Gestern Abend: Großer Andrang bei Podiumsdiskussion der Wasserburger Bürgermeisterkandidaten
Der Pfarrsaal in St. Konrad reichte fast nicht aus für die vielen Besucher – sehr groß war das Interesse gestern Abend an der Podiumsdiskussion der vier Wasserburger Bürgermeisterkandidaten Sepp Baumann (Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg), Georg Gäch (FW Wasserburger Block), Milan Matijevic (Linke Liste) und Bastian Wernthaler (CSU/Grüne/SPD/Bürgerforum) auf Einladung von Rio-Konkret. Moderiert wurde der Abend von Heike Duczek. Diskutiert wurde zu drei unterschiedlichen Themenblöcken – Energiewende, Mobilität und Wohnen, Leben, Arbeiten. Die Themenblöcke waren den Kandidaten bekannt, die Fragen dazu nicht. Zur Beantwortung der Fragen hatte jeder Kandidat zwei Minuten Redezeit. Im Anschluss an jeden Themenblock hatten auch die Besucher die Möglichkeit, Fragen zu stellen.
Robert Obermayr von Rio-Konkret freute sich über die vielen Besucher. Hier sehe man, wie sehr Bürgerbeteiligung allen am Herzen liege. Einen großen Dank richtete er an Stadtpfarrer Bruno Bibinger für die Nutzung des Pfarrsaals.
„An diesem Abend gibt es die einmalige Chance, alle vier Kandidaten kennenzulernen“, so Moderatorin Heike Duczek.

Sepp Baumann verwies darauf, dass hierzu im Stadtrat bereits viel vorangebracht wurde. Man müsse über Geothermie nachdenken, denn diese liefere Strom, unabhängig vom Wetter. Auch Hackschnitzel seien eine Alternative. „Wichtig ist, dass wir bald eine Lösung finden“.
Sehr angetan von der Geothermie zeigte sich auch Georg Gäch, allerdings sei diese „sehr, sehr teuer“ und der Haushalt biete derzeit keinen Spielraum dafür. Da es beispielsweise in der Altstadt schwierig werde, eine Biogas- oder Hackschnitzelanlage zu positionieren, sah er für die künftige Wärmeversorgung eine „Mischung aus vielen Heizungsarten“.
Angesprochen auf mögliche Synergien der Stadt mit den großen Unternehmen erklärte Milan Matijevic, dass diese zwangsläufig zusammen planen müssen. Man müsse nicht zwangsweise über Geothermie nachdenken, aber die großen Unternehmen sollten der Stadt etwas zurückgeben, beispielsweise Strom. Hierzu gab es Applaus vom Publikum.
„Die Wärmeplanung in Wasserburg ist bereits sehr weit fortgeschritten“, erklärte Bastian Wernthaler. Man wisse, wo es hingehe und der nächste Schritt sei eine Machbarkeitsstudie. Betriebe müssen in die Pflicht genommen werden. Angesprochen auf die Rolle der Stadtwerke sagte Wernthaler, das Badria sei defizitär, so wie jedes Schwimmbad. Aber das Badria vereine auch Sportanlagen und die Mehrzweckhalle in sich. „Ich stehe zu 100 Prozent hinter dem Badria, zu überlegen wäre beispielsweise ein günstiger Sommerbetrieb für Familien“. Applaus dazu vom Publikum
Im der nächsten Fragerunde ging es um den Neubau des Wertstoffhofs, den viele Bürger kritisch und als Lücke für die Altstadt sehen. Auch sei ein Verleihsystem angedacht.
Georg Gäch sprach sich für den neuen Standort aus, da die jetzige Stelle sehr beengt sei. Eventuelle könne man durch ein „Ringsystem“ eine Entzerrung für den Verkehr schaffen.
Als „großer Fan“ von einem Verleihsystem, gerade im Hinblick auf den Klimaschutz, bezeichnete sich Milan Matijevic. Ehrenamtliches Engagement wie beispielsweise das „Repair-Cafe“ seien tolle Projekte, auch am Wertstoffhof könnte eine Bastelecke oder ein Reparaturbereich entstehen. „Die Leute wollen recyceln, hier sollte die Stadt den Bürgern entgegenkommen.“
Auch wenn die Altstadtbewohner teilweise nicht glücklich mit der Verlegung des Wertstoffhofes sind, so überwiegen für Bastian Wernthaler die Vorteile. Er verwies auf die Lastenräder der neuen E-Bike-Verleihstation, mit denen man künftig gut zum Wertstoffhof kommen könne. „Wasserburg kann auf sein Müllsystem stolz sein“.
