, die zaghaft ihre Hand durch die Gitter steckt. Oder die Tierpflegerin, die einem Papagei aus einem Kinderbuch vorliest. Aber manchmal kommt jede Hilfe zu spät. Ein Schwan muss eingeschläfert werden. Regisseur Flavio Marchetti erzählt mit viel Empathie von Tieren und anderen Menschen, von ihren Begegnungen und komplexen Beziehungen. Er führt uns behutsam in das Wiener Tierschutzhaus, in dem die unterschiedlichsten Geschöpfe gestrandet sind und wo sie ärztlich behandelt, aufgepäppelt und nach Möglichkeit auch wieder weitervermittelt werden.  Nach und nach entfaltet sich das vielschichtige Bild einer Institution, in der sich das Verhältnis von Mensch und Tier in all seiner Ambivalenz ergründen lässt. Ohne Kommentar, ohne Interviews, rein durch die Kraft der dokumentarischen Beobachtung, klug montiert, zieht uns der Regisseur in seine Erzählung. Es sind die kleinen Gesten, Blicke und Sätze, die uns nach der Vorführung nicht aus dem Kopf gehen. Der Film über den Wiener Tierschutzverein beweist, was Kino kann.

Südkino Kurzfilmpreis

Der von der Südkino-Filmproduktion gestiftete Kurzfilmpreis in Höhe von 500 Euro geht an Oro Blanco“ von Gisela Carbajal Rodríguez (Foto oben Bildmitte).

Begründung der Jury:

Das Batteriegold Lithium – ein zentraler Rohstoff für die Energiewende. Die explodierende Nachfrage treibt internationale Unternehmen dazu, den Abbau immer weiter auszudehnen. Was das heißt, erzählt Gisela Carbajal Rodríguez in „Oro Blanco“, „Weißes Gold“.  Mit großen Bildern, die uns in die Hochebene der Salinas Grandes entführen, poetisch, aber ohne zu verklären, zeigt sie uns, wie der Rohstoffhunger das Überleben der indigenen Gemeinschaften bedroht. Uns hat beeindruckt, wie behutsam und respektvoll sie ihren Protagonisten Raum gibt. Sie erzählen von ihren Ängsten und von ihrer Kritik, mit großer Stärke vorgetragen. Wir sehen und hören zu. Können den Blick nicht abwenden. Eine klare filmische Botschaft in 23 Minuten, die Verpflichtung, eine nachhaltige Zukunft für alle zu sichern. Sie ist dringlich, in diesen Zeiten mehr denn je.

 

 

 

 

Schaufenster