„Noch recht gewöhnungsbedürftig“

Von „überschwänglich“ bis „durcheinander“: So lief der erste Tag für die Wasserburger Gastronomen

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Auf den 18. Mai haben die Wirte hingefiebert, durften sie doch nach dem zweimonatigen Corona-Lockdown zumindest draußen den Betrieb wieder aufnehmen. Während sich die Gäste freuten, hielten die zahlreichen Auflagen die Betreiber und Bedienungen in Atem. Wie hier beim El Paso in der Schustergasse wurde fast überall brav der Sicherheitsabstand eingehalten.

„Alle Tische waren voll besetzt“, bilanziert Miriam Sommer, Chefin vom „Roten Turm“ die Premiere vom Montag. Insgesamt neun Tische hat sie und ihre Crew aufgestellt, „die Gäste waren alle überschwänglich.“ Und zwar so sehr, dass es ein bisschen durcheinander gelaufen sei. „Wir mussten extrem aufpassen und immer wieder kontrollieren, dass sich alle an den Mindestabstand halten“, sagt Sommer, „und auch ein paar Mal ermahnen.“ Ein paar Diskussionen habe es durchaus gegeben, auch, dass einige Gäste anfingen, Stühle zusammenzurücken. „Zur Not müssen wir in Zukunft auch mal ernstere Worte sprechen, wenn sich einzelne nicht an die Auflagen halten“, kündigt die „Turm“-Inhaberin an.

Die Vorschriften hielten sie und die Bedienungen jedenfalls auf Trab. Trotz geringerem Umsatz, sei der Personalaufwand derselbe wie sonst. Denn Tische, Stühle und die laminierten Speisekarten mussten nach jedem Gastwechsel desinfiziert, die Aschenbecher nicht etwa nur ausgeleert, sondern im Geschirrspüler bei 60 Grad gewaschen werden.

Pro Reservierung waren der Name eines Gastes, dessen Telefonnummer und die Personenzahl zu registrieren. „Dabei müssen wir darauf vertrauen, dass Leute wirklich nur aus einem oder maximal zwei verschiedenen Haushalten oder aus einer Wohngemeinschaft kommen“, berichtet Sommer.

Befremdlich fand sie es, dass ein unbekannter Mann ihre Kneipe und die ganze Hofstatt gefilmt habe. Bevor sie ihn zur Rede stellen konnte, war er verschwunden. „Ich weiß nicht, ob es ein Polizist in Zivil oder ein besorgter Bürger war“, sagt Sommer, „man hat immer Angst, dass man was falsch macht.“

 

Das Bedienen mit Mundschutz war gestern für Jujhar Singh, Inhaber des gleichnamigen Restaurants für indische und italienische Spezialitäten, das größte Problem. „Man bekommt darunter nur schwer Luft“, sagt Singh, „wenn man ständig unterwegs ist.“ So habe er und sein Personal im für die Gäste noch gesperrten Innenraum die Schutzmaske immer wieder abgenommen, um durchzuatmen. 19 Tische hatte er bereitgestellt, neun waren davon besetzt, „aber das geht schon, es war ja schließlich Montag“, meint der Wirt, „Hauptsache die Gäste waren glücklich.“

 

Dass er an dem eher umsatzschwachen Montag wieder aufsperren durfte, darüber war Wolfgang Thüring, Chef vom Perfall Restaurant Eiselfing, gar nicht mal so unglücklich. „Das ist normalerweise unser Ruhetag und auch sonst ist ja montags nicht so viel los“, stellt er fest. Aber die Ruhe sei gut gewesen. „Man glaubt gar nicht, was man in all den Wochen wieder vergisst“, schmunzelt Thüring. Weil er zur normalen Fläche einen ungenutzten Gartenanteil habe, kann sehr locker bestuhlt werden, sodass 65 Gäste Platz finden.

Die Sache mit dem Mundschutz findet auch Thüring ungewohnt: „Man schwitzt schon gewaltig darunter.“ Auch er habe immer wieder Pause machen müssen, um vernünftig Luft zu bekommen. „Ich bewundere das Pflegepersonal, das viele Stunden lang ununterbrochen die Maske tragen muss.“

Ein Lob findet er auch für die Gäste die anstandslos das Prozedere mit der Aufnahme der Personalien mitgemacht hätten. Pro Tisch waren auch hier der Name des Reservierenden, die Gesamtzahl der Personen, Telefonnummer sowie der Tag und die Uhrzeit anzugeben. „Vier Wochen lang müssen wir die Listen aufbewahren“, sagt der Wirt, „das entspricht in etwa der maximalen Inkubationszeit.“ Auf herkömmliche Speisekarten hat er verzichtet, stattdessen Kopien ausgegeben, die anschließen weggeschmissen worden seien.