Sepp Baumann ergänzte, dass das Wasserburger Müllsystem sehr gut funktioniere. Eine gelbe Tonne brauche es nicht, eventuell könne über eine neue Wertstoffinsel nachgedacht werden.
Ein Bürger wollte von den vier Bürgermeisterkandidaten wissen, wie sie zur geplanten Deponie in Babensham stehen.

Zweites Thema: Mobilität
Der zweite Themenblock beschäftigte sich mit der Mobilität. So fahre der Stadtbus im 30-Minuten-Takt – es gebe, so Moderatorin Heike Duczek, Forderungen nach einem 20-Minuten-Takt.
„Wir müssen hier realistisch sein“, so Bastian Wernthaler, für den ÖPNV sei darüber hinaus der Landkreis zuständig. Die Stadt leiste sich einen Stadtbus, die 30-Minuten-Taktung sei sehr gut und funktioniere mit zwei Bussen. Bei einer 20-Minuten-Taktung bräuchte man drei Busse, was sehr teuer sei. Diese Taktung sei schwierig umzusetzen, trotzdem müsse überlegt werden, wie man die Außenbereiche besser anbinden könne.
Für Milan Matijevic ist klar: „Wir müssen vorankommen, gerade Wasserburg als Kultur- und Freizeitzentrum.“ Für junge Leute sei es schwierig, wenn der Bus nur im 30-Minuten-Takt und nur bis Mitternacht fahre. Ein Bürgermeister müsse seiner Meinung nach die Stadt zum Landkreis hin präsentieren und bei diesem Thema nicht lockerlassen. Applaus dafür vom überwiegend jüngeren Publikum.
Angesprochen darauf, ob die Busse irgendwann auch elektrisch fahren sollen, erklärte Georg Gäch, dass dies unbedingt gemacht werden sollte. Vielleicht würden die Busse dann auch ein paar Minuten schneller fahren. Eine 20-Minuten-Taktung wäre sehr wünschenswert, aber derzeit nicht leistbar wegen der Haushaltslage.
Hat sich die Bushaltestelle am Marienplatz bewährt? Ja, so Sepp Baumann, da der Bus nur ein paar Sekunden stehen bleibe, was für die Autofahrer verkraftbar sei.
Im nächsten Teil der Fragen ging es um die Zukunftsvision einer Brücke über die Kapuzinerinsel, eventuell sogar eine Seilbahn, die mögliche Reaktivierung der Altstadtbahn sowie das Radwegekonzept in Wasserburg.
„Wir brauchen keine Seilbahn-Touristenattraktion, sondern einen starken ÖPNV“, so Milan Matijevic. Eine Brücke, die die Burgau und das Bürgerfeld verbindet, wäre wünschenswert, steht und falle jedoch mit dem Umweltgutachten, denn der Vogel- und Artenschutz habe Vorrang.
Die Reaktivierung der Altstadtbahn sei, laut Georg Gäch, ein schwieriges Thema und die Kommune nicht zuständig. Es wäre ein wünschenswertes Projekt, das finanzielle nicht machbar sei.
„Beim Thema Radlfahren fragen Sie genau den richtigen“, so Sepp Baumann schmunzelnd, was für viele Lacher im Publikum sorgte. Wenn man in der Altstadt einen Einbahnverkehr installieren könnte, wäre mehr Platz für die Radlfahrer. Auch der Köbingerberg sei ein Problem für Radler. Seiner Meinung nach müsse auch nicht alles mit E-Bikes gefahren werden, diese verbrauchen auch Strom, weswegen er sich auch gegen die E-Bike-Verladestation ausgesprochen habe.
Es war richtig, sagte Bastian Wernthaler, dass die Strecke der Altstadtbahn nicht entwidmet wurde. Angegangen werden müsse das Radwegekonzept, was auch bedeute, die Schad- und Gefahrenstellen zu beheben. An der Idee, einer Brücke über die Kapuzinerinsel sollte man trotz der schlechten Haushaltslage dranbleiben – auch um die Rote Brücke zu entschärfen.
