Wirtschafts-Förderungs-Verband Wasserburg mit Fragen an alle Wahlvorschläge für den Stadtrat

Der Wirtschafts-Förderungs-Verband Wasserburg (WFV) hat zur Kommunalwahl am kommenden Sonntag, 8. März, an alle Wahlvorschläge für den Wasserburger Stadtrat fünf Fragen geschickt, die der WFV-Vorstand als wesentlich für die Förderung des wirtschaftlichen Lebens und die Erhaltung der Stadt Wasserburg als Mittelzentrum erachtet. Alle Antworten sind in der Grafik in Reihenfolge der Listen auf dem Stimmzettel dargestellt.

„Wir wollen ausdrücklich die einzelnen Statements nicht bewerten“, kommentiert der WFV-Vorsitzende Andreas Bonholzer die Umfrage, „die Wähler können sich selbst ein Bild machen, wie die Parteien zu Förderung der Attraktivität Wasserburgs für Handel, Gewerbe, Gastronomie und Tourismus stehen. Und wer Wirtschaftskraft als Grundlage einer lebenswerten Stadtgemeinschaft erkennt und voran bringen will. Wir freuen uns allerdings wirklich sehr, dass einige Ansätze wiederholt genannt werden, so dass wir auf entsprechende Initiativen mit breiter Mehrheit hoffen können. Wir werden da gegebenenfalls auch mal daran erinnern. Die Umfrageergebnisse machen uns aber vor allem zuversichtlich, dass wir auch mit dem neuen Stadtrat die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit der letzten Jahre zum Wohle der Stadt fortsetzen können.“

Der WFV weist darauf hin, dass sich die Parteien für die Matrixdarstellung bei ihren Antworten sehr knapp halten mussten. Alle hätten zu einzelnen Fragen erheblich mehr zu sagen und haben sich stichpunktartig beschränkt.

Welche zusätzlichen Maßnahmen zur Förderung der Attraktivität der Stadt für Kunden, Gäste und Arbeitnehmer planen Sie?

CSU: Stärkung von Einzelhandel und Gastronomie durch Reduzierung von Vorschriften. Ehrenamtliche Tätigkeiten mit Bauhof-, Verwaltungsleistungen und Zuschüssen unterstützen. Regelmäßige Jour-Fixe mit regionalen Unternehmen und Ausbildungsbetrieben.

Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg: Hohe Lebensqualität für Arbeitnehmer und Selbständige (Schulen, umfassende Einkaufsmöglichkeiten, Freizeit, MVV); überregionale Stadtwerbung für Tourismus und Wirtschaft; Nutzung langer Ladenschlusszeiten („Nacht des langen Shoppings“).

Bündnis 90 / Die Grünen: Vor allem die Erhöhung der Aufenthaltsqualität, Maßnahmen zur Klimaanpassung (Entsiegelungen, Verschattungen, Wasserläufe) kommen wie auch Kulturevents der Verweildauer zugute. Ebenso wollen wir in zentralen Bereichen auch Verkehrsberuhigungen.

SPD: Steigerung der Aufenthaltsqualität, beispielsweise mehr Schattenplätze und Sitzgelegenheiten. Digitale Wegweiser in der Altstadt.  Verbesserung der ÖPNV-Anbindung für das Umland; Stadtbus im 20- Minuten-Takt, zusätzlicher Rad- und Fußweg über den Inn.

Bürgerforum Wasserburg: Wir stärken Handel und Gastronomie durch höhere Aufenthaltsqualität, Veranstaltungen und gute Rahmenbedingungen für Betriebe. Ziel ist ein ausgewogener Kurs zwischen Wirtschaftskraft und Lebensqualität – für Kunden, Gäste und Arbeitnehmer.

Freie Wähler-Wasserburger Block: Gastronomischen Vielfalt fördern. Attraktive Verweilplätze in der Altstadt schaffen. Unterstützung der wirtschaftlichen Betriebe, um Arbeitsplätze zu generieren. Schaffung beschattete Plätze zur Verbesserung des Stadtklimas.

ÖDP: Klimaneutrale Stadt spätestens 2035, Begrünung der Herrengasse mit Schatten- & Aufenthaltszonen, regionaler Lieferservice per E-Lastenrad, mehr Kultur im öffentlichen Raum und gezielte Förderung regionaler Betriebe statt Filialketten.

Linke Liste Wasserburg: Attraktivität heißt Lebensqualität: bezahlbare Mieten, gute Kitas, mehr grün, Barrierefreiheit, guter ÖPNV (auch Nachts), sichere Rad- /Fußwege, lebendige Kultur und Handel für Bewohner statt reiner Touristik, Tariftreue bei städtischen Aufträgen.

Haben Sie konkrete Vorhaben, um für leerstehende Gewerbe-Immobilien Nachfolger zu finden?

CSU: Permanenter Austausch mit den Eigentümern und Einführung eines Leerstandsregisters. Hilfe bei bürokratischen Themen, im Denkmalschutz sowie bei baulichen Herausforderungen. Entwicklung gemeinsamer Lösungen und Abbau von Hemmnissen.

Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg: Verringerung der finanziellen Belastung des Neustartes durch Schaffung städtischer Fonds, gegebenenfalls mit Unterstützung durch Stiftungen, zur vorübergehenden Kostenübernahme (Kaution, Gebühren). Möglichkeit der Nutzung der Immobilien für MVZs verschiedenster Fachrichtungen.

Bündnis 90 / Die Grünen: Der erste Schritt muss ein Leerstandskataster (für Wohnungen und Gewerbeflächen) sein, weiterhin eine gemeinsame Vorstellung, welche Gewerbe und Dienstleister das bestehende Angebot bestmöglich ergänzen, daraus folgend ein Anwerbekonzept.

SPD: aktives Leerstandsmanagement mit Aufbau einer Datenbank und aktiver Werbung zu freien Flächen über Online-Plattformen und Netzwerke, aktive Werbung bei Gründungsinteressenten, gemeinsame Kampagnen mit Eigentümern, WFV und der Stadt.

Bürgerforum Wasserburg: Leerstand hat Vorrang vor Neubau. Wir setzen auf aktives Leerstandsmanagement, Vermittlung zwischen Eigentümern und Interessenten sowie flexible Zwischennutzungen wie Pop-up-Stores oder Gründerflächen.

Freie Wähler-Wasserburger Block: Zugriff auf private Gewerbe-Immobilien ist für die Stadt nicht möglich. Vergabe von im Eigentum der Stadt Wasserburg stehenden Gewerbe-Immobilien im Einklang mit dem bestehenden Gewerbe.

ÖDP: Aktives Leerstandsmanagement: kommunale Zwischennutzung, Popup-Stores für regionale Gründer, Handwerks- und Kreativbonus sowie Beratung für nachhaltige Geschäftsmodelle. Ziel: Vielfalt statt austauschbarer Ketten.

Linke Liste Wasserburg: Ja, verbindliche Meldung von Gewerbeleerstand, öffentliches Register, Anreize und Sanktionen gegen spekulativen Leerstand, sowie aktive Vermittlung/Beratung. Vergabe nach Gemeinwohlkriterien und Zwischennutzung (Popup, Kultur) ermöglichen.

Wie stehen Sie zur Entwicklung neuer Gewerbeflächen?

CSU: Verantwortungsvoller Umgang mit Grund und Boden. Ziel muss es sein, heimischen Betrieben Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten und gleichzeitig neue Arbeitsplätze zu schaffen. Nutzung bestehender Flächen, Nachverdichtung und Vermeidung von Leerständen.

Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg: Starkes Gewerbe als Garant für eine sichere Zukunft der Region! Stadteigene Flächen günstig bereitstellen. Angebote von Grundstücksbesitzern besser nutzen. Gegebenenfalls stärkere Zusammenarbeit mit Stellwerk 18 in Rosenheim für neue Startups.

Bündnis 90 / Die Grünen: Die Stadt muss versuchen, potenzielle Flächen zu bevorraten. Die Ausweisung durch eine Bauleitplanung sollte jedoch stets projektbezogen erfolgen. Altstadtrelevante Sortimente „auf der grünen Wiese“ wollen wir weiterhin vermeiden.

SPD: Vorhandenes Gewerbe kann bei sinnvollen Konzepten zur Erweiterung unterstützt werden. Sozialwirtschaft schafft ebenfalls Arbeitsplätze. Auch dieses muss bei Expansionswillen unterstützt werden.

Bürgerforum Wasserburg: Neue Gewerbeflächen nur maßvoll und bedarfsorientiert. Zuerst sollen bestehende Flächen reaktiviert werden. Qualität, Nachhaltigkeit und gute Anbindung stehen vor reiner Flächenausweisung.

Freie Wähler-Wasserburger Block: Eigene Gewerbeflächen bestehen nicht. Wenn private Flächen zur Verfügung stehen, würden wir den Prozess vorantreiben und im Rahmen der Gesetzmäßigkeiten unterstützen und begleiten.

ÖDP: Vorrang für Innenentwicklung statt Flächenverbrauch. Bestehende Areale ökologisch nachverdichten, Dachbegrünung und PV verpflichtend, klimaneutrale Gewerbeparks, keine Versiegelung wertvoller Naturflächen.

Linke Liste Wasserburg: Neue Flächen nur flächensparend und nachhaltig: Vorrang Innenentwicklung/ Flächenrecycling. Wenn neu, dann konfliktfrei zu beispielsweise (möglichen) Wohngebieten, gute Fern- und ÖPNV-Anbindung; Vergabe nach Tarifbindung und Umweltkriterien.

Wie ist Ihr Konzept für Verkehr und Parken in der Altstadt, um die Bedürfnisse von Kunden, Mitarbeitern und Anwohnern zu decken?

