Neues Buchungssystem für Stadtführungen sorgt für Unmut

Im nicht-öffentlichen Teil der letzten Wasserburger Stadtratssitzung wurde einstimmig beschlossen, ein neues Buchungssystem für Stadtführungen einzuführen. In einer Pressemitteilung machen einige Stadtführer auch ihre Sorgen aufmerksam – sie befürchten einen Imageschaden für Wasserburg und weniger Stadtführungen. Sie sehen das bewährte Stadtführungsangebot der Stadt ab 2026 ernsthaft bedroht. 

Seit Jahrzehnten vermittelt die Tourist-Information Gruppenführungen an selbstständig tätige Stadtführerinnen und Stadtführer. Dieses Modell habe sich bewährt und ist ein wichtiger Bestandteil des touristischen Angebots der Stadt.

„Wir begrüßen ausdrücklich eine digitale Lösung für die Organisation von Führungen“, betont Inge Löfflad, Stadtführerin in Wasserburg. „Was wir jedoch nicht akzeptieren können, ist die Verpflichtung zu einem einseitigen Vertrag mit einem externen Anbieter, obwohl sich an der eigentlichen Vermittlung nichts ändert.“

Der vorgelegte Vertragsentwurf enthalte nach Einschätzung der Stadtführer zahlreiche einseitige Verpflichtungen, unklare Leistungsbeschreibungen, Provisionszahlungen sowie weitreichende Rechteübertragungen. Die große Mehrheit der Stadtführer lehne dieses Vertragsmodell daher ab.

Zusätzlich sorgt die aktuelle Außendarstellung für Unverständnis: Das Stadtführungsangebot für 2026 wurde von der städtischen Website entfernt, zudem werden weiterhin veraltete Preise veröffentlicht, obwohl die gültigen Tarife längst abgestimmt sind.

„Für Gäste entsteht der Eindruck, als gäbe es im kommenden Jahr kaum noch Stadtführungen“, befürchtet Sylvia Hampel. „Das schadet dem Image Wasserburgs und verunsichert Veranstalter und Reisegruppen.“

Besonders kritisch sehen die Stadtführer die Ankündigung, ab Januar 2026 nur noch diejenigen zu berücksichtigen, die den Vertrag mit dem externen Anbieter unterzeichnen. Stand heute lehnt die überwiegende Mehrheit der Stadtführer dieses Vertragsmodell ab.

„Wenn an dieser Linie festgehalten wird, stehen der Stadt im nächsten Jahr faktisch kaum noch Stadtführer zur Verfügung“, warnt Irene Kristen-Deliano. „Das kann niemand ernsthaft wollen.“

Dabei liegt aus Sicht der Stadtführer eine praktikable Alternative auf dem Tisch. Mit der Software „Novere“ existiert ein System, das in mehreren Städten und Institutionen erfolgreich eingesetzt wird und alle notwendigen Anforderungen erfüllt.

„Wir verstehen nicht, warum diese Lösung bislang nicht geprüft wurde“, frägt Hiltraud Inninger.  „Sie würde den Konflikt entschärfen und allen Beteiligten helfen.“

Die Stadtführer appellieren daher an Bürgermeister und Stadtrat, zeitnah regelnd einzugreifen und eine sachliche, transparente Lösung herbeizuführen.

„Wir machen diese Arbeit mit Herzblut und Identifikation mit unserer Stadt“, so der abschließende Appell von Ingrid Unger. „Wir möchten auch künftig für Wasserburg da sein – dafür brauchen wir jetzt eine vernünftige Entscheidung.“

Stadt sieht Neuregelung als „notwendig und zeitgemäß“

Auf Anfrage der Wasserburger Stimme erklärt Bürgermeister Michael Kölbl, dass die Umstellung auf ein elektronisches Buchungssystem mehr als überfällig sei. „Es ist einfach nicht mehr zeitgemäß, die Buchungen über die Tourist-Info oder ein Kontaktformular abzuwickeln“, so Kölbl. Das neue Buchungssystem „IRS18 e.V.“  habe sich auch bereits bei der Zimmervermittlung bewährt. Für die Stadtführer falle eine Systemgebühr von drei Prozent an – diese Gebühr könne aber auf den Preis der Stadtführung hinzugefügt werden. Darüber hinaus verzichtet die Stadt auf die ursprünglich geplante Provision von sieben Prozent.

Geprüft worden sei auch ein Alternativsystem, das von den Stadtführern vorgeschlagen wurde. Konrad Doser von der Stadtverwaltung beschreibt dieses System als „weniger komfortabel und vor allem teurer“.

Grundsätzlich gebe es auch, so Kölbl, Befürworter des neuen Buchungssystems, beispielsweise die Bierkeller-Freunde und Stadtführerin Michaela Halt.

TANJA GEIDOBLER

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