Keine Einigung zum Thema Graffiti

Eine lebhafte bis hitzig geführte Diskussion gab es bei der jüngsten Sitzung des Wasserburger Stadtrates zu einem Antrag der Grünen. Diese würden gerne im Stadtgebiet eine oder mehrere Flächen für legale Graffiti-Kunstaktionen freigeben. Die Begründung der Grünen: „Graffitis sind Kunst, illegale Schmierereien sorgen für Ärger und Kosten.” Die Erfahrung zeige, dass legal bestehende Graffitis in der Regel nicht mehr überschmiert würden. Der Antrag, der vom Hauptausschuss an den Stadtrat verwiesen worden war, stieß jedoch bei den wenigsten Räten auf Gegenliebe.

Die Verwaltung hatte im Vorfeld mehrere mögliche Flächen geprüft, letztlich blieb aber nur die WC-Anlage am Gries (Foto oben) über.

Robert Mayerhofer, bei der Stadt für die Liegenschaften zuständig: „Die Altstadt steht denkmalrechtlich unter Ensembleschutz. Da wurden viele mögliche Flächen abgelehnt. Eigentlich können wir uns nur das WC-Gebäude am Gries für einen Versuch vorstellen.”

Christian Stadler von den Grünen war von diesem Vorschlag wenig angetan: „Warum wurden nur Standorte in der Altstadt geprüft? Dort ist es natürlich schwierig, eine geeignete Fläche zu finden.” Er könne sich für eine solche Aktion durchaus die Umfassung von Wertstoffinseln, Trafohäuschen der Stadtwerke oder speziell in der nördlichen Burgau eine Mauer an einem Parkplatz vorstellen.

Bürgermeister Michael Kölbl schlug vor, die Fraktionen sollten sich nochmals und geeignete Flächen im gesamten Stadtgebiet prüfen. „Über diese Vorschläge könnte dann der Hauptausschuss nochmals beraten.”

Wolfgang Janeczka (SPD) sah das anders: „Ich kann den Antrag so nicht stehen lassen. Grundsätzlich freut es uns, wenn die Grünen ihr Herz für die Kunst entdecken.” Das Ansinnen der Grünen sei für ihn jedoch politischer Unfug: „Streetart lebt von der Anarchie im öffentlichen Raum, das kann man nicht regeln. Graffiti richtet sich gegen das Establishment und dazu gehören wir als Stadt und als Stadtrat. Wir werden die Schmierereien durch freigegebene Flächen nicht verhindern. Ganz im Gegenteil: Wir fordern die echten Sprayer eher noch heraus. Außerdem sollten sich die Grünen mal fragen, ob sich so umweltschädliche Sachen wie Farben aus Spraydosen überhaupt mit ihren Grundsätzen vereinbaren lassen.”

Markus Bauer (CSU) sah das genau so: „Mein Kollege Janeczka hat das gut formuliert. Dem kann ich fast nichts mehr hinzufügen, außer, dass auch wir die Sache als reinen Schaufensterantrag sehen. Wir ziehen uns doch da nur noch mehr wilde Schmierereien heran.”

Christian Stadler wehrte sich: „Unser Antrag ist doch vom Hauptausschuss beschlossen. Es geht also nicht mehr um das Ob, sondern nur mehr um das Wie.” Den Kritikern warf er „seltsames Demokratieverständnis”. Auf die Vorwürfe von Janeczka reagierte Stadler mit Unverständnis: „Wir haben in unserer kleinen Fraktion mehr Künstler, als die ganze SPD-Fraktion.” Man wolle einfach einen Wettbewerb und ein bisschen steuern, was auf die Flächen an Graffiti draufkommt.

Sophia Jokisch (Linke) sprang Stadler zur Seite. „Ich wurde schon öfter von Jugendlichen gefragt, ob man nicht solche Flächen zur Verfügung stellen könnte. Es gibt viele, die sich das wünschen.”

Dann ging es zur Abstimmung: Zunächst stand der Vorschlag im Raum, die Stadträte sollten bis zur nächsten Sitzung Vorschläge einbringen. Dafür gab es aber nur acht Befürworter. Der nächste Vorschlag sah vor, für das WC-Häuschen am Gries einen öffentlichen Gestaltungswettbewerb auszutragen. Dafür waren aber nur noch vier Stadträte, der große Rest war dagegen.

Markus Bauer schlug schließlich vor, das Thema an den Hauptausschuss zurück zu delegieren, was schließlich das Gros der Stadträte befürwortete. Nur drei waren gegen diesen Vorschlag.