CSU: Die Altstadt muss für alle gut erreichbar bleiben. Die unterschiedlichen Bedürfnisse von Kunden, Mitarbeitern und Anwohnern sind in Einklang zu bringen. Die bestehenden Strukturen weiterhin sinnvoll nutzen und gezielt optimieren.

Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg: Vernünftige Parkgebührpolitik als Voraussetzung für Konkurrenzfähigkeit Wasserburgs gegen den Online-Handel. Keine Einnahmequelle, sondern Verhinderung Dauerparken. Erste Stunde kostenfrei.

Bündnis 90 / Die Grünen: Die Erreichbarkeit mit dem Pkw bleibt wichtig, die Parkhäuser belasten den Stadthaushalt jedoch massiv. Wir wollen so gut es geht, die Alternativen zum Pkw fördern und ausbauen – dies kommt auch denen zugute, die aufs Auto angewiesen bleiben.

SPD: klare Verkehrslenkung und Entlastung der Altstadt, weitere Reduzierung des Durchgangsverkehrs, Anwohnerparkplätze, weitere verkehrsberuhigte Bereiche in sensiblen Zonen, Kurzzeitparkplätze für den Einzelhandel.

Bürgerforum Wasserburg: Die Altstadt muss erreichbar bleiben. Parken bleibt wichtig für Handel und Beschäftigte und Bewohner. Gleichzeitig stärken wir ÖPNV sowie Rad- und Fußverkehr.

Freie Wähler-Wasserburger Block: In jedem Fall ist der öffentliche Nahverkehr auszubauen. Die Gebühren des Parkens sind in der neuen Legislatur zu überdenken. Parkflächen auflösen zu Gunsten von Kurzparkzonen. Verkehrsreduzierungen oder -beruhigung der Innenstadt überprüfen.

ÖDP: Autoarme Altstadt, im Bereich der Fußgängerzone lediglich mit Anwohner- und Kurzzeitparkzonen, sichere Radwege, Ausbau ÖPNV, zweite Stadtbuslinie. Stärkung des regionalen Lieferdienstes reduziert Verkehr und erhöht Aufenthaltsqualität.

Linke Liste Wasserburg: Altstadt zuerst für Menschen: verkehrsberuhigte „Anlieger frei“ Bereiche, bezahlbare Anwohnerparkausweise, Lieferverkehr in Zeitfenstern. Parkhäuser optimieren und P&R außerhalb ausbauen. ÖPNV/Altstadtbahn sowie Rad- und Fußwege stärken

Wohnraum in allen Preislagen ist ein wichtiger Standortfaktor. Was planen Sie zur Wohnraumförderung?

CSU: Große Wohnbauprojekte können von der Stadt nicht selbst umgesetzt werden. Wichtig ist daher die Zusammenarbeit mit starken Partnern. Zusätzlich Nutzung von Baulücken, Nachverdichtung sowie unbürokratische Umnutzung von leerstehenden Gebäuden.

Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg: Zügige Entwicklung bebaubarer Flächen in Innenstadt und Umland für alle Einkommensklassen kombiniert mit gerechtem Einheimischenmodell. Proaktives Herangehen an Eigentümer leerstehender Immobilien.

Bündnis 90 / Die Grünen: Bebaubare Grundstücke sind rar sind und die Baukosten auf Rekordhoch. Die Stadt und ihre Stiftungen müssen im Rahmen ihrer Möglichkeiten Wohnraum schaffen. Weiter gilt: Innenentwicklung vor Außenentwicklung und Nachverdichtung, wo möglich.

SPD: Sozialer Wohnungsbau am Areal des alten Wasserburger Krankenhauses. Kauf von einem Teil der neuen Wohngebäude an der Essigfabrik. Neubau und Nachverdichtung von Wohnraum in allen 22 Ortsteilen. Neue Wohnbauprojekte gemeinsam mit der GWG.

Bürgerforum Wasserburg: Bezahlbarer Wohnraum ist Standortfaktor. Fokus auf sozialen Wohnungsbau und Aktivierung leerstehender Wohnungen. Neubau nur dort, wo Bedarf besteht und städtebaulich sinnvoll ist.

Freie Wähler-Wasserburger Block: Wir setzen uns ein, neuen, günstigen Wohnraum zu generieren. Zukünftige Entscheidungen der Neugestaltung von Salzstadel und freiwerdender Feuerwehr werden wir im Vorfeld als Planung für Wohnquartiere präferieren.

ÖDP: Mehr kommunale Wohnungen für günstige Mietpreise, Förderung von Genossenschaften & Mehrgenerationen- Projekten, Aufstockung statt Neubaugebiete, sozialgerechte Bodennutzung, energetische Sanierung mit Mieterschutz.

Linke Liste Wasserburg: Kommunaler Wohnungsbau auf städtischem Grund, Sozialbindung; gemeinwohlorientierte, genossenschaftliche Träger priorisieren. Leerstand und Zweckentfremdung angehen, Sanierungen sozialverträglich, Mieterschutzberatung.

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