Eine Bürgerin aus Soyen stellte die Frage, wie es mit dem ROSI-Mobil weitergehen werde. Viele kleinere Kommunen seien darauf angewiesen, dass Wasserburg sich dem Rufbus anschließe.

Eine andere Bürgerin sprach die Schwierigkeiten der Bewohner der Innhöhe und der Straßenquerung an. Gerade jetzt bei dem Glatteis seien viele ältere Menschen gestürzt.
Milan Matijevic sprach sich dafür aus, dass hier etwas gemacht werden müsse und der Bürgermeister dranbleiben sollte. Auch Bastian Wernthaler sprach sich für ein „dranbleiben“ aus, allerdings sei die Unterführung nicht nur schlecht, gerade für Kinder habe sie Vorteile. Sepp Baumann verwies auf die Seniorenbeauftragte Friederike Kayser-Büker, die sich sehr für dieses Thema engagiert habe, bisher ohne Erfolg. „Es muss erst etwas passieren, damit was gemacht wird“, so Georg Gäch. Man müsse dranbleiben und notfalls täglich im Straßenbauamt anrufen.
Eine Bürgerin berichtete über die schlechten Park- und Busanbindungen am Kindergarten im Burgstall. Für viele Eltern sei es sehr beschwerlich, den Berg mit Kinderwagen und eventuell Kleinkind hoch zu gehen.
Man müsse froh sein, Kindergärten zu haben, so Milan Matijevic. Ein barrierefreier ÖPNV sei auch hier wichtig und die Stadt müsse Druck machen.
Drittes Thema: Wohnen, Leben und Arbeit
Nach einer kurzen Pause ging es mit dem dritten Themenkomplex Wohnen, Leben und Arbeit weiter. Wie steht es um bezahlbaren Wohnraum? Reichen die geplanten Baumaßnahmen in der ehemaligen Essigfabrik aus? Wie stehen die Kandidaten zu einer Zweckentfremungssatzung bei Wohnungen und Häusern, die leer stehen.
Georg Gäch führte aus, dass es schwierig sei, im Stadtgebiet große Wohnanlagen zu bauen. Eventuell würden sich Grundstücke in Richtung Attel und Reitmehring für sozialen Wohnungsbau eignen. Klar sei, dass dazu auch die Infrastruktur passen müsse. „Es sollte beim sozialen Wohnungsbau keine Denkverbote geben.“
Sepp Baumann würde davon absehen, am Gelände der Essigfabrik zwei Wohnblöcke zurückzukaufen, sondern das Geld für neuen Wohnungsbau nutzen. Es gebe viele leere Häuser und Wohnungen in Wasserburg, hier sollten Gespräche mit den Eigentümern geführt werden.
Gegen eine Zweckentfremdungssatzung sprach sich Bastian Wernthaler aus. Eine Neunutzung des alten Feuerwehrhauses wäre etwas für genossenschaftliches Wohnen.
Die Essigfabrik an einen privaten Investor zu verkaufen, war, so Milan Matijevic, ein großer Fehler. Die Stadt könne derzeit keinen sozialen Wohnungsbau bieten. „Wohnen gehört in städtische Hand.“
Angesprochen auf die Schließung des Caritas-Altenheims sprach Sepp Baumann von einer nach wie vor „schlimmen“ Nachricht. Er regte eine Art „Mehrgenerationenhaus“ für Jung und Alt in der Nähe des Reitmehringer Bahnhofs an.
Wie ist die Altstadt auf Klimaveränderungen wie große Hitze, Hochwasser und Starkregen gewappnet?

Braucht Wasserburg neue Veranstaltungsräume?
Kultur sei, so Milan Matijevic, ein essentielles Thema für Wasserburg, die Stadt sei ein Kulturzentrum. Sehr wichtig sei es, dass kulturelle Veranstaltungsräume mitgedacht werden. „Allerdings darf so ein Rum nicht den Wohnraum verdrängen.“
Wie steht es um das Wasserburger Nachtleben, das von vielen Bürgern kritisiert wird.
„Es leben auch Menschen in der Altstadt“, erklärte Georg Gäch, deshalb sei es schwierig, dort ein aktives Nachtleben zu etablieren, denn die Nachtruhe sollte eingehalten werden.
