Emotionale Diskussion gestern im Stadtrat

In der gestrigen Stadtratssitzung sollte der Planungsauftrag für die Freisportanlage in der Alkorstraße/Dirneckerstraße ab Leistungsphase drei definiert werden. Entwickelt hat sich daraus eine emotionale Diskussion darüber, ob ein Naturrasen- oder Kunstrasenplatz daraus werden soll.

Der Stadtrat hat in seiner Sitzung am 30. Oktober beschlossen, das Angebot der Erzbischöflichen Finanzkammer zum Abschluss eines Erbbaurechtsvertrags über eine Teilfläche südlich der Alkorstraße über insgesamt 30.000 Quadratmeter anzunehmen. Angedacht ist, in den kommenden Jahren eine Sportfläche für den TSV 1880 Wasserburg zu entwickeln. Bürgermeister Michael Kölbl informierte, dass bislang der Vorabzug für den Vorentwurf für die Errichtung der neuen Sportanlage vorliege. Dieser wurde in der Januar-Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses vorgestellt und das weitere Vorgehen beschlossen.

Zunächst sollen, so Kölbl, die Verhandlungen mit der Erzbischöflichen Finanzkammer fortgeführt werden. Im Haushaltsjahr 2026 wurden Haushaltsmittel für den Erwerb des Erbbaurechts, Planungskosten für die Objektplanung und Planungskosten für die Bauleitplanung veranschlagt.

Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann und Kämmerer Robert Mayerhofer berichteten über den aktuellen Stand zum Grunderwerb, zur Bauleitplanung und zur Objektplanung. Zwischenzeitlich wurde der Abschluss eines Erbbaurechts mit der Erzbischöflichen Finanzkammer verhandelt. Die Genehmigung des kreditähnlichen Rechtsgeschäfts wurde vom Landratsamt Rosenheim erstellt. Der Vertragsabschluss ist im ersten Halbjahr 2026 geplant.

Die Änderung des Flächennutzungsplans wurde vom Stadtrat bereits beschlossen. Für die Aufstellung des Bebauungsplans soll ein Planungsbüro beauftragt werden.

Für die Objektplanung ist der Planungsauftrag vom Stadtrat zu definieren, um die notwendige Entwurfsplanung mit Kostenberechnung beauftragen zu können. Aufgrund der Wertgrenzen der Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge (VGV) ist ein Vergabeverfahren für die Planungsleistungen zur Objektplanung notwendig. Hermann erklärte, dass das geschätzte Honorar über dem Schwellenwert von 216.000 Euro netto für eine EU-weite Ausschreibung liegen werde.  Die Freilagenplanung müsse als Gesamtauftrag vergeben werden, auch wenn die Ausführung in Bauabschnitten erfolge. Sinnvolle Bauabschnitte seien aktuell ein Kunstrasensportfeld mit Rasenspielfeld und das Werferzentrum. Die Entwurfsplanung mit Kostenberechnung, Folgekostenberechnung und Finanzierungsplan seien Grundlage für einen Maßnahmenbeschluss, der vom Stadtrat zu treffen ist. Im Maßnahmenbeschluss könne auch die Entscheidung darüber getroffen werden, wer als Bauherr auftrete und wie die Maßnahme finanziert werden soll.

Norbert Buortesch (Bürgerforum) regte, auch in seiner Funktion als Umweltreferent, eine Diskussion an, ob man sich für einen Naturrasen oder Kunstrasen entscheiden möchte. Bisher sei hier noch nichts entschieden worden, der Beschluss könnte auch bis zur nächsten Sitzung im April vertagt werden.

„Der Stadtrat steht zum neuen Sportplatz“, sagte Christian Stadler (Bündnis90/Die Grünen), bisher seien alle Beschlüsse einstimmig gefallen. Nun stelle sich aber die Frage, ob man sich dies leisten könne. Jeder rede immer vom Sparen, aber wenn es um den Fußballplatz gehe, zähle dies anscheinend nicht mehr.  Auch die Nachhaltigkeit müsse im Blick behalten werden. Stadler schlug vor, nochmal auf Planungsstufe zwei zurück zu gehen und den Naturrasen und Kunstrasen gegenüberzustellen. Nur so könne gut entschieden werden.

Von einer „schwierigen Entscheidung“ sprach Werner Gartner (SPD). Auch wenn man nicht wisse, ob man es sich leisten könne, sollte jetzt eine Planung gemacht werden. Er sei kein Freund von einem Kunstrasen, aber wichtig sei, dass kein Plastikgranulat verwendet werde. Zum anderen biete der Kunstrasenplatz die Möglichkeit, dass im Frühjahr und Herbst gespielt werden könne. Vom TSV Wasserburg gebe es die Bereitschaft, die Umsetzung zu tragen.

