Planungsstopp der „B15 neu” gefordert

Über 700 wollen sich ihre Heimat nicht zerstören lassen: Dammbruch für weiteren Großausbau befürchtet

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Hunderte persönliche Einwendungen sind zusammengekommen, die Betroffene aus rund 60 Gemeinden jetzt formuliert und unterschrieben haben. Sie fürchten die höhere Verkehrsbelastung und um ihre Lebensqualität: Die Einwender leben entlang der B15 neu-Trasse, die in verschiedenen Varianten in der Vergangenheit von Planern und Politik diskutiert worden ist. Fristgerecht abgegeben: Unser Foto zeigt Gisela Floegel vom Verein zum Stopp der B15 neu mit zwei Ordnern und mehr als 700 Einwendungen …

In zwei dicken roten Ordnern hat Gisela Floegel, die Vorsitzende der Gemeinschaft der Betroffenen und Gegner der Autobahntrasse Regensburg-Rosenheim, die Einwendungen gesammelt und stellvertretend für die Bürgerinnen und Bürger jetzt der Regierung übergeben, rechtzeitig vor dem Ende der Einwendungsfrist.

Auch wenn der Anlass für die vielen Einwendungen nur ein gerade mal 1,8 Kilometer langer Teilabschnitt der vierspurigen, autobahnähnlichen B15 neu ist (wir berichteten), sehen viele Verfasser darin den Dammbruch für weitergehende Planungen auch durch die südlich angrenzenden Landkreise wie den Altlandkreis Wasserburg und den Raum Rosenheim. 

Juristischer Zündstoff

Zündstoff beinhaltet insbesondere ein beigelegtes anwaltliches Schreiben. Es listet die juristischen Unzulänglichkeiten der Planung auf und belegt sie mit Auszügen aus einem geologischen Gutachten, in dem auf Probleme durch den Eingriff in die Grundwasserströme der Isar eingegangen wird.

Die Kritik entzündet sich auch an unausgewogenen Alternativen: Dem fehlenden Ausbau des ÖPNV in Landshut oder einer nicht in Betracht gezogenen Verlagerung des Güterfernverkehrs auf die Schiene. Schwerwiegende Eingriffe in die Struktur des tertiären Hügellands werden moniert, eine Trassenführung quer zum Verlauf der Flüsse, der hohe Flächenverbrauch durch Einschnitte und Dämme, das alles stehe im Widerspruch zum Bekenntnis für einen sparsameren Flächenverbrauch durch Landes- und Bundespolitik.

Erster Bauabschnitt würde Weiterbau erzwingen

Der erste kurze Planungsabschnitt endet an einer Kreisstraße. Verkehrstechnisch ist damit die Weiterführung zwingend. Verständlich, dass sich Widerstand an allen bisher diskutierten Trassenverläufen regt. Die „Salamitaktik“ empört die Gemüter. Auch die geäußerten Befürchtungen einer Verlärmung sind berechtigt, wie die Erfahrungen der A 94-Anlieger zeigen, die seit Oktober letzten Jahres unter den Lärmemissionen der neuen Autobahn leiden.

Die 60 Jahre alte Planung der B15 neu sei völlig ungeeignet, heutige Probleme zu lösen, kritisieren Schreiber.

In der Tat: Damals war von Umwelt- und Klimaschutz noch wenig die Rede und auch die Verkehrsströme haben sich im Lauf der Jahrzehnte verändert.

Wie wenig aussagekräftig auch Wachstumsprognosen sind, zeigt sich gerade jetzt, wo die Corona- und die Klimakrise zum Umdenken zwingen. Wenn dazu jetzt milliardenschwere Konjunkturpakete benötigt werden, sei dies „nicht mehr die Zeit, um Millionen für nutzlosen und schädlichen Autobahnneubau zu verplanen“, so Gisela Floegel. Sie weiß mit dieser Aussage die zahlreichen Einwender hinter sich: „ Wir fordern den sofortigen Planungsstopp.“

Zur Info: Die Gemeinschaft der Betroffenen und Gegner der B15 neu hatte sich 1974 gegründet, als die Pläne für die geplante Trasse Regensburg – Rosenheim bekannt wurden. Zahlreiche Bürgerinitiativen haben sich dem Anliegen zum Stopp der B15 neu angeschlossen.

 

 

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11 Kommentare zu “Planungsstopp der „B15 neu” gefordert

  1. Viele sind gegen die B15, aber alle wollen den Verkehr aus ihren Ortschaften haben, darum verstehe ich nicht, warum sie dann gegen B15 neu sind – dann wären alle Orte vom Verkehr befreit und hätten ihre Ruhe vom Verkehrslärm.
    Jetzt soll mir einmal jemand sagen, was dagegen spricht. Ich denke einmal mehr, dass es so viele gibt, die alles besser wissen und keine Ahnung haben.