Muss in Sachen Kinderbetreuung noch etwas gemacht werden in Wasserburg?
Bastian Wernthaler bestätigte den Schulen und Kindergärten eine „tolle Arbeit“. Geschafft werden sollte, dass Kinder nach der Schule oder dem Kindergarten flexibel betreut werden, mit einem gesunden Mittagessen, auch bis 16.30 oder 17 Uhr.
Wasserburg ist als Wirtschaftsstandort gut aufgestellt. Ist die Stadt zu sehr abhängig von den großen Firmen?
Aus Sicht von Milan Matijevic sollte Wasserburg neue Gewerbegebiete sinnvoll planen und keinen Wohnraum verdrängen. „Ich finde nicht, dass Wasserburg von den Großbetrieben abhängig ist.“ Wichtig seien ihm bezahlbarer Wohnraum und glückliche Arbeiter.
Wie sieht die künftige Entwicklung für Reitmehring aus?
Für Sepp Baumann ist klar, dass nach dem Bau des Feuerwehrhauses in Wasserburg ein neues Feuerwehrhaus für Reitmehring gebaut werden müsse. Dadurch würde sich auch die angespannte Parksituation in der Grundschule entschärfen.
Als „super wichtig“ sah Milan Matijevic die Entwicklung in Reitmehring an. Ein neues Feuerwehrhaus sei unverzichtbar.
Bastian Wernthaler berichtete von bereits stattgefundenen Gesprächen mit der Feuerwehr Attel-Reitmehring. Das neue Feuerwehrhaus dort müsse kommen.
Dem schloss sich auch Georg Gäch an.
Ein Stadtführer wies auf den neuen Vertrag der Stadt mit einem externen Anbieter hin (wir berichteten). Die Stadtführer fühlen sich übergangen.
Bastian Wernthaler sah die Stadtführungen als sehr wichtig an, es sei schade, wenn es Probleme gebe. Allerdings sei es Aufgabe und Pflicht der Stadt, zeitgemäß zu handeln. Die Gebühren werden nur vom Anbieter erhoben, nicht von der Stadt. Milan Matijevic fügte an, dass es nicht Pflicht der Stadt sei, Individuen hervorzuheben. Für Georg Gäch sah die Situation aus, dass zu wenig miteinander gesprochen wurde. Auch Sepp Baumann sprach sich für mehr Gespräche aus. Monika Häuslmann, Mitarbeiterin der Tourisinfo, informierte, dass bereits seit 9 Monaten Gespräche mit den Stadtführern laufen, die Diskussion werde zunehmend „absurd“.
Hoch gingen die Emotionen bei der Frage eines Bürgers an Milan Matijevic – „warum soll Wohnraum von Personen geschaffen werden, die sich dann davon nichts erhoffen können“. Milan Matijevic erklärte, dass sich viele Menschen die Miete nicht mehr leisten können, während die Vermieter auf Werten von Hunderttausenden, wenn nicht gar Millionen Euro, sitzen. Die Profitgier sollte gemindert werden und ans Allgemeinwohl gedacht werden. „Eigentum verpflichtet“, so steht es im Grundgesetz. Applaus von der Linken Liste Wasserburg dafür.
Den Abschluss bildete die Frage, welche Vorhaben die Kandidaten nach den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit angepackt haben möchten.
Georg Gäch: „Ich würde mich von der Feuerwehr einkleiden lassen und mit den Feuerwehrlern zusammen ausrücken, um Defizite zu erkennen und zu beheben.“
Sepp Baumann: „Ich würde die sozialen Projekte der Stadt anpacken – in der Grundschule gibt es mittlerweile mehr Sozialarbeiter als Lehrer.“
Milan Matijevic: „Ich würde bei den Bürgern und Familien für spürbare Entlastung sorgen.“
Bastian Wernthaler: „Ich würde in den ersten 100 Tagen mit den Mitarbeitern, Stadtratsmitgliedern und Bürgern sprechen und analysieren, was getan werden muss. Danach erst kommen konkrete Schritte“. Großer Applaus dazu.
Nach knapp drei Stunden Diskussion waren sich die Wasserburger einig: „Das war heute eine echte Entscheidungshilfe.“
TANJA GEIDOBLER / Fotos: Zierlich/Bodmeier
Schaufenster




Respekt für alle Kandidaten!!!
