„Stille über den kalten Fluten”

Werke zweier Wasserburger Künstler in München zu sehen

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Die Ausstellung „Stille über den kalten Fluten des Inns”, die am 16. Mai in der Galerie der Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst in der Finkenstraße in München eröffnet wird, zeigt die innige Auseinandersetzung zweier Künstler, Vater und Tochter, bei gleichzeitiger künstlerischer Eigenständigkeit der Werke. Silvia Hatzl konzipiert für den hohen Galerieraum, im Dialog mit den Werken ihres jüngst verstorbenen Vaters C.A. Wasserburger (geboren als Alexander Hatzl), eine raumspezifische Installation. Das Thema der Zeit, der eigenen, der erlebten und der vergangenen, ist allseits in den Werken präsent.

Silvia Hatzls aufwärtsstrebende, raumgreifende Skulptur aus Stoffbahnen lässt den Betrachter klein werden. Die Textilien fallen leicht aus luftiger Höhe und verdichten sich auf dem Boden zu einer reliefartigen Landschaft. Hatzl, die als Bühnenbildnerin an verschiedenen Theatern gearbeitet hat, setzt das dadurch erarbeitete Feingefühl für den Raum in ihrer Arbeit als Künstlerin passend ein.

Rhythmus und Größe einzelner Gewebebahnen reagieren auf den hohen Ausstellungsraum und sind in Erinnerung an den Bestimmungsort entstanden. Der Betrachter betritt ein ‚Skulpturenbild‘, das sich je nach Standpunkt und Lichteinfall verändert. Die Lebendigkeit, Unebenheit und Transparenz des Materials weckt Assoziationen an japanische Shoji Papiere. Die lichtmalerischen Membranen geben den Blick auf zwei große Gewänder frei, die als Stellvertreter für Personen fungieren. Es sind Gefäße, die die Körper, das Sein aufnehmen. Das Gewand ist Schutz und Hülle, aber auch die fragile Grenze zwischen der Welt und dem Individuum. Die archaische Form des Kleides zitiert frühere Zeiten und fremde Kulturen. Es spielt mit bekannten Elementen der Vergangenheit und bewahrt sie auf diese Weise.

Erinnerungen halten die Zeit fest und können durch Worte und Bilder fixiert werden. Ein Skulpturenensemble in der Ausstellung lässt erahnen, mit welchen Mitteln C.A. Wasserburger seine Lebenszeit gesichert und für die Nachwelt in eine Skulptur gebannt hat. Eine große Vitrine birgt eine Sammlung von Gefäßen mit Bleistiftabrieb und den Reststücken vieler Bleistifte. Daneben ein Tisch mit vierzehn Büchern, die vom Künstler tagtäglich, abends, angefüllt wurden mit Berichten, Erlebnissen, Zeichnungen und von seinem Innersten zeugen.

Die Erinnerung ist vom Künstler fixiert worden, doch bleibt uns eine Teilhabe an ihr verwehrt. Das Zeugnis ist niemandem mehr zugänglich, da die Tagebücher mit mehreren miteinander verschweißten Metallbändern vor neugierigen Blicken geschützt wurden. Diese Arbeit Wasserburgers ist bis kurz vor seinem Tod gewachsen, und die letzten drei Tagebücher, die noch nicht verschweißt waren, hat Silvia Hatzl schließen lassen, um damit im Sinne ihres Vaters das Werk vollenden zu können. Was bleibt, ist die Botschaft, dass wir, um nicht unter der Last der Vergangenheit zu leiden und die Gegenwart zu überleben, nach vorne schauen müssen.

Benita Meißner   

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