Langjähriger Ministerialbeauftragter für die Realschulen in Oberbayern-Ost, Markus Hösl-Liebig, feierlich verabschiedet

Knapp vier Jahre war er Ministerialbeauftragter für die Realschulen im östlichen Oberbayern. Vorher leitete er elf Jahre die Wasserburger Anton-Heilingbrunner-Realschule und davor acht Jahre die Realschule Traunreut. Gestern wurde Markus Hösl-Liebig kurz vor seinem 64. Geburtstag im Historischen Rathaussaal der Stadt Wasserburg feierlich verabschiedet.

Zahlreiche Ehrengäste waren erschienen, wie die Leiterin der Abteilung Realschulen im Bayerischen Kultusminsiterium, Dr. Christine Modesto (Foto). Die beiden Mitarbeiterinnen des Ministerialbeauftragten Dr. Cordula Maiwald und Elisabeth Achatz führten durch den Nachmittag, der von Schülerinnen und Schülern der Staatlichen Realschule Vaterstetten musikalisch umrahmt wurde. Sie begrüßten den Hausherrn, Bürgermeister Michael Kölbl und die Dritte Bürgermeisterin, Edith Stürmlinger, herzlich. Es waren an die 170 Ehrengäste erschienen, Vertreter des Bayerischen Kultusminsiteriums, Landräte oder deren Stellvertreter aus den Landkreisen Rosenheim, Ebersberg, Miesbach, Traunstein, Altötting und Erding. Mit Dr. Ralf Grillmayer konnten sie auch einen Vertreter der Erzdiözese München und Freising begrüßen.

Michael Kölbl begrüßte zuerst Markus Hösl-Liebig und seine Frau Angela. Die Stadt habe diesen Saal für diesen Anlass sehr gerne zur Verfügung gestellt. Wasserburg sei der Amtssitz des Ministerialbeauftragten der Ralschulen in Oberbayern-Ost und Wasserburg sei der Wohnsitz der Familie Hösl-Liebig. Und dieser Saal eigne sich besonders, da hier immer wieder besondere Anlässe gefeiert würden. Die Stadt Wasserburg bedanke sich bei Markus Hösl-Liebig für sein Wirken. Kölbl betonte das hohe Maß an Kompromissfähigkeit, über das Hösl-Liebig verfüge, er sei ein hervorragender Kommunikator und Mediator. „Da sitzt ein Mensch, der hat das Herz am rechten Fleck!“, rief Kölbl den Gästen zu und er ging auf die Städtepartnerschaft Wasserburgs mit Cugir ein und den gemeinsamen Besuch in der rumänischen Stadt vor zehn Jahren. 

Die Realschule Wasserburg sei nicht nur mitten in der Stadt gelegen, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft verortet. Hösl-Liebig habe auch den Kontakt unter den verschiedenen Schularten gefördert und gepflegt, auch das tue Wasserburg gut.

Der Landrat des Kreises Rosenheim, Otto Lederer, begann mit einem Ausspruch Markus Hösl-Liebigs, den dieser gerne bei jeder sich bietenden Gelegenheit wiederholte: „Zukunft ist etwas Positives.“ Hösl-Liebig habe nie wissen wollen, warum etwas nicht gehe, sondern habe stets gefragt, wie es gehen könnte. Dieser lösungsorientierte Ansatz habe Gespräche mit ihm stets geprägt. Wann immer man im Landratsamt seinen Namen ausgesprochen habe, habe diese Tatsache stets ein Lächeln auf die Gesichter „gezaubert“. Und er ergänzte: „Seine Geduld war wie ein Amboss!“

Es sei stets das große Bestreben Hösl-Liebigs gewesen, junge Leute der verschiedensten Nationen zusammenzubringen. Wenn Europa von unten wachsen solle, so sei sein Credo gewesen, dann gehe es nur über diesen Weg. Und so habe Hösl-Liebig Schule gestaltet. Die Schule, der er vorstand, sei Ausbildungsschule geworden, er habe neue Führungsstrukturen geschaffen und hier gezielte Aufbauarbeit geleistet. Das Landratsamt verliere einen angenehmen Gesprächspartner, schloss Lederer seine Ausführungen.

Die Leiterin der Abteilung Realschulen im Bayerischen Kultusministerium, Dr. Christine Modesto, ergriff daran anschließend das Wort und würdigte Hösl-Liebigs Liebe zum Detail, sein Können, seine Begeisterungsfähigkeit und die Leidenschaft, mit der er seine Aufgaben bewältigt habe. Markus Hösl-Liebig sei in Mallersdorf und Rott aufgewachsen, in Rott und Rosenheim zur Schule gegangen und habe Englisch und Kunst studiert. Er sei dann sehr schnell in der Schulhierarchie aufgestiegen und 2001 zum Konrektor an der Realschule Haag berufen worden, bevor er 2003 an der neu gegründeten Realschule Traunreut die Leitung übernahm. 2011 sei er dann Leiter der Anton-Heilingbrunner-realschule Wasserburg geworden und 2022 zum Ministerialbeauftragten für die Realschulen in Oberbayern-Ost berufen worden. In dieser Aufgabe habe er die 45 Realschulen in Oberbayern-Ost betreut. Er sei von Anfang an ein „Architekt von Bildungslandschaften“ gewesen, habe die notwendigen Baumaßnahmen in Traunreut souverän geleitet und auch in Wasserburg ein Ausbildungsseminar eingerichtet. Im Umgang empathisch und offen, habe sich Markus Hösl-Liebig allen Herausforderungen gestellt und diese erfolgreich bewältigt.