Von der Moderation hätte ich mehr erwartet.
Ja, teilweise etwas seltsame Fragen. Der Abend war trotzdem nochmal eine Entscheidungshilfe.
Als der Bastian Wernthaler von gleich vier Gruppierungen als gemeinsamer Kandidat präsentiert wurde, war das Gegrummel groß, dass das ja keine Demokratie sei, wenn es keine wirkliche Auswahl gäbe. Nun, jetzt saßen da gestern immerhin noch drei Mitbewerber auf dem Podium, aber alle drei sind den Beweis schuldig geblieben, dass sie eine Alternative sein könnten. Das ist für den 24jährigen Poltikneuling sicher weniger peinlich, als für die beiden vermeintlichen „Politikprofis“, dafür hat er sich aber mit seinem polemischen Unsinn von den raffgierigen Vermietern, die auf den Millionen sitzen, halt auch am nachhaltigsten disqualifiziert. Auf eine realistische Idee der Linken, wie die Stadt bezahlbaren Wohnraum schaffen kann, werden wir – so drängend das Problem auch ist – wohl noch lange warten dürfen. Ebenso darauf, dass „die großen Unternehmen der Stadt etwas zurückgeben, beispielsweise Strom.“ Tatsächlich müsste man ja schon froh sein, wenn umgekehrt die großen Unternehmen ihren Strom von der Stadt bzw. den Stadtwerken beziehen. Da fehlt es also offensichtlich schon an den Grundkenntnissen.
Naja, das Vertrauen auf private Investitionen, oder anders gesagt den Markt, hat ja offensichtlich zu massivem Wohnungsmangel und explodierenden Mietpreisen geführt.
Die logische Konsequenz daraus ist, dass die Gesellschaft sich Wohnraum wieder als Gemeingut aneignet und ihn der Profitlogik Einzelner entzieht. Wohnen ist ein Grundbedürfnis und darf nicht in erster Linie als Renditeobjekt behandelt werden.
Auch beim Thema Beitrag zum Gemeinwohl liegt der Kandidat der Linken richtig. Unser Grundgesetz stellt klar: Eigentum verpflichtet. Das ist keine radikale Forderung, sondern geltendes Recht. Es geht also nicht darum, froh zu sein, wenn Unternehmen etwas beitragen, sondern darum, dass diese Verpflichtung endlich wieder konsequent umgesetzt wird.
Und es ist kaum zu viel verlangt, wenn Unternehmer-Familien einen Teil ihrer Multimillionen an diejenigen zurückgeben, deren Arbeit diesen Reichtum überhaupt erst ermöglicht hat.
So viel zur grauen Theorie über Profitlogik, Gemeinwohl und Vergesellschaftung. Kann ich sogar unterschreiben. Zur praktischen Frage, wie die Stadt in Zeiten knapper Kassen, bei immer weiter steigenden Belastungen durch Pflichtaufgaben auch noch eine freiwillige Aufgabe wie den Wohnungsbau in einem Umfang erledigen soll, der zu einer spürbaren Entlastung des wirklich sehr schwierigen Mietmarktes beiträgt, aber erwartungsgemäß kein Wort.
Übrigens: den Rücklauf des Vermögens schwerreicher Unternehmerfamilien gibt es grundsätzlich bereits. Nennt sich Steuern. Und ja: über deren Höhe und Gerechtigkeit muss man dringend diskutieren. Die Forderung vom Herrn Matijevic war aber so wie hier geschrieben: die Firmen sollten der Stadt etwas zurückgeben, beispielsweise Strom. Und das ist und bleibt einfach Unsinn.
Am Besten find ich die Vorstellung, dass alle mit dem Lastenrad zum Wertstoffhof fahren :D
Ja genau. Mit dem Lastenrad von Reitmehring bis zum Neu-Wertstoffhof. Das macht fit.
Mein persönliches Fazit, mit einem Augenzwinkern: Welchen Bürgermeister hätten`s denn gern? Herrn Gäch, der bei fast jeder Antwort sagte: „Das ist die Wahrheit“. Oder Herrn Baumann mit seiner coolen Idee, einen norwegischen Lift für den Köbingerberg zu überlegen? Oder doch Herrn Wernthaler, der schon mit „allen geredet hat“ und seit ca. 1,5 Jahren in Ausbildung beim Bürgermeister ist? Oder vielleicht Herrn Matijevic, der erstaunlich frische Antworten gegeben hat, sich aber bei der letzten Frage doch noch zu wilden Theorien hat hinreißen lassen? Die Qual der Wahl. Ich würde mir wünschen, dass die knapp 50% Wahlbeteiligung von 2020 im März getoppt werden!
