Fachleute fordern koordinierte Maßnahmen
Bei einer Tagung zur Quaggamuschel im Rathaus, organsiert von der Marktgemeinde Prien und dem Rotary Club Chiemsee, haben Experten aus Wissenschaft, Behörden, Fischerei, Wasserwirtschaft, Vereinen und Kommunen eindringlich auf die zunehmende Ausbreitung der invasiven Quaggamuschel im Chiemsee hingewiesen. Die Vertreter betonten den hohen Handlungsdruck und die dringende Notwendigkeit einer überregionalen Koordinierung.
Zu Beginn stellte Prof. Dr. Herwig Stibor von der LMU München aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse vor. Demnach filtert die Quaggamuschel in großem Umfang Plankton aus dem Wasser und entzieht damit anderen Arten die Lebensgrundlage. Sie vermehrt sich rasch, haftet sich an feste Oberflächen und verbreitet sich als Larve über das Wasser. Untersuchungen zeigen, dass sich die Muschel vermutlich bereits seit mehreren Jahren im Chiemsee etabliert hat. Besonders ausgeprägt ist die Besiedlung im Bereich Urfahrn, wo Wachstumsraten sogar über den Beobachtungen aus dem Bodensee liegen.
Alarmierend seien zudem Befunde aus der Alz, wo auf einem längeren Abschnitt nahezu ausschließlich Quaggamuscheln vorkommen. Auch aus dem Simssee, dem Ilsesee, dem Traunsee sowie weiteren Gewässern wie ganz aktuell dem Starnberger See wurden Nachweise gemeldet.
Ein zentrales Thema war die Belastung für Fischerei und Infrastruktur. Vertreter der Fischerei berichteten von erheblichen Einschränkungen: Netze reißen unter dem Gewicht der Muscheln, Großreusen werden unbrauchbar, und Fische können die Vermehrung nicht eindämmen. Auch die Schifffahrt und Werften verzeichnen steigenden Reinigungs- und Wartungsaufwand.
Die Behördenvertreter, darunter das Landesamt für Umwelt, verdeutlichten, dass eine deutschlandweite, koordinierte Strategie bislang fehle. Zwar wurden regional schon klare Schutzbestimmungen beispielsweise in Genehmigungen für Regatten aufgenommen und zahlreiche Institutionen arbeiten bereits an Teilaspekten, doch eine zentrale Stelle für die Steuerung des Monitorings oder der Maßnahmen existiert derzeit nicht.
Mehrere Teilnehmer sprachen sich daher für verbindliche Reinigungsstandards, eine breitere Sensibilisierung der Bevölkerung und eine klare Abstimmung zwischen Landkreisen, Wasserwirtschaftsämtern und Naturschutzbehörden aus. Besonders hervorgehoben wurde, dass bereits einfache Maßnahmen – wie konsequente Reinigung von Booten, Neoprenanzügen oder Wasserspielgeräten – zur Eindämmung beitragen können.
Am Ende der Tagung kündigte Bürgermeister Andreas Friedrich an, gemeinsam mit den Anrainergemeinden des Chiemsees, die im Abwasser- und Umweltverband Chiemsee verbunden sind, einen offenen Brief an Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber zu richten, um auf die Dringlichkeit aufmerksam zu machen und konkrete Schritte zur Beobachtung und Entwicklung einer zumindest bayernweiten Strategie im Umgang mit der invasiven Art einzufordern.
Bild: Markt Prien
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