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    1. Was gegen die Trassenführung dieser neuen autobahnähnlichen Bundesstraße (sog. “gelbe Autobahn”) spricht? Neben den oben genannten Argumenten, dass die autobahnähnliche Bundesstraße doch bitte einfach der Trasse der alten Bundesstraße 15 folgen möge. Das Desaster der Wallfahrtsautobahn A 94 (München-Altötting-Simbach-Braunau), die 20 Jahre zu spät kam, weil die alte Trasse der B12 nicht schnell genug für Hrn Tandler war, ist noch in Erinnerung. Die vielen Toten der Todesstrecke B 12 grüßen recht herzlich. Im Übrigen bin ich auch dafür, dass das Kernkraftwerk Marienberg (auch Rosenheim-Nord gennant) endlich gebaut wird. Wegen der Energiesicherheit und so.

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  2. Bin auch der selben Meinung – jeder schreit weniger Verkehr in den Ortschaften und wenn was gemacht wird oder geplant wird, dann so, dass es nicht bei mir ist. So geht es halt nicht – das Verhalten mancher.

    Es würde sicherlich auch Positives bringen und nicht nur Negatives.

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  3. “Das Wohl von Vielen, es wiegt schwerer als das Wohl von Wenigen oder eines Einzelnen. ” Mr. Spock

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  4. Die geplante B15 neu ist eine Autobahn, die nicht so heißen soll. Man kann sich zwischen Regensburg und Landshut anschauen, was das in der Realität bedeutet.
    Wie jede Autobahn dient die B15 neu dem Fernverkehr (hier zwischen Italien und Norddeutschland) und hat deswegen z.B. nur wenige Anschlussstellen. In Niederbayern ersetzt die B15 neu die bestehende Bundesstraße B15 also nicht, sondern läuft mehr oder weniger parallel zur weiter bestehenden B15. Auch im Landkreis Rosenheim ist das so geplant. Die bestehende B15 soll für den regionalen Verkehr erhalten bleiben und zusätzlich würde eine ‘gelbe’ vierspurige Autobahn B15 dazu gebaut. Also dann insgesamt 6 statt bisher 2 Fahrspuren, oft auch noch auf unterschiedlichen Trassen.
    Die B15 neu ist ein seit langem völlig aus der Zeit gefallenes Verkehrsprojekt, das besser heute als morgen zu den Akten gelegt werden sollte.

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  5. Eine vernünftige Lösung wäre die bestehende B15 auf abwechselnd dreispurig ausbauen wie am Attler Berg und dazu noch alle Ortsumfahrungen mit einzubeziehen

    Das Ergebnis wäre, dass der Verkehr besser fließen könnte und zugleich gefährliche Überholmanöver dadurch vermieden werden.

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  6. Wenn ich es damals richtig verstanden habe, geht es um Fernverkehrsentlastungen Münchens.

    Der Ringschluss der A99 konnte leider nicht vollzogen werden und somit platzt die A99Ost oft aus allen Nähten.
    Für uns paar Pendler und Shopper zwischen Rosenheim und Wasserburg würd a Betonstrasserl reichen.

    Solange sich der superreiche Süden Münchens (Grünwald, Gauting, etc…) gegen einen Ringschluss wehrt, wird man um eine leistungsfähige Entlastung nicht rumkommen.
    Bin auch für einen sanfteren Ausbau als einem Highway.
    Aber tun muss sich was – haben jetzt schon teils mehr LKW als PKW auf der 15ener.

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  7. @Bernhard Beck. Ortsumfahrungen reichen völlig. Wie auf der B20 zwischen Landau und Furth im Wald. KEINE einzige Ortsdurchfahrt. Abwechselnd 2spurig. Das reicht völlig.
    Denn die aktuelle B15 würde kaum entlastet. Man zieht sich nur zusätzlichen Verkehr in die Region. Aktuell fährt der Fernverkehr über München auf der A99. Mit B15n holen wir diesen zu uns.

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  8. Des is doch vollkommen egal was geplant werd. Es gibt immer Gegner. Jeder fahrt, keiner mog daheim bleiben, aber nach mehr Umweltschutz und möglichst keinen Straßenbau wird gschrien. Jeder is sich selbst der Nächste. Die Gegner fahren doch selber alle Auto, oder? Die belästigen auch andere Anwohner und fahren auf Brücken und Straßen die die Natur zerstört haben. Selbst wenn de bestehende B15 ausgebaut werden würde, sind doch dann a wieder Gegner zur Stelle.

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  9. Huaba du Host a guade Meinung ! Danke !

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  10. Weils den Leuten immer pressiert und sich heute keiner mehr für etwas Zeit nimmt. Mei, dann brauch ich halt 35min nach Rosenheim und nicht nur 25min.

    Ich wohne dann unmittelbar neben dieser tollen Autobahn, schön wird das nicht.
    Es schränkt uns dann schon sehr ein (Fusswege, Fahrrad-Touren, Freunde besuchen etc…) – die B15 kann man noch überqueren, diese Autobahn mit Sicherheit nicht …

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