 

Ebenfalls gewöhnungsbedürftig verlief der erste Tag im „Queens Café und Pub“. „Wir mussten die Gäste jeweils zu den Tischen hinführen“, sagt Inhaber Jakob Hastreiter, „und ein paar Leute hatten auch Probleme mit dem Gesichtsschutz, wann sie ihn tragen mussten.“ Dennoch sei alles gut gelaufen, mit maximal 35 Sitzplätzen sei sein Außenbereich ohnehin überschaubar. Etwas skeptisch blickt er auf den bevorstehenden Vatertag am kommenden Donnerstag: „Da wird’s wohl eher eng werden.“

 

Auf die Zeit nach Pfingsten setzt Amina Suvalija, Wirtin vom „Huberwirt am Kellerberg“, ihre Hoffnung. Ihr knappes Resümee vom Montag. „Naja.“ Mehr Anfragen als Gäste habe sie verbuchen können, von 16 Tischen seien lediglich jeweils drei bis vier besetzt gewesen. Die ganzen Auflagen seien schon anstrengend, „aber was sein muss, muss sein.“ Für den Zettel mit den persönlichen Angaben hätten alle Gäste Verständnis gehabt. Ungewohnt sei der Blick in den Biergarten gewesen: Keine Tischdecken, keine Deko, weder Besteck, noch Salz und Pfeffer waren aus hygienischen Gründen zu sehen. Auch beim Huberwirt gibt es nur noch leicht desinfizierbare, laminierte Speisekarten.

„Nun hoffen wir, dass es ab Anfang Juni wieder besser läuft“, so die Inhaberin.

CF

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13 Kommentare zu “„Noch recht gewöhnungsbedürftig“

  1. Also bevor ich mir diesen Zirkus antu‘, bleib ich lieber daheim auf meiner Terrasse mit einer guten Brotzeit … das is für mich kein entspannter Biergartenbesuch… Das Personal und die Betreuung können einem leid tun…

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    1. Besser kann man sein Verständnis für die örtliche Gastronomie auch kaum ausdrücken, als durch den Verzehr der vermutlich selbst zubereiteten Brotzeit auf der heimischen Terrasse….

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  2. Liebe Gwendolyn…ich glaube, es bleibt jedem selbst überlassen, was er tut, oder nicht….
    Aber hier merkt man wieder, kaum ist man etwas anderer Meinung, wird man gleich verbal “torpediert”…
    Vielleicht mehr Solidarität denen gegenüber,die ihre Läden nicht mehr aufsperren werden können und den ganzen entstandenen und noch kommenden Arbeitslosen…
    Denn diese Welle kommt erst noch…
    Aber solange man nicht selbst betroffen ist, redet sich alles einfacher….

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    1. Lieber Ivan. Sie müssen schon zugeben, dass es etwas nach Bigotterie riecht, wenn man Mitleid mit den Gastronomen äußert und dann- quasi im gleichen Atemzug – erklärt, dass man wg. den Begleitumständen Maske, Abstand, keine Tischdeko doch lieber daheim bleibt.
      In Ihrem Kommentar implizieren Sie, dass ich von der derzeitigen Situation nicht betroffen bin und stellen die Vermutung an, dass ich mich leicht rede, weil ich von wirtschaftlichen Schwierigkeiten keine Ahnung habe. Dann lassen Sie mich mal etwas aus meinem Leben plaudern: Ich habe einen Beruf ergriffen, den sich viele Menschen sehr aufregend vorstellen und gerne als Hobby betreiben (würden). Ich wusste, dass die Berufsaussichten schwierig sein würden und dass ich mir dabei sicherlich keine goldene Nase verdienen werde. Ergriffen habe ich diesen Beruf, weil ich tatsächlich der Meinung war, dass er auch eine gesellschaftliche Relevanz hätte. Da werde ich derzeit eines besseren belehrt. Alles Beschäftigen mit der Vergangenheit bringt nichts, wenn die Menschen nicht in der Lage sind aus Fehlern zu lernen. Aber das nur am Rande. Vor 20 Jahren habe ich mein Studium abgeschlossen. In dieser Zeit umfasste die längste Phase mit einer sicheren Beschäftigung 3,5 Jahre, die jedoch als Soloselbständige. Ich kenne Arbeitslosigkeit, ich kenne Jobcenter, ich kenne das miese Gefühl einen Antrag auf Harzt IV auszufüllen, ich kenne Unsicherheit. Anscheinend haben mir diese Erfahrungen aber auch eine gewisse Resilienz beschert. Ich flippe also nicht gleich aus, weil mein Antrag auf Soforthilfe abgelehnt wurde. Und ich werde nie verstehen, warum man glaubt, nur weil die eigene Situation schwierig ist, habe man das Recht nach allen Seiten auszuschlagen…

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  3. Ausserhalb der Geschäfte und Gastronomie hält sich doch eh keiner mehr an was. Überall sind Gruppen und Massen unterwergs. Keiner stammt aus dem gleichen Haushalt oder 2 Haushalten. Und die Geschäfte und Gastros müssen so ein Prozedere über sich ergehen lassen. An Schulen stehen die Schüler zusammen ohne Mundschutz, den sie in der Schule aufsetzen sollen. Die Gstros können doch nie festestellen, ob die Leute aus max. 2 Haushalten kommen. Was soll das Ganze? Das hat doch nichts mehr mit Vorsicht zu tun. Das ist außerhalb der Geschäfte und Gastros usw. so aufgeweicht, so dass das auch keinen Sinn mehr macht. Ich war für die Regelungen, aber das entwickelt sich zum Witz.