An ihn gerichtet meinte Modesto: „Sie können stolz sein auf das, was Sie alles geleistet haben.“

Und dann erhielt Hösl-Liebig ein Geschenk und die Urkunde, die es ihm schwarz auf weiß bescheinigt, dass er nun in den Ruhestand eintrete.

Nachdem er die Urkunde erhalten hatte, hätte er gerne das Mikrophon ergriffen, doch er rief nur kurz in den Saal: „Ich darf noch nicht!“ Denn der Vertreter der Erzdiözese München und Freising, Dr. Ralf Grillmayer begann mit seiner Laudatio auf den scheidenden Ministerialbeauftragten: Er gestand ein, eine kleine Träne in den Augenwinkeln zu haben. Der hintergründige Humor von Hösl-Liebig sei schon etwas Besonderes gewesen und dankte Hösl-Liebig für die Wertschätzung, die er für das Profil und das Leistungsvermögen der Realschulen in kirchlicher Trägerschaft gezeigt habe. Er habe sich immer für eine offene, freiheitliche Gesellschaft eingesetzt. Statt Ellenbogen habe er immer das Rückgrat stärken wollen und auch deshalb gehe es jetzt nicht um eine Verabschiedung, sondern um den Beginn einer neuen Zeit.

Und zum Schluss zitierte er Horaz’ „Carpe diem“ auch als Motto Hösl-Liebigs.

Aus Nürnberg war als Sprecher der Ministerialbeauftragten, der Ministerialbeauftragte für die mittelfränkischen Realschulen, Michael Schmidt, angereist. Auch er ließ es sich nicht nehmen, Hösl-Liebigs herausragende Leistungen zu würdigen. Seine moralische Standfestigkeit, die große Kontaktfähigkeit, die auch in schwierigen Zeiten habe fortbestehen können, sei schon bemerkenswert. sein Humor sei eine echte Freude und er habe sich stets für die Sache der Realschulen eingesetzt. Shakespeare zitierend, meinte Schmidt: „Die ganze Welt ist eine Bühne“. Nach diesem Motto habe Hösl-Liebig stets gehandelt. Schließlich würdigten ihn auch noch seine Schulleiterkollegen aus Oberbayern-Ost. So sagte die Leiterin der Realschule Trostberg, dass Markus Hösl-Liebig auch Rätsel aufgegeben habe, das habe mit seinem hintergründigen Humor zu tun. Aber er habe auch Innovationen umgesetzt: „Du hast schwarze Kleidung, Deine halblangen Haare und den Ohrring gesellschaftsfähig gemacht!“ Aber sie meinte auch: „Du bist keiner für den ersten Eindruck!“ Er möge nun sehr viel Zeit auch dafür haben, auf seine Gesundheit achten zu können und vielleicht finde er ja Gefallen daran, einfach nur Opa zu sein.

Zu Guter Letzt kamen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MB-Dienststelle Auf der Burg zu Wort. Markus Hösl-Liebig habe die „Fünf-S-Methode“ perfektioniert: Sortieren, systematisieren, sauber halten, standardisieren und Selbstdisziplin seien bei ihm gelebter Alltag gewesen. Kunst sei eben auch eine bewusste Haltung und die habe er stets beherrscht.

Dann ergriff Hösl-Liebig nun selbst das Mikrofon: Es fehlten ihm die Worte nach all diesen Ehrungen. er ging auf die von ihm selbst gefertigten Zeichnungen auf der Einladung ein, wo ein Baum aus seinem Wurzelwerk herausgerissen wird, in die Tiefe des Inn stürzt und letztendlich nichts mehr an das Bäumchen erinnerte. Der Baum, meinte Hösl-Liebig, hüpfe nach 40 Jahren einfach hoch und stürze in die Tiefe. Es gebe keine Erinnerung mehr. Man dürfe sich fragen, ob das Bäumchen wohl nicht mehr wollte oder nicht. Und er schloss mit den Worten: „Wem es nicht leid tut, ist das Bäumchen selber!“

Es gebe einen Punkt, an dem es kein Zurück mehr gebe, und das sei gut so. Er werde die Schülerinnen und Schüler vermissen, meinte er abschließend und er dankte allen für alles. „Ohne Euch hätte ich es nicht geschafft!“ Und dann meinte er nur noch: „Das war’s jetzt. Punkt.“

Wer am Mittwoch im Rathaussaal dabei war, hat eine würdige Abschiedsfeier für einen außergewöhnlichen, dynamischen, stets besonnenen Menschen erlebt, den man in der Wasserburger, aber auch der Bayerischen Schullandschaft vermissen wird.

Am Freitag, den 13. Februar, wird er seinen 64. Geburtstag feiern können und seine Dienststelle endgültig verlassen.

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