Sepp Baumann for Bundeskanzler!
Ihr Fazit ist ja ok, aber die Folgerung m.E. nicht. Mit jedem frustrierten aber ansonsten politisch „vernünftigen“ Nichtwähler werden die Extremen immer mehr. In Wasserburg geht‘s ja, weil keine Extremen kandidieren, ausser den Linken vielleicht. Aber auf Landes- und Bundesebene …
Ein herzliches Dankeschön an die Wasserburger Stimme für die gewohnt ausführliche und informative Berichterstattung zur Bürgersitzung. Es ist toll, dass wir so detailliert über die Pläne der vier Kandidaten auf dem Laufenden gehalten werden.
Einen wichtigen Kritikpunkt möchte ich jedoch ansprechen. Ich finde es persönlich sehr schade, dass bei der Planung der Veranstaltung nicht an die Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung gedacht wurde. Ein Gebärdensprach- und oder ein Schriftdolmetscher hätten dazu beigetragen, dass das Podium wirklich für alle Bürger zugänglich ist. Ich hoffe, dass dieser Aspekt bei künftigen Terminen stärker mit Barrierefreiheit berücksichtigt wird.
Leider wurde diese Veranstaltung nicht in meine Muttersprache übertragen.
Ein Chinesisch-traditionell sowie ein Chinesisch-mandarin-Dolmetscher hätte dazu beigetragen, dass das Podium wirklich für alle immigrierten Chinesen zugänglich ist.
Ich hoffe, dass dieser Aspekt bei künftigen Terminen stärker mit Integration chinesischer Einwanderer berücksichtigt wird.
Einfacher wäre im Jahr 2026 wahrscheinlich eine Übertragung via Teams oder einem anderen Tool. Da gäbe es dann auch die Möglichkeit, Untertitel mit automatischer Übersetzung in mehrere Sprachen anzuzeigen. Bei uns in der Arbeit werden solche Live-Events regelmäßig problemlos durchgeführt.
Tammy, du hast bestimmt im Vorfeld angefragt, ob Gebärdensprache angeboten wird?
Werde aktiv, geh auf die Veranstalter zu, dann kann man Lösungen finden. Und dann geh auch hin!
Im Nachhinein immer zu meckern, trägt nicht dazu bei, das Thema ins Bewusstsein zu bringen, sondern nervt nur.
Mich nervt es nicht! Ich finde es gut, daß @Tammy so konsequent am Thema dran bleibt.
Aber Ihre Idee, @Gemecker, ist sicher gut: Persönlich aktiv werden bei den Veranstaltern bringt sicher etwas.
Baumann und Gäch wirkten auf mich eher so, als hätten sie sich vor allem aus demokratischer Verantwortung aufstellen lassen, um eine breite Auswahl zu gewährleisten und konservative Wählergruppen anzusprechen. Das mag streng klingen, aber über weite Strecken war bei beiden für mich nur begrenzt erkennbar, was politisch wirklich neu oder mutig gedacht wäre; insgesamt wirkte das eher verwaltend als gestaltend.
Matijevic tritt als progressiver, junger Kandidat für die LLW an und ist trotz seiner Unerfahrenheit eine klare Bereicherung für diese Wahl. Respekt gebührt ihm dafür, sich in so jungen Jahren dieser Verantwortung zu stellen. Entscheidend ist am Ende aber nicht sein Alter, sondern die Frage, wie gut er als Rathauschef wäre – und ob seine oft treffenden Analysen mehr sind als Wunschdenken und tatsächlich umsetzbar sein können. Mit der Forderung, Eigentümer*innen und größere Unternehmen stärker in die Verantwortung zu nehmen, liegt er gerade beim Wohnen nicht grundsätzlich falsch. Trotzdem bleibt die Umsetzbarkeit fraglich: Manche Vorschläge wirken im bestehenden System sehr ambitioniert und könnten Projekte zur Schaffung neuen Wohnraums – etwa Entwicklungen wie an der Essigfabrik – eher verzögern als beschleunigen, wenn das politisch Ideale aktuell kaum erreichbar ist. Kurzfristig wird man wohl beides brauchen: mehr Angebot und zugleich Instrumente für sozialverträgliche Mieten.