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  4. Ich glaube, dass sich sehr viele regelmässiger die Hände waschen und einen gewissen Abstand halten. Soll jetzt jeder mit einem Meterstab durch die Gegend laufen??? Prinzipiell ging es doch darum, durch eine mögliche grosse Welle von Infizierten auf den Intensivstationen, eine Überbelastung zu vermeiden, da man ja nicht gewusst hat, wie sich das Virus verhält. Nun sind die Intensivstationen eher unterbelegt und somit könnte ein weiterer leichter Anstieg leicht kompensiert werden. Vielleich auch mal genauer hinhören, warum gewisse Massnahmen vorgenommen wurden. Der Mensch ist ein freies und soziales Lebewesen und wenn man öfter “höflich” darauf hingewiesen wird, dann funktioniert das im Grossen und Ganzen. Aber scheinbar hat diese Situation nicht dazu beigetragen, dass die Menschen näher zusammenrücken, sondern dass vorhandene Gräben noch tiefer wurden. Denn das “defamieren” und “anschwärzen” , hat mittlerweile ungeahnte Dimensionen angenommen. Bitte “Solidarität” und “Zusammenhalt” nicht nur propagieren, sondern auch leben…
    In diesem Sinne lebt Gesund und Frei…

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    1. Da die Welt zum Großteil nur noch aus Egomanen besteht, ist das mit der Solidarität reines Wunschdenken, leider.

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  5. Ob die Lockerungen ein Risiko darstellen, oder die Maßnahmen wie Mundschutz, Abstand, Adresse angeben was bringen, dass kann jeder bewerten wie er will.
    Das Angeben des Namens und der Telefonnummer erscheint auf den ersten Blick nicht weiter tragisch.
    Aber gnade Ihnen Gott sollte, auch wenn die Wahrscheinlichkeit recht minimal, dass dann doch mal ein “Infizierter” dabei gewesen ist, dann bekommen Sie, ihre Familie, ihre Bekannten, ihre Arbeitskollegen so richtig Spaß.

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  6. Alles in allem scheint Covid-19 um Deutschland eher einen Bogen gemacht zu haben. Man könnte auch von einer Insel der Glückseligen sprechen. Ausnahmen wie der LK Rosenheim, im Bundesdurchschnitt ein sog. Hot Spot, bestätigen die Regel. Daß gerade hier ein massives Abflauen des verantwortungsvollen Umgangs mit dem Virus festgestellt werden kann, stimmt nachdenklich. Die Alltagsbilder aus den frühsommerlichen Innenstädten, oder aber von den chaotischen Verhältnissen an und in den Bergen vom letzten Wochenende, dürften auch nicht dazu beitragen das Virus in die Schranken zu weisen. Vielleicht geht es bis in den Herbst hinein gut, vielleicht knallt es aber auch schon vorher. Die zweite Welle kommt, und sie wird kein Spaß werden. Von daher, Freunde der Sonne, genießt was und wo auch immer. Bitte anschließend bloß kein Gejammer. Eigenverantwortung und Risikobewußtsein sind Begriffe, die eine inhaltliche Auseinandersetzung lohnen.

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    1. Als Landwirt und Tierhalter erinnert mich Corona an diverse Tierseuchen, wie BSE, Blauzungenkrankheit, Vogelgrippe usw. Statt Quarantäne gabs
      damals Bestandskeulung, und jede Geburt, Tierbewegung, Schlachtung usw. müssen seitdem fristgerecht an eine Meldestelle gemeldet werden.
      Bei Verstößen drohen Geldstrafen, Sanktionen und sogar ein Tierhaltungsverbot. Die Horrorszenarien,wie Aussterben von Nutztierarten oder eine
      Übertragung des Erregers auf den Menschen sind im Sand verlaufen. Das was übrigblieb ist ein Haufen Bürokratie und eine ständige Angst einen
      Fehler gemacht zu haben.

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  7. @Gwendolyn warum soll man nicht sagen dürfen dass einem das zu viel Zirkus ist und man lieber zuhause bleibt. Ist jedermanns recht denke ich.

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    1. @ Maria: freilich kann das jeder handhaben wie er oder sie das möchte. Das war auch nicht der Inhalt meines Kommentars. Der richtete sich gegen die Scheinheiligkeit…. Um es verständlich zu erklären: Wem die aktuellen Vorgaben in der Gastronomie zu unbequem oder ungemütlich erscheinen und wer deswegen lieber zuhause bleibt, der soll das bitte so machen. Wenn der selbe Mensch dann jedoch gleichzeitig sein Mitleid über die aktuelle Situation der Gastronomie bekundet, dann empfinde ich das als scheinheilig.

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  8. Bin zu 100 Prozent Deiner Meinung Lothar.
    Die Leute halten sich genau so diszipliniert an die Kontaktbeschränkung wie an die Verkehrsregeln.
    Kasperltheater für Wirte und Gäste- völlig ohne Nutzen.
    Armes Kulturgut Wirtshaus.

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