Sportreferent Jakob Schedel (CSU) verwies darauf, dass die Plätze nicht gegenübergestellt werden können. „Wir müssen jetzt mit der Planung beginnen, für den Sport in Wasserburg“, so der Sportreferent. Bei der Entscheidung für Naturrasen bräuchte man wieder mehr Hallenkapazitäten, die nicht vorhanden seien.

Christian Flemisch (ÖDP) plädierte für einen Naturrasen, vor allem aus ökologischen Gründen, die bei einem Kunstrasen nicht gegeben sind.

„Wenn wir den benötigten Bedarf decken möchten, führt an einem Kunstrasenplatz kein Weg vorbei“, erklärte Bürgermeister Michael Kölbl. Man brauche den Platz und die Entscheidung soll nicht mehr drei Wochen verschoben werden. Für den Fall, dass man sich das Projekt nicht leisten könne, sei das Rücktrittsrecht in den Vertrag eingebaut worden.

Dem schloss sich auch Heike Maas (CSU) an. Durch die vielen Sportler, Jugendlichen und nun auch einer Damenmannschaft werden die Plätze immer mehr bespielt. „Ja, die CSU möchte sparen, was man mit dem Kunstrasen auch macht“, so Maas. Mit einem Naturrasen sei man gezwungen, wieder nach einem neuen Platz zu suchen, um den Bedarf zu decken und dies koste noch mehr Geld.

„Wir sollten Schritt für Schritt denken und vor allem die Haushaltslage im Blick behalten“, sagte Friederike Kayser-Büker (SPD). Es gehe auch um die Folgekosten. Es handele sich um ein wichtiges Projekt, aber kein lebensnotwendiges. Deshalb sei eine Gegenüberstellung der Varianten wichtig.

„Erschüttert über die Diskussion“ zeigte sich Edith Stürmlinger (Bürgerforum), die sich von ihrem Fraktionskollegen Norbert Buortesch distanzierte. Ein Naturrasen bringe nicht den gewünschten Nutzen. „Wir müssen pro TSV und für die Fußballjugend abstimmen“.

Die Dringlichkeit sei sehr wohl gegeben, so Markus Dresp (Bürgerforum). Drei Jahre wurde ein Platz gesucht, nun dauere es nochmal zwei Jahre – „das ist eigentlich zu lang“. Man investiere hier in die Jugend, auch, um sie vom Handy wegzubringen.

Steffi König (Bündnis90/Die Grünen) sah in einer Gegenüberstellung keine Verzögerung. Man brauche den Platz, müsse aber auch die ökologischen Aspekte beachten. „Kunststoff ist nie nachhaltig und muss entsorgt werden. Wir haben eine Verantwortung für die Kinder“. Aus diesem Grund könne sie dem nicht zustimmen.

„Wir müssen uns entscheiden, die Notbremse können wir immer noch ziehen“, erklärte Wolfgang Schmid (CSU).

Mit 8:15 Stimmen sprach sich der Stadtrat dagegen aus, zunächst die Variante Naturrasen zu prüfen und gegenüberzustellen.

Die Eckpunkte für den Planungsauftrag zur Objektplanung wurden definiert.

Mit einer Gegenstimme wurde die Errichtung einer öffentlichen Freisportanlage für den Zweck des Breitensports und einer Nutzung durch Vereine und Dritte. Einem möglichst nachhaltigen Kunstrasenfeld laut Vorentwurf mit Flutlichtanlage wurde mit 15:8 Stimmen zugestimmt. Die Planung mit einfachen Sanitäranlagen (Toilettenanlagen), ansonsten Nutzung der Infrastruktur am Badria, wurde mit einer Gegenstimme zugestimmt. Einstimmig fielen die Planung ohne Tribünenanlage, der Trainingsplatz als Rasenspielfeld laut Vorentwurf, die Einfriedung der Sportanlage und Ballfangzäune sowie die Bildung von Bauabschnitten. Die Rasenkraftsportanlage ohne Werferhaus bekam eine Gegenstimme.

Die Verwaltung wurde beauftragt, ein VGV-Verfahren für die Planerauswahl zur Objektplanung einzuleiten, um die Beauftragung der Leistungsphase drei zu ermöglichen. Die Grundlagen für einen Maßnahmenbeschluss sollen möglichst bis Ende 2026 erstellt werden.

TANJA GEIDOBLER / Bild: Stadtverwaltung Wasserburg

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