Wernthaler darf man, unabhängig von persönlichen Sympathien, das Amt grundsätzlich zutrauen. Fraglich ist aber, ob das Engagement aus dem Wahlkampf im Amt gleich stark bleibt. Ebenso offen ist, wie handlungsfähig ein Kandidat dauerhaft ist, der von CSU, Grünen, SPD und Bürgerforum gemeinsam getragen wird, obwohl sich diese kommunalpolitisch in der Vergangenheit nicht immer über einen gemeinsamen Konsens definiert haben. Regiert man dann mit klarer Linie – oder doch nur auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner? Auch inhaltlich bleibt bei ihm manches zu vage. Er mag sich bestimmt für Wasserburgs Vereinsleben und das Badria einsetzen – und vielleicht auch die ein oder andere Problemstelle des nichtmotorisierten Individualverkehrs angehen. Aber wenn verkehrspolitisch am Ende vor allem über kleinere Busse zu Schulstoßzeiten gesprochen wird, ohne Elterntaxis oder progressive verkehrspolitische Ideen zu erwähnen, ist das zu wenig.
Mit Blick auf die Wahl kann man sich also fragen, was man für Wasserburg will: den kleinsten gemeinsamen Nenner eines Vier-Parteien-Bündnisses – oder eine klarere politische Richtung, die stellenweise eher nach Wunschdenken als nach umsetzbarer Kommunalpolitik klingt.
Die Veranstaltung hat sehr unter einer amateurhaften Moderation gelitten. Simple Fragen, kein Nachhaken bei ein paar offensichtlich nicht sachkundigen Redebeiträgen auf dem Podium, keine Möglichkeit zur direkten Diskussion unter den vier Kandidaten. Zu wenig Aussagen, wofür die Bewerber eigentlich stehen, dafür viel „Wünsch Dir Was“. Ich bin nach einer guten Stunde gelangweilt gegangen. Hoffentlich werden die Wahlversammlungen der Parteien interessanter.
Das Problem war sicherlich daß die Fragen hauptsächlich von RIO Konkret erarbeitet wurden und dadurch Klima Energie und Nachhaltigkeit im Vordergrund standen.Gehen sie auf eine Wahlversammlung vom Kandidaten Baumann (ich war auf einer und auch bei den anderen) dann werden sie hören daß er schon viel weiter denkt als der bestehende Stadtrat großteils bereit war mitzumachen.Wegfallende Parkplätze, keine Flächenausweisungen für Handwerker oder kleine Startups.Unsoziale Busgebühren für Kinder und Jugendliche.Und vor allem wie soll der sich aufblähende Verwaltungshaushalt konsolidiert werden.Schade ist auch daß der amtierende Bürgermeister sich eigentlich bereits seit der Nominierung Wernthalers für wichtige Entscheidungen ausgeklinkt hat den er ja schon als seinen Nachfolger überall präsentiert hat.Dafür aber viele Gedanken für einen Naturzerstörenden weiteren Flußübergang.Wo ist hier der Aufschrei der Naturschützer gewesen.Oder die Frage wie soll das Krankenhaus Wasserburg dauerhaft erhalten werden wenn der Kandidat Wernthaler als Bürgermeister nicht im ROMED Aufsichtsrat sitzen kann weil er ja auch nicht im Kreistag sitzten wird.Viele Fragen auf die die Podiumsdiskussion keine Antwort liefern konnte. Auch war das Gejohle der Linken sehr kindisch.
Nun ja, auch der Herr Baumann müsste von seinem an sich ziemlich aussichtslosen Platz 25 erst einmal in den Kreistag gewählt werden. Und auch dann bliebt abzuwarten, ob ihn seine Fraktion in den ROMED Aufsichtsrat schickt.
Und die angeblich so visionären Gedanken sind jetzt in seiner wahrlich nicht kurzen Amtszeit als Stadtrat auch noch nie zur Geltung gekommen. Was wohl auch hier daran liegt, dass nach dem Benennen von Problemen selten ein realistischer Lösungsansatz folgt.